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Kultur Vor dem Leipzig-Konzert: Lordi über Konzeptalben, Masken und Monster
Nachrichten Kultur Vor dem Leipzig-Konzert: Lordi über Konzeptalben, Masken und Monster
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09:00 30.09.2016
Gruselrock mit Ohrwurmqualitäten: Die Finnen von Lordi gastieren am Sonntag im Hellraiser. Quelle: Promo
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Leipzig

Furchterregende Kostümierung trifft auf klassischen Heavy-Rock: Mit dieser Mischung sind die finnischen Monster­rocker von Lordi seit 2002 erfolgreich unterwegs. Mit dem neuen Album „Monstereophonic“ gastiert die Band am Sonntag im Hellraiser. Fronter Mr. Lordi nahm sich vorab Zeit für einen Plausch.

Euer aktuelles Album „Monstereophonic“ habt ihr in zwei Hälften geteilt. Wie kam es zu der Entscheidung, steckt da vielleicht ein Konzept dahinter?

Ja, bei der zweiten Hälfte der Platte haben wir ein Konzept umgesetzt, die erste Seite enthält eigenständige Songs. Die Musik von Lordi hatte immer zwei Seiten – dieses Mal hatten wir endlich den Mut, das Material, an dem ich die letzten Jahre geschrieben habe, auch umzusetzen. Und bisher sind die Rückmeldungen der Fans echt positiv! Als Musiker war es bisher immer frustrierend, wenn man Demos aufgenommen hat und wusste, dass es dieser oder jener Song nicht aufs Album schaffen wird. Diesmal haben wir bereits beim Songwriting beschlossen, das Material zu teilen und auch die andere Seite der Musik von Lordi zu präsentieren.

Wird man also irgendwann mal ein komplettes Konzeptalbum von Euch hören?

(nervöses Lachen) Ich weiß nicht. Es war ehrlich gesagt ganz schön schwierig, das Konzept umzusetzen. Von der musikalischen Seite her werden wir in Zukunft definitiv mehr von diesem eher modernen, komplexen Stil zeigen – auch, weil mich das persönlich als Songwriter befreit. Wir wissen jetzt, dass wir auch mal aus der Komfortzone ausbrechen können. Aber ein komplettes Konzeptalbum? Ich weiß nicht. Man muss dabei ganz andere Dinge beachten, kann die Songs nicht nach Chorus oder Riff aussuchen, sondern muss eine Geschichte erzählen und den Spannungsbogen aufrecht halten. Das ist schwieriger als man denkt – aber auch bereichernd.

Viele Fans kennen Euch seit Eurem Debüt „Get Heavy“ aus dem Jahr 2002. Nur wenige wissen, dass ihr bereits viel länger exisitert. Warum hat es bis zur ersten Platte so lange gedauert?

Weil wir so sind, wie wir sind. Das erste Demo haben wir schon 1992 aufgenommen. Und wenn man jung ist, will man natürlich sofort einen Vertrag unterschreiben, weil man denkt: Wir sind perfekt! Für uns hat es ganze zehn Jahre gedauert, ein Label zu überzeugen. Bis dahin hieß es immer: Ich mag die Musik aber nicht euer Image oder andersherum. Unser eigentliches Debüt „Bend Over And Pray The Lord“ war ja bereits fertig aufgenommen – und genau am Tag der Pressung ging das Label pleite. Also dauerte es noch mal drei Jahre bis zum eigentlichen Debüt.

Ihr seid besonders für Eure aufwendigen Kostüme bekannt, die verschiedene Monster darstellen. Als Fachmann auf dem Gebiet: Was macht ein gutes Monster eigentlich aus?

Gute Frage! Es gibt so viele verschiedene Arten von Monstern, und jeder hat seine eigenen Ansichten. Ein gutes Monster muss nicht zwingend böse sein. Es muss vielmehr missverstanden werden. Es muss etwas sein, vor dem die Leute Angst haben, weil sie es nicht verstehen, weil es neu und andersartig ist. Monster sind immer Ausgestoßene. Eines meiner liebsten Monster ist ehrlich gesagt ET – und er ist eigentlich nicht mal ein Monster. Er ist nicht böse, sonder eine der freundlichsten Kreaturen. Aber wenn Du mal darüber nachdenkst: Die Kinder sind verängstigt, als sie ihn das erste Mal sehen, und ET geht es genau so. Und das macht ein gutes Monster aus. Ob es der Unglaubliche Hulk ist oder Frankensteins Monster – es geht immer darum, dass etwas anders ist.

