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Kultur Vom Keller ins Gewölbe: Ska-Festival von und mit Tetrête in der Moritzbastei
Nachrichten Kultur Vom Keller ins Gewölbe: Ska-Festival von und mit Tetrête in der Moritzbastei
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16:19 29.10.2014
Im feinen Auftrittszwirn: Tetrête mit Marcus Langhammer (Dritter von links, hinten). Quelle: Marcus Langhammer

Nach einem kurzen "Hallo" steigen sie in den Untergrund hinab. Eine Stahltür quietscht, dahinter ein Proberaum, wie er überall in den Kellern der finsteren Ecken der Stadt liegt.

Bei näherem Hinsehen fallen doch ein paar Unterschiede zu den üblichen Rock'n'Roll-Höhlen auf: Sofa, Couchtisch, Kühlschrank, etwas über Kopfhöhe läuft ein Wandbrett um die Ecke. Da oben liegen Kisten und Gestänge. Hinter der Tür steht, sorgfältig verstaut, eine Tuba. Trotz der cleveren Bebauung wird's bald eng. Dabei kommen an diesem Abend "nur" neun der Musiker.

"Wenn alle da sind, müssen wir zu zwölft in den Proberaum passen", zählt Marcus Langhammer, die Finger reichen nicht. Der 33-Jährige spielt die Gitarre und den Conférencier bei der Leipziger Skaband Tetrête. Zur Probe trägt er nicht den feinen Auftrittszwirn, sondern Jeans und T-Shirt. Er zuckt mit den Schultern - alle auf einen Haufen zu bekommen, gelinge halt nicht immer, zu viele Menschen haben zu viele Termine.

Bühnen finden sich für die opulente Besetzung mit Bläsern, Akkordeon, mehreren Sängerinnen und großer Rhythmusgruppe auch nicht so einfach. Die kleinen Clubs wären schon überfüllt, wenn die Band ausgepackt hat. Und Ska ist auch nicht gerade die Musik, bei der andächtig auf der Stelle verharrt wird. Tetrête-Konzerte sind eher für expressive Tanzorgien bekannt. Also am besten auf Festivals spielen. Und wenn die internationalen Stadionbetreiber nicht anrufen, dann eben selbst eins organisieren.

"Ska Delicious" heißt das Event-Baby der Offbeat-Experten. Vier Bands entern am heutigen Donnerstag mit voller Besatzung die Bühne der Moritzbastei. Mit der MB haben Langhammer und Kollegen einen Partner, der ihnen bei den Finanzen und den Vertragssachen mit der ganzen Kraft eines erfahrenen Kulturbetriebes zur Seite stand und steht. "Das hat uns die Arbeit natürlich extrem erleichtert."

Seit Anfang des Jahres bereitet Langhammer mit ein paar Bandkollegen die Sause vor. "Wie viel Arbeit sowas macht, kann ich nicht mal im Nachhinein einschätzen. Ist halt hier mal eine Mail, da ein Anruf, dort ein Treffen. Das Schwierigste war, die fast 50 Musiker terminlich unter einen Hut zu bekommen." Bei der Auswahl der Bands haben sich Langhammer und seine Tetrête-Kollegen nach den besten Acts in der erweiterten Region umgeguckt. Schon die Namen klingen nach Party. Wer seine Band Skaprifischer nennt, macht beim Feiern keine Gefangenen. Neben den Dresdnern reisen The Whiska's aus Rostock und das Vibration Syndicate aus Erfurt an. Allesamt Bands, die sich einen Ruf bis nach Leipzig erarbeitet haben und für Alarm im Gegentakt stehen. "Wir wollten nebenbei die Gelegenheit nutzen, ein paar Netzwerke in der Ska-Szene zu knüpfen."

Zum Glück hat Langhammer gerade etwas mehr Zeit fürs Netzwerken, er genießt seine Elternzeit. Bald kümmert er sich auch wieder professionell um kleine Quälgeister - als Kinderarzt. In Kellern will er sich auch dann weiter herumtreiben. Wöchentlich im Tetrête-Proberaum und bestimmt auch wieder auf der Bühne in der unterirdischen MB-Tonne. Vor lauter Optimismus steht hinter dem Veranstaltungs-Titel "Ska Delicious" schon mal "Part One".

"Ska Delicious Part One" mit Tetrête, Vibration Syndicate, The Whiska's, Skaprifischer - Donnerstag, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), 12/10 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2014

Uwe Schimunek

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