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Kultur Vorletzte Klappe: Leipziger „Tatort“ unter der Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke
Nachrichten Kultur Vorletzte Klappe: Leipziger „Tatort“ unter der Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke
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11:04 16.02.2015
Die Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla, l.) und Andreas Keppler (Martin Wuttke, M.) verdächtigen den Juniorchef des Abfallunternehmens Frank Bachmann (Alexander Khuon), seinen Chef und Schwiegervater ermordet zu haben. Quelle: ARD
Leipzig

Der Marktanteil betrug 25,8 Prozent. Parallel bescherte die Tragikomödie „Schwägereltern“ mit Nina Kronjäger und Thomas Sarbacher dem ZDF 4,04 Millionen Zuschauer (11,1 Prozent).

Die aktuelle Folge war ein Abschied auf Raten. Im Januar vergangenen Jahres - nach dem Ausrutscher auf dem "Türkischen Honig" - verkündete der MDR das Aus für die Leipziger Ermittler Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke). Da war ein weiterer Fall bereits abgedreht. Es folgten noch die "Tatort"-Ermittlungen Nummer 20 und 21 mit dem Kripo-Paar, das mal ein Lebenspaar war, in Leipzig dann zum Ermittlerpaar wurde und seit einiger Zeit wieder zum Gefühlspaar zusammenrückte.

So gab es denn auch wieder in der aktuellen Folge "Blutschuld" so manche emotionale Andeutung, während jene plüschige Pension, in der einst Kommissar Keppler den einsamen Wolf machte, als Kulisse verschwunden ist. Dafür durfte Kommissarin Saalfeld immer mal wieder durch Leipzigs Neon-Nacht-City kurven, was vermutlich hip wirken sollte.

Die Geschichte, die "Blutschuld" ausbreitete, passte da allerdings nicht so recht rein. Immerhin geht es um Blutsbande, einen Übervater, eine schweigende Mutter und gedemütigte Kinder, die mit verwundeten Seelen das Vergessen und ein normales Leben probierten. Das muss, was nicht nur erfahrene Krimiseher ahnten, irgendwann nach Sühne verlangen. So lag denn eines Morgens der Abfallunternehmer Harald Kosen, ein aufbrausender, aggressiver Macher, erschlagen in seinem Haus. "Übertötet", sagte Kommissar Wuttke und vermutete nach abwägenden Blicken ein persönliches Motiv.

Also rückte die Familie ins Zentrum. Kosens Ehefrau fiel aus, die Herzkranke lag im Krankenhaus. Sohn Patrick, gerade erst vor drei Wochen aus dem Knast entlassen, in den ihn der Vater gebracht hatte, lernte Koch, schien etwas zu verschweigen, wirkte unsympathisch und auf Kommissarin Saalfeld nach der ersten Begegnung verdächtig. Tochter Sofie war dabei, sich von Ehemann Frank zu trennen. Er ist in der Abfallfirma die rechte Hand ihres Vaters - und nicht gut auf diesen zu sprechen: "Er war ein cholerischer Despot."

Kosens private Geldentnahmen ließen den Betrieb in Richtung Pleite gehen. Von Frank Bachmann erfuhren die Ermittler auch von einem Unfall vor fünf Jahren, bei dem Harald Kosen die Tochter des Ex-Firmenmitgründers Christian Scheidt totgefahren hatte.

Diesen verdächtigte Kommissar Keppler sofort nach seinem ersten Besuch im desolaten Haus am Fluss. Christian Scheidt, von seiner Frau verlassen, arbeitslos, Alkoholiker, am Leben desinteressiert, hatte Harald Kosen mit Mord gedroht - und war am Mordabend bei ihm im Haus.

Also ein klassischer Wer-war-es-Krimi, aufgeladen mit dem Psychogramm einer kaputten Familie. Das zeichnete Stefan Kornatz (Buch und Regie) denn auch mit harten Strichen, besonders Natalie Rudziewicz (Sofie) fiel mit ihrer gelassenen Unruhe, ihrem Blickespiel, ihren dunklen Augen im bleichen Gesicht auf. Da entstand ein verletzter Charakter, der alles hinter sich lassen wollte und doch von der Vergangenheit eingeholt wird.

Diese Natalie Rudziewicz ist so etwas wie eine Entdeckung, von denen es im "Tatort: Blutschuld" sonst nicht allzu viele gibt. Uwe Bohm (Scheidt) machte seine Sache psychologisch wieder verdammt gut, während die Ermittler so blass blieben, wie sie es zu oft seit Sommer 2007 waren.

Ein knurriger Keppler, eine gurrende Saalfeld, die in den Verhören immer viel zu laut sind, das war's. Am 26. April ermitteln beide ein letztes Mal in der Folge "Niedere Instinkte". MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt verspricht "etwas Ungewöhnliches". Na ja - verwöhnt ist man ja auch nicht gerade vom Leipzig-Duo.

Norbert Wehrstedt

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