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Vom Posen und Posten - Theater der Jungen Welt ergründet Phänomen Facebook

Vom Posen und Posten - Theater der Jungen Welt ergründet Phänomen Facebook

Hier ein Statusupdate, da ein Kommentar, dort ein Selfie. Dank Facebook kann jeder sein Leben mit anderen teilen. Doch was macht das mit Freundschaften? Mit einem selbst? Das Leipziger Theater der Jungen Welt geht diesen Fragen im Stück "Man sieht sich" nach.

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Das Stück "Man sieht sich" vom Theater der Jungen Welt Leipzig ergründet das Phänomen Facebook.

Quelle: dpa

Leipzig. Fünf Freunde stehen in bunt angeleuchteten Quadraten auf einer Leipziger Theaterbühne. Der Zuschauer kennt sie nicht - und doch glaubt er bald, sie zu kennen. Die jungen Männer und Frauen in bunten Leggins, Jogging- und Anzughose stellen sich in Schlagworten vor. Sie rufen Bands in den Zuschauerraum, die sie mögen, Kinofilme, die sie gesehen, Bücher, die sie gelesen haben. Genau die Schnipsel, die auf den Profilseiten von Facebook und Co. über jeden Nutzer zu sehen sind.

„Man sieht sich“ heißt das Stück des Frankokanadiers Guillaume Corbeil, das an diesem Freitag Deutschlandpremiere im Leipziger Theater der Jungen Welt feiert. Doch die fünf namenlosen Hauptfiguren dieses Stücks sehen sich selten real. Sie kommunizieren online. Mit Selfies, Likes, Chats und Kommentaren.

98 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland sind einer aktuellen Studie zufolge online, dank des Smartphones in der Tasche nahezu ständig. Facebook gehört demnach zu den beliebtesten Online-Beschäftigungen der Jugendlichen.  „Hier steige ich aus dem Taxi, hier gehe ich am Türsteher vorbei, hier raste ich aus, weil mein Lieblingslied kommt“, vertont Schauspielerin Sonia Abril Romero bei der Probe eine Fotoserie zu einer Partynacht.

„Hier mache ich eine Überweisung“, „Hier schlüpfe ich mit dem rechten Fuß in den rechten Schuh“, „Hier atme ich“, kommentieren die Freunde später im Stück ihre Fotos und treiben die Situation mehr und mehr ins Absurde.  

Die fünf Freunde übertrumpfen sich bei allem: Beim Prahlen mit der Zahl der Freunde, beim coolen Posen mit Partybekanntschaften. Sie reden nicht miteinander, sie reden über sich und feilen an ihrem Image. „Da ist auch viel Fake dabei“, sagt Dramaturgin Winnie Karnofka. „Wer die Figuren wirklich sind, lässt das Stück offen.“

Der Vorverkauf für die ersten Vorstellungen laufe sehr gut, das Interesse der Schulen sei groß, erzählt Karnofka. „Natürlich ist Facebook ein Thema, und zwar nicht nur für Jugendliche.“ Deswegen läuft das Stück im Abendprogramm und der „15+“-Sparte des Hauses.  Das Leipziger Jugendtheater konnte in der vergangenen Spielzeit 90 Prozent Auslastung verbuchen. Auch, weil es sich immer wieder aktuellen Themen widmet, wie zuletzt der Droge Crystal Meth.

Diesmal ergründet es mit „Man sieht sich“ soziale Netzwerke. „Das Stück zeigt, dass die Realität gar nicht mehr so wichtig ist, sondern nur die virtuelle Nachbereitung“, sagt Theaterintendant und Regisseur der Inszenierung, Jürgen Zielinski. Es zeige, wie sich die Kommunikation durch die sozialen Netzwerke verändere, wie sich die Sprache verknappt.  

Die Schauspieler lachen nicht mehr, sie rufen „Smile“, sie reden nicht miteinander, sie stellen sich dar. In der knapp eineinhalbstündigen Inszenierung tritt so die Oberflächlichkeit der erzählten Freundschaften zutage. Es geht um die Inszenierung des Ichs, das Prahlen, das Vergleichen untereinander. „Der Autor bleibt in seinem Stück neutral“, sagt Dramaturgin Karnofka. „Neben den negativen Aspekten zeichnet er auch die positive Chance auf, sich im Netz selbst zu erfinden und zu gestalten.“

Franziska Höhnl, dpa

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