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Kultur Vier Gänge, vier Nummern, viel Zeit: "Gans ganz anders"
Nachrichten Kultur Vier Gänge, vier Nummern, viel Zeit: "Gans ganz anders"
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18:28 28.11.2014
Leipzig

Eine zu jedem Gang: Nikolai Babanov aus Russland stapelt zur wohlgeratenen, aber sehr, sehr sparsam dosierten geräucherten Entenbrust an Balsamico-Madeira-Schalotten Stühle auf Flaschen auf Tische, bis er in luftiger Höhe direkt unter dem Zeltdach balanciert - eindrucksvoll.

Zur mit Chili verfeinerten Kokos-Curry-Suppe mit mariniertem Geflügelspieß (geschmacklich ansprechend, optisch Asia-Imbiss) gibt der Zero Boy aus den USA den wenig beeindruckenden Geräusche-Imitator im Raumanzug - überflüssig.

Leipzig. Die artistischen Einlagen sind abgezählt wie die Essen: Vier Stück gibt's in der aktuellen Ausgabe von "Gans ganz anders", der Jahresend-Dinner-Show des Leipziger Krystallpalast-Varietés im prachtvollen Spiegelzelt auf dem Burgplatz. Eine zu jedem Gang.

Die Trio Queens aus der Ukraine passen in der Eleganz und einer wohldosierten Sexyness, mit der sie gekonnt biegsam aufeinander herumturnen, ganz gut zur exakt auf den Punkt geschmorten mit Bienenhonig glasierten Gänsekeule an sehr erfreulichem Birnen-Rotkohl und Kartoffelklößen.

Und zum erstklassigen Dessert, der fruchtigen Sanddorn-Creme also nebst Kokos-Parfait, Schokoladenkuchen und Fruchtpüree, setzt Sergey Akimov aus Moskau an den Strapaten auch dem artistischen Teil der knapp dreieinhalbstündigen Veranstaltung die Krone auf: Körperbeherrschung und Poesie vereinen sich da unter dem Zeltdach zum wirbelnden Rausch.

 Vier Gänge also und vier Nummern, in Sachen Dinner reicht das völlig aus - für die Show dürfte es gern mehr sein. Denn das Theater, das Regisseur Volker Insel diesmal um die ganz andere Gans herum gestrickt hat, kommt zwischen den Gängen nicht recht in die Gänge.

Zur 13. Ausgabe der Dinnershow, am Donnerstagabend feierte sie ausverkaufte Premiere, reist der Gans-Gängern sattsam bekannte Herbert von Cremefeld (Armin Zarbock) mit seiner Gattin Anna Karenina (Simone Cohn-Vossen) und Anhang (Jasmin Shaudeen, Matthias Stein, August Geyler, Ulrike Barz) zum Tanz der Vampire nach Transsilvanien, um dort in schrägen Kostümen und mit spitzen Eckzähnen (Norbert Ballhaus) Roman Polanski die Reverenz zu erweisen. Ergo wird zwischendrin gern allerlei Gebrauchsliedgut aus unteren Musical-Schubladen vorgetragen, was Ulrike Barz als Elisabeta Tepes auf beachtlichem Gesangs-Niveau betreibt und andere nicht so. Es wird auch getanzt (Kora Lang, Ulrike Michaelis, Anna Michaelis). Und von ganz hinten steuern Michael Hinze, Georg Prokein, Sascha Mock und Henning Plankl gekonnt Instrumentales bei.

"Draculas Leckerbissen" also. Oder "Wenn Vampire tanzen gehen". Kein schlechter Rahmen eigentlich für eine schräge Dinnershow. Doch für einen Rahmen rund um Essen, Trinken und Artistik, auch für den roten Faden dazwischen, ist das, was Volker Insel mit diesem Hauch einer Geschichte anfängt, zu zeitraubend. Fürs Theater fehlt der doppelte Boden - in diesem Rahmen wahrscheinlich auch die Ambition. Und um als Revue zu funktionieren, müsste es mehr Tempo haben.

So ist es zwar streckenweise immer wieder unterhaltsam, wenn der hinreißende Zarbock-Cremefeld keine Zote ungenutzt auf dem Boden liegen lässt, gekonnt die Running Gags reitet, auch den letzten Kalauer noch beherzt ins Publikum kantet. Und wenn es die durchgeknallte Personage auf der Bühne krachen und ihrer Albernheit freien Lauf lässt, entwickelt die 13. ganz andere Gans durchaus anarchischen Witz und Charme.

Aber für über drei Stunden reicht das nicht. Und so hängt der Entertainment-Bogen immer wieder schlaff durch. Dann muss sich der geneigte Gast via Getränk die jahresendliche Kurzweil selbst besorgen. Und kann sich freuen. Denn der Service hat das punktgenaue Timing, das der Show (noch?) fehlt.

Bis 31. 12., Termininformationen sowie Karten (ab 90 Euro) gibt es unter der Telefonnummer 0341 140660 und unter www.krystallpalast.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2014

Korfmacher, Peter

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