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Wenn man trotzdem lacht - Halle 14 zeigt Humor in der Kunst

Wenn man trotzdem lacht - Halle 14 zeigt Humor in der Kunst

Die Frage ist eindeutig rhetorischer Natur: Does Humor Belong in Art? Gehört Humor in die Kunst? Dennoch hinterlässt die Ausstellung keine klaren Antworten. Ganz so einfach scheint die Beziehung von Kunst und Lachen dann doch nicht zu sein.

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"Oktopus", eine eher unkkomische Mehrkanal-Projektion von Yoshua Okón aus Mexiko.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erwin Wurm hat ihn zweifelsfrei. Maurizio Cattelan hat ihn auch, auf spezifische Weise. Dutzende andere Künstler haben ihn, den Humor. Wenn die Ausstellung in Halle 14 aber mit einer Frage überschrieben wird - dem zumindest für Neigungen zur Ironie bekanntem Frank Zappa entlehnt - dann bedeutet es nicht zwangsläufig, dass Besucher ein Lachkabinett vorfinden.

Harmlosen Spaß, zum Schmunzeln geeignet, bietet am ehesten der Isländer Egil Sæbjörnsson. Er hat reale Gegenstände aufgebaut, so ein gerahmtes Gemälde und einen geöffneten Pappkarton. Diesem entspringen, per Beamer hineinprojiziert, diverse Sachen. Farbige Blasen, hustende Wolken oder eine Katze.

Ganz anderer Natur sind die drei Videos der Norwegerin Jannike Låker. In "Sunday Mornings" beispielsweise kommt eine heftig betrunkene Blondine nach einer Partynacht heim, kämpft mit den Tücken von Wohnung und Kleidung. In "9 ½ minutes" versucht eine andere Frau, ihrem abwesenden Partner eine Botschaft zu schicken, um die Eifersucht auf dessen schwarze Mitarbeiterin auszudrücken. Das Dinner for one entgleist zu heftigen Vorwürfen, zuletzt hüpft die Protagonistin politisch total unkorrekt halbnackt, mit Schuhcreme geschwärzt und Dschungellaute ausstoßend, durch die Wohnung. Auch wenn sich in Låkers Filmen Personen, speziell Frauen, lächerlich machen, dürften nur simpel gestrickte Stammtischgänger darüber lachen können.

Unterschiedlich aufgebaute Arbeiten hat Yoshua Okón aus Mexiko geliefert. In der Fotoserie "Parking Lotus" hat er zumeist übergewichtige Sicherheitsbeamte animiert, sich auf dem Asphalt in der Lotus-Stellung niederzulassen. In der Mehrkanal-Projektion "Oktopus" wird aber auf einem Parkplatz in Los Angeles eine Bürgerkriegssituation von Mexikanern ohne Aufenthaltsgenehmigung nachgespielt. Keine Waffen, rein pantomimisch. Das ist sicherlich eine politisch brisante Aktion. Im Kontext der Ausstellung wirkt es allerdings wie schon Låkers Filme als Versuchsaufbau. Wer hier lacht, hat offenbar einen IQ unterhalb der festgesetzten EU-Norm.

Gleich noch so etwas. Inmitten eines belebten Straßenmarktes scheren zwei Männer unter Gewaltanwendung einem Dritten, dem das Schild "Fat lazy artist" um den Hals baumelt, das ohnehin schüttere Haupthaar. Der Film ist allerdings eher nebensächlicher Bestandteil der Präsentation von Bob und Roberta Smith. Hier liegt das Augenzwinkern eindeutig im Namen, verbirgt sich doch hinter dem vermeintlichen Duo der britische Künstler Patrick Brill. Hauptsächlich malt er Texttafeln im naiven Stil der Beschilderung von Geschäften und Gaststätten im 19. Jahrhundert. In der Installation "Piss Bar" wird diese Retro-Atmosphäre räumlich verdichtet. "Why did Captain Beefhaert have to die?" steht auf einer Tafel. Totgelacht hat sich Zappas Kumpel vermutlich nicht.

Der Pole Tymek Borowski liefert Gebrauchsanweisungen. "Etwas Dummes tun" oder "Das Gehirn wie ein Neugeborenes benutzen" sind Überschriften didaktisch anmutender Tafeln. Das kann eventuell lustige Ergebnisse hervorrufen. Auf einer anderen Tafel aber wird deutlich, dass Borowski vor allem die Kunst nicht sonderlich ernst nimmt. Wiederholung von Elementen kennzeichnet er als Nachweis ernsthaften Arbeitens, die Verwendung von Hakenkreuzen als Mut zur Provokation, Referenzen auf ältere Werke als berufsspezifische Bildung.Was hier Lächeln veranlasst, nehmen viele Kollegen tatsächlich sehr genau. Schade nur, dass er dann auch noch ein Video beisteuert, das eine alte Levis-Werbung ungeschickt nachahmt.

Was sich bei Borowski andeutet, wird in der Arbeit der Duos (hier nun in echt) Young-Hae Chang Heavy Industries aus Südkorea evident. Es geht in der Ausstellung nicht darum, humorvolle Kunst zu zeigen, sondern tatsächlich nachzufragen, ob Humor in der Kunst etwas zu suchen hat. In schnellen Schnitten wird Schrift auf die Wand projiziert, wegen des erzwungen kurzen Betrachtungsabstandes zu schnell, um sie immer in einem Blick erfassen zu können. Es sind keine Anekdoten, die erzählt werden. Vielmehr handelt es sich um theorielastige Reflexionen.

Es mag am Naturell des Kurators Frank Motz liegen, dass trotz des selbst gewählten Themas das Gelächter auf Meta-Ebenen ungehört verhallt. Das ist in Ordnung. Künstler dürfen und müssen anders an die Dinge herangehen als der Alltagsmensch. Schließlich klingt punktuell an, dass der Besucher auch über die Künstler und ihre Weltsicht lachen darf. Doch das obligatorische Begeitprogramm der Ausstellung, zu dem eine Sammlung von Witzen gehört, passt nicht ganz dazu, erweckt es doch den Eindruck, der Besucher solle wirklich bespaßt werden.

iDoes Humor Belong in Art? Halle 14, Spinnereistr. 7; bis 6. Juli, Di-Fr 11-18 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Kassner, Jens

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