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Kultur Vienna prolling: Die Wiener Durchstarter Wanda zu Besuch in Leipzig
Nachrichten Kultur Vienna prolling: Die Wiener Durchstarter Wanda zu Besuch in Leipzig
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17:55 11.02.2015
Wird nicht mehr lang so zugeknöpft sein: Marco Michael Wanda zu Beginn des Leipziger Konzerts. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Und dann kommen Wanda. Aus dem Nichts. Aus Wien. Außer Kontrolle.

Fünf Party-Prolls, die 80er-Austropop mit Indie-Attitüde kreuzen und voll schnapstrunkener Übermütigkeit in dreckig hingekrächzte Refrainzeilen übersetzen. Refrainzeilen, die allesamt den eigens erdachten Schlachtruf nach "Amore" untermauern und damit das Leitthema dieses Konzertabends vorgeben. Nicht weniger abgedreht als Frontmann Marco Michael Wanda - der sein Hemd schon nach dem zweiten Song komplett aufknöpft, sich während des Gigs vier Kippen ansteckt und sein frivoles Becken immer wieder Miley Cyrus suchen lässt - geht die tanzende Menge mit, völlig euphorisch Musikern gegenüber, die in Deutschland keine zwölf Monate bekannt sind.

Was passiert, wenn eine Band zwischen dem Zeitpunkt des Tour-Bookings und dem Zeitpunkt der Tour gehörig durch die Decke geht, zeigt sich also im Werk 2: Ausverkauft bis auf den letzten Platz ist die Halle D, wie alle anderen Konzerte dieser Deutschland-Tour. Einzig als Support von Kraftklub im März gibt es für Wanda noch Restkarten. 500 Gäste durften sich am Dienstagabend somit für einen schlappen Zehner über die angesagteste österreichische Band und den Playlist-Liebling deutscher Kultradiostationen freuen.

Gebührend kosten Wanda jede Minute dieses Jubels aus, ziehen zack-zack-zack einen Song nach dem anderen weg, im wilden Genremix aus Austro- und Italopop mit gehörig Drive. Samt Tastensounds, die seit den 80ern verboten sind, unter dem Prädikat "retro" mittlerweile aber wieder als clubtauglich gelten, samt Gitarrensoli, die so brutal verwaschen und verzerrt sind wie Poetry-Slam-Texte von Julia Engelmann, samt kreischend-rotziger Vokalparts, die Pelle Almquist zurück in den Gesangsunterricht schicken. Musik, die Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros und Georg Danzer bei einem Roadtrip zum Lago Maggiore besoffen nach der Samstagabenddisko auf dem Zeltplatz zusammengeklampft haben könnten. Vielleicht etwas zu detailliert und passgenau, um Wanda abzunehmen, dass diese Retrospektive in ihrer Zeit als Band im "Wiener Untergrund" ganz organisch und zufällig entstanden ist.

Wie kalkuliert der jetzige Hype auch sein mag, Wanda reißen mit, langweilen nie. Und feiern sich selbst wie eine Schülerband beim Talenteabend. Ohne dabei arrogant zu wirken. Und irgendwie gönnt man dem Mikrofon-Gigolo jede peinliche Freuden-Pirouette, die er Arm-in-Arm mit seinem Keyboarder dreht. Denn, mal ehrlich, was bleibt einer einstigen Szene-Band in Zeiten von Ein-Jahres-Deals anderes, als den kurzen Moment des Erfolgs bis aufs Letzte auszukosten? In diesem Sinne machen die fünf alles richtig, geben zur Zugabe wie von Sinnen die E-Gitarre ins Publikum und lassen die Menge kindhaft die Amore mitsingen: "Eins, zwei, drei, vier - es ist so schön bei dir!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.02.2015

Tobias Ossyra

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