Helfen Euch Eure Kostüme eigentlich dabei, kreativer zu agieren? Kann man sich mehr erlauben, wenn man unter einer Maske steckt?

Nun, wir bekommen auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit. Aber es ist ein zweischneidiges Schwert. Wie schon gesagt, zu Beginn hat unser Image sogar verhindert, dass wir einen Plattenvertrag bekamen. Es gibt so viele Menschen, die es nicht schaffen, einen Musiker, der wie wir extrem aussieht, ernst zu nehmen. Und ich frage dann immer: Was ist denn mit Bands wie den Beatles, Led Zeppelin, den Rolling Stones oder Metallica? Wen diese Bands, wie etwa Kiss oder Twisted Sister maskiert gewesen wären, wäre ihre Musik dann dadurch weniger wert gewesen? Natürlich sollte die Antwort sein, dass es nichts mit der Musik zu tun hat. Aber leider gibt es viele, viele Menschen die glauben, dass die Musik dadurch schlechter geklungen hätte. Das habe ich nie verstanden. Leute die so denken, tut mir leid, sind einfach dumm. Die Musik sollte für sich stehen. Sieh dir nur mal meine Idole von Kiss an: Sie haben für 13 Jahre ihre Masken abgenommen – und es hat trotzdem funktioniert!

Ihr verwendet für Eure Album- und Songtitel oft ironische Wortspiele. Wie wichtig ist Humor für Lordi?

Schwierige Frage. Was manche als Humor verstehen, sehe ich eher als Spaß. Nichts was wir tun, tun wir einfach nur zum Spaß, wir nehmen unsere Arbeit ernst. Aber trotzdem ist das Gesamtpaket nicht bierernst. Es ist am Ende schließlich immer noch Entertainment. Was wir tun ist einfach ehrlich. Natürlich spielt Humor eine Rolle, ein Song wie „Let’s Go Slaughter He-Man“ etwa drückt einfach aus, was ich denke. Aber wir werden nie einen Song über Politik oder Religion schreiben. Dafür sind Künstler wie U2 oder Sting da. Ich vergleiche das Ganze immer mit meinen Idolen Kiss und Twisted Sister. Ich habe so viele Freunde, die denken, dass diese Bands ein Witz sind, dass sie witzig sein müssten. Für mich sind sie Spaß. Sie sind cool, machen Laune – aber man sollte nicht über sie lachen.

Ihr legt viel Wer auf ausgefallene Bühnenshows, viele Effekte und Showeinlagen – was braucht’s für eine gute Live-Show?

Eine gute Interaktion zwischen Band und Publikum. Es ist egal ob da 30, 300 oder 3000 Leute vor der Bühne stehen – wenn alle auf dem selben Level sind, ist es ein gutes Konzert. Showeinlagen sind dann nur ein Bonus. Wir hatten großartige Gigs in kleinen Clubs und Arena-Shows, bei denen die Leute gelangweilt dastanden. Du weißt vorher eben nie, wie es laufen wird.

Was können die Fans denn von Eurer Hellraiser-Show erwarten?

Wir kennen den Club gut – und wissen jetzt schon, dass wir wegen der Größe leider nicht die komplette Show zeigen können (lacht). Aber wenigstens 90 Prozent der Show sollten machbar sein. Ok, 80 Prozent (lacht). Wir haben immer ein paar Tricks für jede Bühnengröße in der Hinterhand. Und zwei, drei sollten auch im Hellraiser möglich sein!

Lordi spielen am Sonntag im Hellraiser, Einlass 19, Beginn 19.30 Uhr. Tickets für 25,30 Euro im VVK, AK 27 Euro.

Von Bastian Fischer

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Thomas Hertel war Leiter der Schauspielmusik in Dresden und bis 2008 am Schauspiel Leipzig. Hier hat er die experimentelle Reihe „Mund & Knie“ konzipiert und etabliert. 2013 ist Hertel an Parkinson erkrankt, seine Erfahrungen, aber auch die anderer hat er in der „ParkinSong-Revue“ verarbeitet.

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