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Viel zu schnell vorbei

Viel zu schnell vorbei

Die Stimmen des Publikums im voll besetzten Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses wirren am Mittwochabend vor, zwischen und nach der Musik lebhaft und in vielen Sprachen.

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Die febalhafte Geigerin Isabell Faust.

Quelle: bachfest

Während der Musik schweigen sie still und plaudern nicht: Es ist Bachfest-Zeit.

Die finnische Alte-Musik-Szene ist noch jung, das Helsinki Baroque Orchestra gibt es immerhin seit 1997. Der Ruf einer frischen Spielweise eilt dem Barockorchester aus Finnlands Hauptstadt voraus, und mit Gastdirigent Reinhard Goebel steht den Instrumentalisten am in Leipzig genau der Richtige vor, um diesen Ruf zu bestätigen und einen Abend lang Musik von "Bach und Zeitgenossen" quicklebendig werden zu lassen.

Schon Johann Friedrich Faschs Ouvertüre G-Dur FWV K:G5 für drei Oboen, vier Hörner, Streicher und Basso continuo macht richtig gute Laune: Flott kommt die Ouvertüre daher, mit viel Schwung nicht nur in den Streichern, und doch mit viel Liebe zum transparenten Detail wie im Wechselspiel zwischen den Hörnern und Oboen.

Voll unbändiger Spielfreude machen sich die Finnen auch an Johann Bernhard Bachs Ouvertüre g-moll für Violine, Streicher und Basso continuo. Jetzt komplettiert Violinistin Isabelle Faust das Dreamteam des Abends: Sanft verweben sich Solovioline und Tutti-Streicher oder Violoncello, perlt bei Faust Virtuosität geläufig aus den Saiten. Goebel leitet das Ganze lebhaft wie umsichtig: Mit feinfühliger Dynamik kontrastiert er, balanciert aus, und so werden die einzelnen Sätze kurzweilige Appetithappen. Im Loure ist mit der markant ausgekosteten Linienführung auch für das Publikum der Weg nicht weit vom langsamen Schreittanz im Ohr hin zum majestätisch gestreckten Fuß im Schnallenschuh vor dem inneren Auge.

Brillant und mit leichtläufiger Ernsthaftigkeit füllt Faust auch den Solopart in Johann Sebastian Bachs Konzert a-moll BWV 1041 für Violine, Streicher und Basso continuo. Die Zuhörer danken mit begeistertem Applaus, doch es geht noch mehr: Nach der Pause gerät Pietro Antonio Locatellis Concerto grosso Es-Dur op 7/6 "Il pianto d'Arianna" für Violine, Streicher und Basso continuo atemberaubend schön und berührend. Da gießen die Streicher ein zu Herzen gehendes Lamento-Fundament, das das innige Klagen der Solovioline trägt. Die fabelhafte Faust wird danach ebenso umjubelt wie die finnischen Instrumentalisten unter Goebel, und dieser Jubel könnte ein schöner Schlusspunkt sein.

Ist es aber glücklicherweise nicht - das Helsinki Baroque Orchestra setzt noch Johann Sebastian Bachs Sinfonia F-Dur BWV 1046a für zwei Corni da caccia, drei Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo drauf. Auch wenn ein Hornist im ersten Satz wegen seines Kieksers verärgert den Kopf schüttelt - geschenkt. Den lebendigen, frischen Gesamtklang des Barockorchesters schmälert das nicht wirklich. Die Sinfonia, die Frühfassung des Bachschen Brandenburgischen Konzerts Nr. 1 F-Dur, liefert Bachs vertraute Töne ganz schlank und neu, gibt bei allem Tempo viel Raum für ein wundervolles Zusammenspiel von Hörnern, Holzbläsern und Streichern und hat eigentlich nur einen Nachteil: Sie ist viel zu schnell vorbei.

Das Konzert ist es dann auch, und daran können der lang anhaltende Schlussbeifall und die Begeisterung der Zuhörer leztendlich auch nichts ändern. Aber dafür darf wieder geplaudert werden. Anregenden Gesprächsstoff für Fachsimpeleien gab es ja genug.

Birgit Hendrich

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2013

Birgit Hendrich

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