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Wichtiger Preis, schlichte Zeremonie: In Mailand wurde der ICMA vergeben. Auch an etliche Leipziger.

Wichtiger Preis, schlichte Zeremonie: In Mailand wurde der ICMA vergeben. Auch an etliche Leipziger.

Reiche Ernte für die Musikstadt. Bei der Verleihung der ICMAs, der International Classical Music Awards, im Mailänder Auditorium gingen gleich vier der begehrten Auszeichnungen nach Leipzig.

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Der ICMA, Internationaler Preis für Klassische Musik.

Quelle: Dirk Steiner

Er ist nicht so populär wie der Echo. Doch eigentlich ist der ICMA, der Internationale Preis für klassische Musik, weitaus wichtiger. Denn während sich Plattenfirmen die Echos gegenseitig zuschustern, ist der ICMA unabhängig. In der Jury sitzen unter dem Vorsitz des Luxemburgers Remy Frank 16 Musik-Journalisten und -Kritiker aus 13 Ländern zwischen Bosporus und Polarkreis, Chefredakteure von Fach-Blättern und Rundfunkleute. Die frästen sich ein Jahr lang durch Berge von CDs und DVDs, um zum dritten Mal in 15 Kategorien und 8 Sonderfällen den Preis zu verleihen, der aus dem MIDEM-Award hervorgegangen ist.

Auch in der Jury ist Leipzig vertreten: MDR-Mann Martin Hoffmeister ist vor Ort und hat zuvor mitentschieden. Trägt also Mitverantwortung dafür, dass sich ein regelrechter Tross aus Mitteldeutschland in die Lombardei aufmacht: Fürs Gewandhausorchester reist Gewandhausdirektor Andreas Schulz mit den beiden Medien-Vorständen Tom Greenleaves und Waldemar Schwiertz an, dazu stößt, aus Altenburg kommend, Klaus Kamprad, Chef des gleichnamigen Verlages und des dazu gehörenden Labels Querstand. Die vier können sich stellvertretend gleich über den Sieg in zwei Kategorien freuen: Die CD-Box mit den neun Sinfonien Anton Bruckners, gespielt vom Gewandhausorchester, dirigiert von dessen Ehrendirigenten Herbert Blomstedt und erschienen bei Querstand, ist für die Jury erstens die beste CD-Sammlung des Jahres und zweitens die beste Produktion überhaupt. "Ohne Firlefanz", befanden die Kritiker aus allen Teilen Europas, seien diese Einspielungen, dabei überraschend "transparent. Dies ist wirklich ein moderner Bruckner-Zyklus! Blomstedt vereint die Fülle des deutschen Klangs des Gewandhausorchesters mit elektrisierender, farbsatter und lebendiger Phrasierung." Für die schönen Worte bedankt sich Schulz, der den Preis entgegennimmt, denkbar knapp: "Danke an die Jury und an alle, die diese CD-Box möglich gemacht haben. Vielen, vielen Dank."

Damit erfüllt er voll und ganz die Erwartungen des Vorsitzenden Frank, der schon zu Beginn der ziemlich schmucklosen Preis-Verleihung im fürs abendliche Gala-Konzert hergerichteten 1500-Plätze Saal des Auditorium di Milano die Gepriesenen ermahnt hatte, sich kurz zu fassen. Man müsse 23 Preise unter die Leute bringen und habe maximal anderthalb Stunden Zeit.

Ein Zeitplan, der schon beim ersten Award des langen Abends zu wackeln scheint. Denn Wolfram Lattke, der mit seinem Bruder Martin fürs Leipziger Ensemble Amarcord angereist ist, lässt es sich nicht nehmen, alle weiträumig an der Entstehung der CD "zu S. Thomas" Beteiligten namentlich mit freundlichen Worten zu bedenken. Doch da er dies mit sympathischer Bescheidenheit tut, ganz offensichtlich von Herzen kommend, nimmt ihm das niemand übel. Und die meisten der Folge-Dankansprachen geraten so kurz, dass nach wenig mehr als einer Stunde der Tisch mit den 23 Preis-Skulpturen auf roter Decke leergeräumt ist.

Zur Amarcord-CD befand die Jury: "Als Ensemble von Weltruf präsentiert Amarcord ein riesiges Repertoire, das von der Gregorianik bis zur Zeitgenössischen Musik reicht. Diese CD enthält Musik aus der Bibliothek des Thomanerchors und zeigt das enorme künstlerische Potenzial der Gruppe auf. Exzellent sind die Balance des Klanges, der erlesene Ton und die bewundernswerte Authentizität." Das reicht für einen ICMA in der Kategorie "Alte Musik".

Für Accentus Music schließlich ist Anne-Kathrin Peitz nach Mailand gekommen. Sie hat Paul Smacznys und Allan Millers Film "John Cage, Journeys in Sound" geschrieben, den die Jury in der Kategorie "DVD Dokumentation" auszeichnete. Denn: "Um dem 100. Geburtstag Cages zu feiern, erkundet dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm das Universum des Komponisten auf eine ausgesprochen detaillierte Weise und mit seltener Intelligenz und Wahrhaftigkeit. So macht uns der Film zu Mitwissern seiner Großartigkeit, sei es als Musiker oder als bildender Künstler."

Dann ist im Auditorium die Zeit reif für die Sonderpreise. Da wird etwa der greise Aldo Ciccolini (87) für seine Karriere geehrt oder Caroline Widmann als Künstlerin des Jahres. Und ganz am Ende der Preisverleihung kommt, freilich über Bande, noch einmal Leipzig ins Spiel. Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly nimmt für das vor 20 Jahren von ihm gegründete Mailänder Verdi-Orchester, dessen Sitz das gastgebende Auditorium ist, den Spezialpreis entgegen. "Stolz", sagt er, sei er auf den Mut, der vor zwei Jahrzehnten dazu führte, dieses privat finanzierte Orchester zu gründen, das sich, so schreibt es die Jury, "unter der musikalischen Leitung Riccardo Chaillys sofort als fähig erwiesen hat, mit den besten Orchestern Italiens zu konkurrieren." Im Verdi-Jahr, das zumindest hierzulande ein wenig unter die Wagner-Räder zu geraten Gefahr läuft, haben das Orchester und sein Gründungschefdirigent wieder eine gemeinsame CD eingespielt: "Verdi-Discoveries" heißt sie, den unbekannten, den sinfonischen Verdi präsentiert sie. Auch diese CD, sagt Chailly, mache ihn stolz. Wie die Bruckner-Box, die "Maestro Blomstedt mit meinem Gewandhausorchester eingespielt hat".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.03.2013

Peter Korfmacher

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