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Wenn die Wände zu flüstern beginnen: Hörspielfilm "Fading" über das Leipziger Capa-Haus

Wenn die Wände zu flüstern beginnen: Hörspielfilm "Fading" über das Leipziger Capa-Haus

Es gibt zwei Arten von Geräuschen, die beim Wandeln durch die Räume des verfallenen Gründerzeitbaus am Fuße des Palmengartens entstehen. Entweder ist es das betagte Knarzen von altem Parkettboden oder das Knirschen von zerbrochenem Fensterglas unter den Schuhsohlen.

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Die Hörspielfilm-Macher Alina Cyranek und Jan Frederik Vogt auf Ton- und Bildsuche im Capa-Haus.

Quelle: Alina Cyranek

Leipzig. Romantischer Deckenstuck und altmodische Kachelöfen fallen ebenso ins Auge wie abgerissene Tapeten und weniger gelungene Graffiti.

Ein schöner und doch verheerender Anblick, findet Alina Cyranek, während sie das Haus mit einem Architekten begeht. Wenige Wochen später wird sie mit einer Kamera zurückkehren und die geschichtsträchtigen Räume auf Filmrolle bannen.

Dafür hat sich die Filmemacherin gerade rechtzeitig entschieden, denn das denkmalgeschützte Gebäude in der Jahnallee 61 steht am Anfang einer umfassenden Sanierung. Cyranek freut sich über den Erfolg einer Bürgerinitiative, die lange für die Rettung des Capa-Hauses gekämpft hat. Doch auch wenn das Haus bleibe, drohe die berühmte Geschichte Robert Capas dahinter zu verblassen, sagt die Initiatorin von "Fading" - einem Hörspielfilm, der an die Fotoserie "Der letzte Tote des Krieges" erinnert.

Die Episode ereignet sich am 18. April 1945. Während der Befreiung Leipzigs bezieht eine Einheit amerikanischer Soldaten Stellung im zweiten Stock des Hauses. Begleitet werden die Männer von Fotojournalist Robert Capa, einem namhaften Kriegsberichterstatter aus Ungarn. Mehrere Schüsse fallen und der 21-jährige GI Raymond J. Bowman sackt auf dem Balkon zusammen, getötet durch einen Kopfschuss deutscher Scharfschützen. Capa fängt die Szene ein, und knapp einen Monat später veröffentlicht das renommierte Life Magazine seine Fotografien.

Abrisspläne bringen die Geschichte des Hauses im Jahr 2011 erneut ins Gespräch, und Cyranek fängt Feuer: "Die Idee war sofort da. Ich wollte einen Film drehen, der das Gebäude im aktuellen Zustand zeigt, aber auf der Tonebene das Jahr 1945 nachbildet, so als ob die Wände erzählen würden, was sich damals zugetragen hat." Gemeinsam mit dem Hörspielmacher Jan Frederik Vogt haucht die 35-Jährige dem Projekt nach und nach Leben ein.

Zwei Jahre intensive Recherche bringen sie in Kontakt mit Zeitzeugen wie Robert Petzold, der als kleiner Junge mit seiner Familie in der besagten Wohnung lebte. Er zeigt Cyranek und Vogt bei einem Treffen die Standuhr, die 1945 den Sekundentakt schlug, als Capa den Auslöser drückte. "Das Ticken ist nur eine Originalaufnahme im Film", erzählt Cyranek freudestrahlend. "Auch die Geräusche der Kameramodelle, die Capa selbst benutzt hat, geben dem Film dokumentarischen Charakter. Vielleicht wirkt das pedantisch, aber für uns ist es das Herzstück des Projekts".

In nur vier Minuten versetzt "Fading" die Zuschauer und Zuhörer in die beklemmende Atmosphäre des ausgehenden Zweiten Weltkrieges. Ohne einen einzigen Schnitt bewegt sich die Kamera hastig durch die Tür und unter hektischen Zurufen und dem Poltern schwerer Stiefel, die Treppen hinauf. Der Frage, warum das Projekt so kurz ausgefallen ist, musste sich die Filmemacherin schon öfter stellen: "Wir haben die Ereignisse bewusst extrem verdichtet, weil diese intensive Kriegsstimmung doch nicht wirklich länger auszuhalten wäre."

Dank der Unterstützung von mehr als 100 Spendern, kann der Hörspielfilm am 14. Mai Premiere feiern. Es ist das Datum, an dem Capas Bilder aus Leipzig um die Welt gingen. Damit schließt sich der Kreis zu dem Mann, der nicht nur den Auslöser betätigte, sondern heute auch selbst Auslöser für Aktion ist.

"Fading", Filmpremiere und Gespräch mit Alina Cyranek und Jan Frederik Vogt, heute, 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50), Eintritt frei

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.05.2014

Melanie Schröder

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