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Vom Rathaus an die Turntables - Leipziger DJ Marc DePulse feiert international Erfolge

Vom Rathaus an die Turntables - Leipziger DJ Marc DePulse feiert international Erfolge

DJ und Produzent Marc DePulse tourt mit seinen housigen, melodiösen Technotunes durch europäische Clubs. In seiner Heimat Leipzig aber hat die Techno-Szene lange Zeit kaum Notiz von ihm genommen.

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Mit seinem Album "Lessons in Dub" feierte der Leipziger DJ Marc DePulse international Erfolge.

Quelle: privat

Leipzig. Das soll bald anders werden.

„Ich hab mir vorhin etwas Warmes zum Mittag gekocht, das war schön.“ Marcel genießt es, wieder zu Hause zu sein. Gerade hat er sein erstes Album „Lessons in Dub“ live in Bordeaux präsentiert und deshalb das Wochenende mit Flughafen-Fastfood und schlechtem Hotelfrühstück zugebracht. Wovon manche DJs ihr Leben lang träumen, für Sterling aka Marc DePulse sind Flugreisen zu Auftritten beinahe so etwas wie Alltag geworden.

Seit seiner ersten Veröffentlichung auf dem mecklenburgischen Label Ostwind Records 2007 ist er in Europa gut herum gekommen. Er hat mittlerweile Clubs in 17 Ländern bespielt, und besonders Frankreich scheint einen Narren an ihm gefressen zu haben. Bis Ende Juni führt ihn ein gutes Viertel der 28 Stationen seiner Album-Tour in das Land des Rotweins und der Chansons.

Warum ausgerechnet die Franzosen ihn so lieben? „Keine Ahnung“, sagt Marcel und zuckt mit den Schultern. Von Vorteil dürfte aber sein, dass sich dort die große Agentur Dancecode um seine Bookings kümmert. Neben Marc DePulse vermarktet sie Größen wie Monika Kruse oder den Italiener Joseph Capriati. Auf diese Weise ist Marcel im vergangenen Sommer auch zu seinem Auftritt vor 6000 begeisterten Fans beim We Are Together Festival in Marseille gekommen. Neben ihm haben dort Dubfire, Extrawelt und Stephan Bodzin aufgelegt.

Nur in Leipzig geht die Sache mit den Gigs irgendwie schleppend voran. Ein Abend im Velvet, ein Set zu Silvester in der Damenhandschuhfabrik - von den 29 Gigs im vergangenen Jahr hat Marcel gerade einmal zwei in seiner Heimatstadt gegeben. Woran das liegt? Schulterzucken. „Eigentlich hatten mich die Distillery-Leute 2009 eingeladen, als Begleitung von Steve Bug zu spielen. Doch dann haben sie einen Rückzieher gemacht.“ Über die Gründe kann er nur spekulieren, vermutet aber: „Die haben auf meiner Internetseite gesehen, dass ich im Volkspalast gespielt hab, und da war für sie die Sache gegessen. Das ist im Ausland aber genauso: Du spielst in dem einen Club, und schon wollen die Veranstalter im anderen Laden nix mehr mit dir zu tun haben.“ City-Politics - eigentlich ein guter Name für einen Track.

Trotzdem liebt Sterling seine Heimat und würde sie gegen nichts eintauschen. Im Leipziger Westen  geboren und aufgewachsen, wohnt Sterling inzwischen am nördlichen Stadtrand, wo der Weg in die freie Natur nicht weit ist. „Nach Auftritt im Gewühl eines Clubs brauche ich das, da die Landstraße runter zu laufen und keinem Mensch zu begegnen, das ist wunderbar.“

Außerdem ist da noch seine halbe Stelle als Angestellter der Stadt Leipzig, sozusagen der Anker in der Welt jenseits dröhnender Bässe, Synthesizer-Flächen und Videoprojektionen. „Es tut gut, wenn meine Chefin sagt: ,Das Wochenende ist vorbei, jetzt machst du wieder deine Arbeit, Junge’. Dass viele Leute nach deinem Auftritt einen Handschlag von und ein Foto mit dir machen wollen, dass sie feiern, wenn du den Bass raus drehst und ausrasten, wenn der Kick dann mit voller Wucht zurückkommt - das ist alles wunderbar, aber auch eine Scheinwelt.“ Außerdem kann man ja nicht ewig als DJ erfolgreich sein. Marcel ist jetzt 31; vielleicht läuft die Show noch zehn Jahre weiter. „Eventuell werde ich eines Tages Vater, dann verschieben sich die Prioritäten und dann ist es gut, wenn man ein Einkommen jenseits von Techno in der Hinterhand hat.“

 Momentan mag er daran aber überhaupt nicht denken. Der Job bei der Stadt allein, das wäre viel zu trocken. Morgens in der Behörde, nachmittags im Studio - die Mischung, die er derzeit lebt, findet er perfekt. Offenbar inspiriert ihn dieses Leben, Beatport zählt allein 143 Tracks von Marc DePulse, darunter zahlreiche Remixes für Techno-Stars wie Koen Groeneveld, Spektre und Kollektiv Turmstraße. Mit dem letztgenannten Hamburger Duo hat Sterling zudem mit Ostwind eine musikalische Heimat gemein. Das Label von der Seenplatte zeichnen detailverliebte Stücke aus, die ständig überraschen, musikalische Tiefe haben und immer etwas Einzigartiges suchen. „Das ist mir bei meiner Musik absolut wichtig, dass ich eine musikalische Handschrift behalte, an der man mich erkennt, also man Elemente wie eine bestimmte Bassdrum oder besondere Percussionsets nur bei mir hört.“

 Neu ist, dass Marcel Sterling seit dem Start seines eigenen Labels „Pimprinella“ und dem neuen Projekt „Jeahmon“ auch unter seinem bürgerlichen Namen auftritt. „Marc DePulse, der Name stammt noch aus den Zeiten, als ich mit dem MS-DOS-Programm Impulse Tracker Trance-Musik gemacht habe. Für die minimalen House-Nummern, die ich heute mache, passt der Name eigentlich nicht mehr.“

 Dennoch soll das Pseudonym bleiben, denn der Name ist eben bekannt. Treu bleibt Sterling auch dem Rohstoff, auf dem die Musik erscheint. Neue Platten sollen in den ersten vier Wochen weiterhin exklusiv als Vinyl-Version erscheinen.

Clemens Haug

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