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Wadentraining im Petticoat: The Baseballs im Werk 2

Wadentraining im Petticoat: The Baseballs im Werk 2

Der knallrote Vorhang ist gefallen, die ersten beiden Songs vom neuen Album sind gespielt, und Digger macht gleich mal ne Ansage: "Das Gute bei Konzerten von The Baseballs ist: Sie sind wie ein Bootcamp.

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Die Tolle sitzt, die Lederjacke auch, da kann nichts mehr schief gehen beim Konzert der Baseballs im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Hier wird keiner mehr rausgelassen." Beginnen wir also mit Übung 1: Arme hochnehmen und im Rhythmus mitklatschen. Solange, wie das folgende Lied läuft. Da kann ein Song wie "Hello" von Martin Solveig mit seinen gut vier Minuten schon ganz schön lang werden.

Am Ende lassen Rüdiger Brans, Sven Budja und Sebastian Raetzel alias Digger, Sam und Basti alias The Baseballs natürlich doch noch ihr Publikum nach Hause gehen. Aber nach zwei Stunden Mitwippen, -wackeln und -wedeln zu allesamt äußerst tanzbaren Rock'n'Roll-Covern von Charterfolgen der letzten Jahre, dazu einigen Eigenkreationen der drei Kotelettenträgern, die zudem immer wieder von Fitnessübungen unterbrochen werden, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie nach dem Besuch eines dieser Bootcamps, die derzeit ja auch in Leipzig regen Zulauf erhalten.

Die rund 700 Besucher des Werk 2, viele davon stilecht mit Petticoat, Lederjacke und Pomade im Haar erschienen, machen dabei jede Schweinerei mit, sogar beim affigen King-Kong-Dance gehen die Fäuste reihenweise hoch und runter, und auch bei den Wadenübungen zum Ende des Auftritts hin schwingen noch fast alle Zuschauer im Takt mit - Pumps hin, aufwendig toupierte Haartollen her.

Die drei Anfangdreißiger aus Magdeburg, Rheine und Reutlingen, die ihr Bandzelt inzwischen in Berlin aufgeschlagen haben, beweisen wieder, dass sie echte Rampensäue sind. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Tourkapelle, bestehend aus Drummer, Gitarrist, Pianist und Kontrabassist, bringen die Gesangsartisten mit Evergreens im 50er-Sound wie "Angels" von Robbie Williams oder "Crazy in Love" von Beyoncé auch den letzten Tanzmuffel zum Mitschwofen.

Etwas weniger Stimmung kommt dagegen bei den eigenen Kompositionen der Baseballs auf, die auf dem neuen Album "Game Day" mehr als die Hälfte der Tracks einnehmen. Vielleicht sollten die Songschuster dann doch lieber bei ihren Coverleisten bleiben, denn auch beim Vorentscheid für den Eurovision Songcontest vor gut einem Monat traten die drei Rockabillys mit einer selbst kreierten Nummer an, kamen aber mit "Mo Hotta Mo Betta" nicht über die erste Runde hinaus.

Da hilft nur der gute alte David Hasselhoff mit seiner Hymne an die Freiheit! Hier haben sich Digger, Sam und Basti wieder etwas Besonderes ausgedacht und singen "Looking for Freedom" zusammen mit dem Rest der Live-Band als Gospelchor. Und sogar Instrumente können die Vokalisten spielen, tragen zum Ende hin ihren ESC-Song mit Ukulelen-Begleitung vor.

Am Schluss noch eine letzte Fitnessübung: Nun sind Bizeps, Trizeps und die Stimmbänder dran. Als Unterstützung wird das Rihanna-Cover "Umbrella" gespielt. Mit einem leichten Muskelkater, aber wohlbeseelt verlassen die Besucher gegen elf das Werk 2, das an diesem Abend zum Bootcamp wurde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2014

Christian Dittmar

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