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Von Barockfugen zu Urban Pop: Leipziger Pop-Hoffnung Lot am Mittwoch mit Teesy im Täubchenthal

Von Barockfugen zu Urban Pop: Leipziger Pop-Hoffnung Lot am Mittwoch mit Teesy im Täubchenthal

Gelingt es endlich mal wieder einem Leipziger Musiker, bundesweite Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Ein Mann namens Lot weckt leise Hoffnungen. Seit Juni steht der 30-Jährige bei Chimperator Department unter Vertrag, dem Schwesterlabel von Cro-Erfolgsschmiede Chimperator Productions.

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Lothar Robert Hansen alias Lot.

Quelle: Delia Baum

Kein schlechter Schritt, wenn man bedenkt, dass das Indielabel mit dem Panda-Mann und ähnlich klingenden Nachfolgern den Sound der Stunde geprägt hat. Der Erfolg von poppigen Melodien mit Sprechgesang hält an.

Der Deal sei Zufall gewesen, sagt Lothar Robert Hansen alias Lot, "weil irgendjemand jemanden kannte und dem mein Demo vorgespielt hat". Auch große Majorlabels hätten Interesse bekundet, "aber da hatte ich keine Lust drauf." Auch die sind Lot nämlich nicht unbekannt. Mit seiner ehemaligen Band Flimmerfrühstück stand er bereits bei Universal Music unter Vertrag, nahm unter anderem an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest teil und spielte im Vorprogramm von deutschen Größen wie Bosse oder Flo Mega. 2013 löste sich die Band auf, weil, wie der 30-Jährige trocken erklärt, er auch darauf keine Lust mehr hatte.

Mit der neuen Eigenständigkeit ging die musikalische Neuausrichtung einher. Weg vom handgemachten Liedermacher-Pop mit Jazzeinschlägen und den prosaischen Texten, die Flimmerfrühstück ausmachten. Nur seine unverkennbar nasale Stimme, die unweigerlich Udo Lindenberg vors innere Auge ruft, ist als Markenzeichen geblieben. Seine Musik nennt Lot jetzt Urban Pop: weitaus elektronischer, ziemlich tanzbar, mit prägnant-klaren Zeilen über das "Alles ist möglich"-Lebensgefühl Anfang 20. "Diese Stadt. Diese Nacht. Durchgemacht. Warum soll sich das ändern?", heißt es zum Beispiel im titel­gebenden Track zu Lots erster EP, die seit Herbst zum Download bereit steht. Eine schöne Hymne an den nächtlichen Exzess und irgendwie auch an Leipzig, das zumindest im Video zur Single die Hauptrolle spielt.

Trotzdem kommt man nicht umhin, sich über den kuriosen Gegensatz von Lot und seiner aktuellen Musik zu wundern. Da wären zum einen diese mitreißenden Beats und Lieder über das Feiern, den Rausch, übers Abhauen und Fernweh. Und auf der anderen Seite ist da dieser stets korrekt gescheitelte Mann, meist in Hemd und Jackett gekleidet, der, auch wenn er über die größte Party des Jahres singt, regungslos da steht und keine Miene verzieht. Dieser Jazzliebhaber, der mit sechs Jahren angefangen hat, klassisches Klavierspiel zu lernen und selbiges in Leipzig studiert hat. Und der dann Geschichten erzählt wie: "Während des Studiums fand ich Barockmusik total geil, habe haufenweise Fugen komponiert und meinen Professor damit genervt." Seit dieser Professor ihn dann fragte, warum er nicht mal etwas Aktuelles schreibt, hält Lot nichts mehr von Zielgruppendenken.

Irgendwann, so der Sohn einer Türkin und eines Deutschen, habe er einfach seinen musikalischen Horizont geöffnet. Daran trägt Leipzig nicht wenig Schuld, wenn es zugegeben auch nicht seine Heimatstadt ist. Geboren wurde Lot in Berlin, aufgewachsen ist er in Hessen und Thüringen. Seit etwa zehn Jahren wohnt er nun hier. Mit neuer Wohnung im hippen Leipziger Süden kamen neue Freunde, die Lot "zum Rave mitgezerrt" haben. So ergibt das Bild des etwas bieder anmutenden Musikers ein Ganzes. "Dieser Welt hatte ich mich immer verschlossen, und jetzt macht mir das total Spaß."

Im Chimperator-Kosmos ist Lot schon fest verwurzelt, erhält von den Labelkollegen live und online viel Support. So ist er zurzeit mit Teesy auf Deutschlandtour und hat Mittwochabend im Täubchenthal ein Heimspiel. Manche Medien sehen ihn als Teil der "Future Deutschen Welle", ein von Sängerin Lary geprägter Begriff für die neue Generation deutschsprachiger Popkünstler. Lot weiß mit dieser Einordnung nichts anzufangen. Er würde sich viel mehr wünschen, dass bald ein ähnlicher Hype um die Leipziger Musikszene entsteht, "eine Art Leipziger Schule fänd ich toll".

Das Debüt-Album "200 Tage" ist für Mitte April angekündigt. Spätestens dann wird sich zeigen, ob Lot die Musikstadt Leipzig um eine Assoziation reicher machen kann.

Teesy, Vorprogramm Lot, Mittwoch, 19 Uhr, Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1), Vorverkauf 15 Euro; www.lotmusik.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2015
Friederike Ostwald

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