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„Wie im Profifußball“: Warum Leipzigs Tanzszene auf der Suche nach Räumen ist

Trainingsbedarf „Wie im Profifußball“: Warum Leipzigs Tanzszene auf der Suche nach Räumen ist

Leipzig zieht immer mehr Profitänzer an – doch die haben Probleme, geeignete Räume für ein gemeinsames Training zu finden.

Ein vergangenes Tanztraining im Lofft. In der aktuellen Woche wird dort jedoch für eine Premiere geprobt, weshalb die Profitänzer von heute bis Samstag in die Schaubühne Lindenfels ausweichen – und dort jeweils von 9.30 Uhr bis 11 Uhr unter Anleitung Markéta Pščolkovás üben. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Leipzig kommt“, trompete vor einigen Jahren das hiesige Stadtmarketing. Und was immer auch das nun genau gemeint haben könnte – eins lässt sich in jedem Fall sagen: Man kommt nach Leipzig. Der Zuzug ist kontinuierlich, ein Plus von 100 000 Einwohnern wird bis 2030 erwartet, die Stadt ist fraglos attraktiv. Nicht zuletzt für Künstler unterschiedlichster Couleur, Tänzerinnen und Tänzer inklusive. Was wiederum, wenig überraschend, Auswirkungen hat. Und mögen da manche Probleme auf den ersten Blick recht speziell erscheinen, erzählen sie doch zugleich etwas Exemplarisches.

Von einer „starken Welle des Zuzugs an Tänzerinnen und Tänzern“ spricht Alma Toaspern. Selber Tänzerin und Choreografin, in Leipzig geboren, hat sie am P.A.R.T.S. in Brüssel studiert, getanzt unter anderem in Köln, Frankfurt/Main, Berlin, New York, Paris. Kurz: Toaspern hat den Vergleich. So wie auch Mona Louisa-Melinka Hempel, ebenfalls Tänzerin mit einschlägigen Bühnenerfahrungen; beide haben bewusst ihren Lebensmittelpunkt (wieder) in Leipzig gewählt. Und das, weil die Stadt, nicht zuletzt dank ihrer noch vergleichsweise moderaten Mietpreise, momentan Tänzer und Choreographen – und nicht nur aus Deutschland – anzieht.

Soll heißen: Die Chance für eine echte Leipziger freie Tanzszene, für eine Kreativpotenzierung samt eines ja wahrlich auch wünschenswerten künstlerischen Qualitätssprungs (inklusive entsprechender Außenwirkung) liegt auf der Hand. Setzt aber voraus, dass der Lebens- auch ein Arbeitsmittelpunkt sein kann. Genau dort nun beginnen die Probleme.

Toaspern: „Es gibt im Profitanz die unabdingbare Notwendigkeit eines gemeinsamen Trainings und das eben auf Profi-Level. Allein, wenn man das technische Niveau halten will, ist das ein Muss. Das ist im Profitanz nicht anders als im Profifußball. Die Voraussetzung also dafür, dass die Leute, die jetzt kommen, auch bleiben und vor allem auch in der Stadt kreativ tätig werden, ist die Gewährleistung eines professionellen Tanztrainings.“

Fenster wären ein bisschen Luxus

So weit, so gut. Klingt logisch. Wo aber, mag man als Außenstehender fragen, ist das Problem?

Das Problem ist, dass es schlicht und einfach an einer grundlegenden Voraussetzung für besagte grundlegende Voraussetzung fehlt. An Räumen nämlich, die haben, was es für Profi-Tanztraining braucht. Das da wäre: ein entsprechender Tanzboden. 100 Quadratmeter Fläche, mehr dürfen es freilich auch sein. Ballettstangen. Eine Soundanlage. Heizung und Sanitäranlagen. Und wenn, wie Toaspern hinzufügt, noch ein bisschen Luxus sein darf: Fenster wären echt schön.

Momentan bietet diesen Raum – wenn auch ohne Luxusschnickschnack wie Fenster – nur das Lofft, an das sich Toaspern wendete und offene Ohren und auch Türen fand, weil dort natürlich das Problem schon länger bekannt ist. Allerdings: Besagter Raum ist die einzige große Bühne des freien Theaters, was bei laufendem Spielbetrieb die Terminierungen fürs Training arg minimiert: „Training in Drei-Tage-Einheit, einmal pro Monat, das reicht nicht“, erklärt Mona Louisa-Melinka Hempel. „Was wir bisher im Lofft machten, war ja erst einmal ein Austesten, ob es überhaupt funktioniert, ob dieses Angebot angenommen wird. Das wissen wir jetzt. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Damit so ein Training aber nachhaltig effektiv und sinnvoll ist, muss das mindestens einmal wöchentlich gewährleistet sein.“

Also wendete man sich ans Kulturamt, wo man durchaus erst einmal mit Interesse und Verständnis reagierte. Der Tenor dabei allerdings, verkürzt gesagt: Räume haben wir nicht, über Geld könne man reden. Nun ist es natürlich nicht so, dass ein Profitraining nicht auch eines gewissen Budgets bedarf. Hempel: „Wie müssen ja Trainer gezielt engagieren, auch mal von außerhalb. Und es wäre schon schön, wenn in Zukunft die Honorare etwas mehr als symbolische Höhe betragen könnten.“

Der Joseph-Konsum wäre der perfekte Raum

„Wobei“, fügt Toaspern an, „man klar sagen muss, dass es jetzt nicht darum geht, die geilsten Trainer und Koryphäen aus Übersee zu engagieren. Unsere prinzipielle Ausrichtung ist ganz klar: Für die freie Szene hier mit Leuten aus der freien Szene.“

Einer Szene, die momentan eben wächst. Und um es zu wiederholen: Die einen Trainingsraum braucht, soll der quantitative Anstieg qualitative Auswirkungen haben und man das sich sammelnde Potenzial dafür in der Stadt halten will.

Wie immer ist das auch eine Frage des kulturpolitischen Willens – und eines gewissen Pragmatismus. Toaspern: „Ich habe ja schon mal bei der Stadt angefragt, was mit den Immobilien wird, die bisher das Leipziger Tanztheater nutzt, wenn die in die Baumwollspinnerei ziehen. Der Joseph-Konsum in der Karl-Heine Straße etwa wäre der perfekte Raum.“

Und dieser eine Raum würde reichen?

„Ja, das kann ich mit Blick auf andere Städte sagen. Selbst wenn die Welle noch ansteigt, ist das mit einem Raum wie diesem realisierbar.“ Optionen, Energie, sogar etwas Geld, Interessenten sowieso – klingt nach guten Voraussetzungen. Ob und wie man sie nutzen wird – auch das dürfte dann etwas Exemplarisches erzählen, auch über diese Stadt und ihr kulturelles Selbstverständnis.

Von Steffen Georgi

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