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Vier Romane und ein Lyrikband für Leipziger Buchpreis nominiert

Literatur-Auszeichnung Vier Romane und ein Lyrikband für Leipziger Buchpreis nominiert

Wochenlang hat die Jury Bücher gewälzt, diskutiert und verworfen - und sich nun auf die Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse verständigt. Auf der Belletristik-Liste findet sich eine bunte Mischung von Autoren, die Literaturexperten nicht unbedingt erwartet haben.

Symbolfoto
 

Quelle: dpa

Leipzig. Seit 2015 ist alles anders, seit Jan Wagner mit seinen „Regentonnenvariationen“, Gedichten also, den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, können Lyriker sich  ernsthaft Hoffnungen machen. Vier Romane und ein Gedichtband sind auch diesmal in der Kategorie Belletristik nominiert. In seinem Gedichtband „118“ hat der 1978 in Greifswald geborene Stefan Poppe seinem Erstaunen „schwungvollen Ausdruck“ verliehen, dass „die Welt in ihrer Komplexität und Fülle aus nur 118 chemischen Elementen aufgebaut“ ist. So lobt die Jury, die gestern alle Nominierten in den drei Kategorien bekanntgab.

Für den Belletristik-Preis sind das außerdem: Lukas Bärfuss  mit seinem Roman „Hagard“, der Ende Februar erscheint, Brigitte Kronauer“ mit „Der Scheik von Aachen“, Anne Webers „Kirio“ (23. Februar) und Natascha Wodin – ihr Buch „Sie kam aus Mariupol“ ist seit heute in den Läden. Somit tritt ein „szenisch kunstvoll konstruierter Psycho-Noir“ an gegen „die Löwenbändigerin der deutschen Syntax“,  einen „moderner Schelmenroman voller Sprachphantasie und Komik“ sowie eine literarische Biographie, „die an die Geschichte der Zwangsarbeiter erinnert“ und in einer persönlichen Spurensuche „dem Verlorenen eine Sprache gibt“. Diese Jury-Wahl ist das Gegenteil von austauschbar, sie wirkt so überraschend, wie sie solide erscheint. Hier muss Sprachästhetik nicht hinter den Inhalt zurücktreten.

Ebenfalls fünf der von den Verlagen eingereichten insgesamt 365 Titel haben es auf die Liste der nominierten Sachbücher/Essayistik geschafft: Leonhard Horowski schreibt über „Das Europa der Könige“, als im 17. und 18. Jahrhundert Nationalität und Ideologien fast nichts galten, die eigene Dynastie dagegen alles. Das Buch erscheint am 10. März.

In „Wolkendienst“ widmet sich Klaus Reichert „Figuren des Flüchtigen“, nähert sich dem Naturphänomen der Wolken von mehreren Seiten: der Bildenden Kunst, der Musik, der Dichtung. Jörg Später porträtiert in seiner Biographie „Siegfried Kracauer“, beleuchtet Orte und Milieus um die gefragte Person des Kulturbetriebs der Weimarer Republik.

Im Jahr des 300. Geburtstags von Maria Theresia von Österreich schreibt Barbara Stollberg-Rilinger über „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit”, lässt die Verhältnisse am Habsburger Hof lebendig werden und ordnet die Person in die Traditionen ein (erscheint am 16. März). Tagesaktuell ist dagegen Volker Weiß’ Buch „Die autoritäre Revolte“ über „Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“ (11. März).

In der dritten Kategorie bewerben sich die Übersetzer um ihren der mit insgesamt 60 000 Euro dotierten Preise. Holger Fock und Sabine Müller haben „Kompass“ aus dem Französischen übersetzt – jenes Werk von  Mathias Énard, für das er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhält – mit der Verleihung im Gewandhaus wird die Buchmesse am 22. März feierlich eröffnet.

Gregor Hens hat den Roman „Shark“ von Will Self  aus dem Englischen übertragen. „Die Reise in den Westen“ eines unbekannten Verfassers kennt in China jedes Kind, dank Eva Lüdi Kong liegt sie erstmals vollständig auf Deutsch vor. Gabriele Leupold hat aus dem Russischen Andrej Platonows „Die Baugrube“ neu übersetzt und Petra Strien aus dem Spanischen „Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda“ von Miguel de Cervantes. 

Die Gewinner werden am 23. März auf der Buchmesse bekanntgegeben: 16 Uhr, Glashalle; www.preis-der-leipziger-buchmesse.de

Von Janina Fleischer

Das sind die Nominierten im Jahr 2017:

BELLETRISTIK:

- Lukas Bärfuss, „Hagard“ (Wallstein)

- Brigitte Kronauer, „Der Scheik von Aachen“ (Klett Cotta)

- Steffen Popp, „118. Gedichte“ (Kookbooks)

- Anne Weber, „Kirio“ (Fischer)

- Natascha Wodin, „Sie kam aus Mariupol“ (Rowohlt)

SACHBUCH/ESSAYISTIK:

- Leonhard Horowski, „Das Europa der Könige“ (Rowohlt)

- Klaus Reichert, „Wolkendienst“ (Fischer)

- Jörg Später, „Siegfried Kracauer“ (Suhrkamp)

- Barbara Stollberg-Rilinger, „Maria Theresia“ (Beck)

- Volker Weiß, „Die autoritäre Revolte“ (Klett Cotta)

ÜBERSETZUNGEN:

- Gregor Hens, aus dem Englischen: Will Self, „Shark“ (Hoffmann und Campe)

- Holger Fock, Sabine Müller, aus dem Französischen: Mathias Enard, „Kompass“ (Hanser)

- Eva Lüdi Kong, aus dem Chinesischen: Wu Cheng‘en, „Die Reise in den Westen“ (Reclam)

- Gabriele Leupold, aus dem Russischen: Andrej Platonow, „Die Baugrube“ (Suhrkamp)

- Petra Strien, aus dem Spanischen: Miguel Cervantes, „Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda“ (Die Andere Bibliothek)

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