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Wagner-Festtage in der Oper: Nie war so viel Bayreuth in Leipzig

Wagner-Festtage in der Oper: Nie war so viel Bayreuth in Leipzig

Mit ausverkauften und lautstark bejubelten Aufführungen von "Das Rheingold" und "Die Meistersinger von Nürnberg" startete die Oper Leipzig am Pfingst-Wochenende in den szenischen Marathon zum morgigen 200. Geburtstag Richard Wagners.

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Wagners "Meistersinger von Nürnberg" in der Oper Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Bis Sonntag stehen alle aktuellen Wagner-Produktionen und ein konzertanter " Holländer" auf dem Spielplan.

Eine Französin schüttelt den Kopf. "Nein", sagt sie, "dass ihr Deutschen immer Salz in die Wunde streuen müsst". Wagner könne man nun wirklich nicht verantwortlich machen für das Unheil, das Deutschland im 20.Jahrhudnert über Europa und die Welt gebracht habe. Auf der Bühne wurde kurz zuvor Hans Sachs in allerlei Flaggen gehüllt, nationalistische Burschenschaftler, Nazis (Hitler selbst tanzt mit blutroten Armen umher), Blauhemden, neuzeitliche Spaßgesellschaft, sie alle vereinnahmen ihn, Wagner, die Kunst. Die Wagnerianerin aus Paris ist nicht die einzige, die sich daran stößt: Vernehmlich buht es im Parkett.

Doch abgesehen vom Politisieren, kommt Jochen Biganzolis "Meistersinger"-Inszenierung , mit der die Oper 2010 den 50. Geburtstag ihres Hauses feierte, gut an.

Zur Premiere hinterließ diese Produktion noch einen zwiespältigen Eindruck, geriet auf weiten Strecken belanglos, auf anderen langweilig bis unerheblich. Doch nun, im Rahmen der Leipziger Wagner-Festwoche ist alles besser.

Das beginnt mit der Besetzung: Stefan Vinke, Leipzigs einstige tenorale Allzweckwaffe, hatte mit viel Kraftmeierei dem lyrischen Überschwang des Walther von Stolzing den Garaus gemacht, auch szenisch. Nun setzt Daniel Kirch seinen geschmeidigen, weichen, warmen, leichten und höhensicheren Tenor dagegen, und mit einem Mal rastet mit der Musik auch die Szene ein. Weil man ihm den verliebten Junker abkauft, der da gegen die Schranken anrennt, mit denen die vereinsmeiernden Meister selbst sich abgeschottet haben.

Auch sonst ist diese Vorstellung ein veritables Sängerfest: Christiane Libors als Evchen, Karin Lovelius als Magdalene, Dan Karlström als David, all die Meister um den Pogner James Moellenhoffs, die eindrucksvollen Chöre Alessandro Zuppardos, kein Ausfall nirgends. Und in Gestalt Martin Gantners konnte ein Sixtus Beckmesser gewonnen werden, der der zwischen Tragik und Peinlichkeit changierenden Figur des Merkers szenisch wie stimmlich menschliche Züge verleiht.Ein grandioses Charakter-Porträt.

Wäre Jan-Hendrik Rootering, der eigentlich für gestern als Gurnemanz im Parsifal nach Leipzig kam, nicht in letzter Sekunde für den erkrankten Wolfgang Brendel als Sachs eingesprungen, die Vorstellung hätte abgesagt werden müssen. In die Szene fügt er sich fabelhaft ein, stimmlich bleibt sein Sachs, eine in jeder Hinsicht monströse Partie, etwas matt. Aber wer wollte ihm das angesichts der besonderen Umstände verübeln.

Im Graben schließlich gelingt es dem Generalmusikdirektor und Hausherrn Ulf Schirmer, Wagners C-Dur-Panzer aufzubrechen und zur Seele dieser herrlichen Musik vorzudringen, zu ihrer Zärtlichkeit und ihrem Witz, zu ihrem Prunk und ihrer sprechenden Komplexität. Zur Premiere, die Axel Kober dirigierte, der mittlerweile GMD in Düsseldorf/Duisburg ist, war das alles noch spröder, unsinnlicher, flacher gewesen.

Die Franzosen jedenfalls sind's zufrieden. In Bayreuth sei das alles auch nicht prinzipiell besser, das Orchester nicht, die Sänger nicht, Katharina Wagners Inszenierung sowieso nicht. Nun ja, akustisch könne die Oper Leipzig natürlich nicht mithalten, dafür sitze man ungleich komfortabler als auf den Grünen Hügel. Überhaupt war noch nie so viel Bayreuth in Leipzig. Das Publikum ist international. Die Smoking-Dichte ist groß - was einen reizvollen Kontrast abgibt zu den aufwendig aufgebrezelten Teilnehmern des Wave-Gotik-Treffens, die es in Scharen zu Wagner zog hat.

Auch in die "Rheingold"-Vorstellung am Vortag, die jüngste Produktion der Oper Leipzig. Auch hier ist das musikalische Niveau bemerkenswert: Rund um den exzellenten Alberich Jürgen Linn und den sensationellen Loge Thomas Mohr wird gemeinhin auf Festival-Niveau gesungen. Die Rheintöchter tönen vielleicht ein wenig spitz. Dafür ist Tuomas Pursio diesmal nicht indisponiert und gewinnt gegenüber der Premiere als Wotan hörbar an Format. Was auch fürs Gewandhausorchester gilt, das unter Schirmer noch einmal präziser und geschmeidiger tönt as in der Premiere. Als im "Ring ohne Worte" im Großen Concert am Donnerstag ohnehin. Entsprechend groß ist auch im "Rheingold" der Jubel im proppenvollen Haus.

Leipzig sollte den erfolgreichen Auftakt seiner Wagner-Festtage als Verpflichtung für die Zukunft nehmen. Schirmer, ist zu hören, denkt schon über die überregionale Vermarktung einer jährlichen Wagner-Festwoche nach. Hält er das Niveau, wird gewiss ein Schuh draus.

Weitere Rheingold-Vorstellungen: 8. und 16.6., Biganzolis Meistersinger sind nun abgespielt. Eigentlich schade. Karten und Infos unter Tel. 0341 1261261; www.oper-leipzig.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.05.2013

Peter Korfmacher

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