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Weiter Weg bis zum Grenzübergang: Internationales Tanzfestival in Leipzig

„Dance Transit“ im Lofft Weiter Weg bis zum Grenzübergang: Internationales Tanzfestival in Leipzig

Zum vierten Mal hat im Lofft das Festival „Dance Transit“ stattgefunden. Den drei Choreografien aus Leipzig, Dresden und Prag war gemein, dass sie auf der Bühne behinderte und nicht behinderte Tänzer vereint haben. Überzeugen konnte vor allem die Prager VerTeDance Company.

Alles pulsiert: „Simultane Bande“.

Quelle: Vijtech Brtnicky

Leipzig. Ein Festival an drei Abenden, mit drei Stücken aus drei Städten. Von Donnerstag bis Samstag stellten sich im Lofft mit „Dance Transit – Praha. Leipzig. Dresden“ Produktionen aus diesen als „Tanz-Metropolen“ apostrophierten Orten vor. Inhaltliche Klammer dieses inzwischen vierten Festivaldurchlaufs bildete der Begriff „Mixed Abled“.

Kein Novum im Lofft, wo eine kontinuierliche Ausschau nach und Partizipation an Produktionen, in denen Tänzer und Tänzerinnen mit und ohne Behinderung sich an etwas wie einer gemeinsamen ästhetischen Sprache versuchen, ein fester inhaltlicher Ausrichtungspunkt sind. Dabei geht es freilich vor allem darum, die Möglichkeiten zu forcieren, einschlägige Produktionen über den fraglos wichtigen soziokulturellen Aspekt hinaus zu heben, sie in das Terrain der Kunst zu transportieren. Wie gut das funktionieren und aussehen kann, war im Lofft schon mehrfach zu erleben.

Was nun besagtes Terrain zu diesem Transit-Durchlauf angeht, so bewegt sich in selbigem in Eindeutigkeit nur eine Inszenierung. Überrascht es, dass diese, unabhängig von welchem Präfix auch immer, aus der einzigen Stadt kommt, die tatsächlich eine Metropole ist?

Alles spannt, pulsiert, fließt, schwingt

„Simulante Bande“ heißt die Produktion der Prager VerTeDance Company. Ein Stück der Choreografinnen Veronika Kotlíková und Tereza Ondrová, in dem man auf einer ganz anderen Grenzlinie tanzt. Die tschechische Popformation DVA liefert dafür die Musik, die in ihrer Struktur ohnehin schon eine Melange zelebriert, ob der alle möglichen Einflüsse Pop eben werden. Ein kühler Minimalismus mit verspielten Schnörkeln, zu dem wunderbar diese Bewegungsformationen passen, die hier gezeigt werden. Rollstuhl-Pop-n-Roll-Technik und die Spielarten des Körpervermögens, das berührende Staunen beim Gliedmaßenberühren, die Widerspenstigkeit und Harmonie, die aufgeht in einer rhythmischen Struktur, die die choreografische Feinmechanik schnurren lässt. In der alles spannt, pulsiert, fließt, schwingt und plötzlich jenseits der Kategorien von behindert oder nicht behindert ist. Und das wohlgemerkt, ohne die Behinderungen zu kaschieren, ohne sie weg zu blenden in jenen Versuchen einer oft wohlmeinenden choreografischen Pseudogleichheit zwischen eben behinderten und nicht behinderten Tänzern.

„Simulante Bande“ zeigt also bestens, wo man im Terrain der Kunst qualitativ stehen kann mit dem Label „Mixed Abled“. Die Produktionen „Mashed Potato“ (Leipzig) und „Multifil Identity“ (Dresden) zeigen, welchen Weg es noch zurückzulegen gilt bis dorthin, bis zum endgültigen Grenzübergang. In beiden Arbeiten findet sich dabei fraglos das Potenzial. In „Mashed Potato“ mehr, in „Multifil Identity“ weniger.

Gefühliges soll ergreifen und berühren

Fairerweise muss man aber sagen, dass gerade bei letzterer Arbeit sich allein der bröselige dramaturgische Rahmen schon dem Umstand schulden mag, dass das Stück ursprünglich als Performance im Dresdner Hygienemuseum mit mehr als 30 Beteiligten konzipiert und aufgeführt wurde. Der Fassung, die jetzt im Lofft zu sehen war, mag auch deshalb jene Redundanz anhaften, deretwegen sich „Multifil Identity“ hier als kaum mehr denn eine choreografische Szenenreihung offeriert. Gezuckert mit einer bis auf Ausnahmen gern gefühligen Musik, wird dabei genau das vor allem anvisiert: das Gefühlige, das ergreifen und berühren soll.

Was in Einzelszenarien durchaus gelingt. Im zart-verzweifelten Trio zu Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ (eine der musikalischen Qualitätsausnahmen der Inszenierung) oder einem ironisch-skurrilen Duett, in dem eine Frau im Elektrorollstuhl den Tänzer immer wieder vor sich hertreibt, über den Boden schleift oder transportiert wie einen aller Kraft beraubten Körpersack. Es gäbe weitere derartige Beispiele, aber keins würde den Gesamteindruck schmälern – wie gesagt, Potenzial ist da, aber der Weg zur Kunst noch weit.

Von Steffen Georgi

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