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Kultur Wilder-Komödie in der Theaterversion
Nachrichten Kultur Wilder-Komödie in der Theaterversion
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14:13 26.09.2018
Rasanz ist versprochen bei der Inszenierung „Zack, zack, zack“. Für die Inselbühne spielen Stephan Thiel, Armin Zarbock, Britta Boehlke und Elena Weiß (v. l.). Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Möglicherweise bekommen die Zuschauer in der naTo eine klare Anweisung, damit es losgehen kann. „Sitzen machen!“ So jedenfalls befiehlt es Mister MacNamara seinen Angestellten, wenn er die Räume der West-Berliner Filiale von Coca-Cola betritt. Er ist eine der Hauptfiguren in „Eins, zwei, drei“, dem schlicht umwerfenden Film von Billy Wilder. Motive aus dieser Schwarz-weiß-Komödie hat Volker Insel adaptiert, um sie auf die Bühne zu bringen. Am Freitag hat „Zack, zack, zack“ Premiere.

Die neue Produktion nimmt quasi die Nachfolge von „Gott des Gemetzels“ für die Inselbühne ein. Satte zehn Jahre lang stand Insels Inszenierung von Yasmina Reza immer mal wieder auf dem Spielplan, sahnte zurecht den Bewegungskunstpreis ab und sorgte für hohe Zuschauerzahlen. Nachdem der Spaß im vergangenen Frühjahr endgültig abgespielt war, suchte der Regisseur eine Komödie, die ähnlich intelligent, satirisch auf den Punkt und unterhaltungsgarantierend ist.

Er hätte kaum eine bessere Entscheidung treffen können, als „Eins, zwei, drei“ zu beackern – ein brillantes, saukomisches und zugleich böses Bravourstück, dem die Weltgeschichte einen eigenen schwarzhumorigen, fies-tragischen Hintergrund bescherte: Der amerikanische Screwball-Streich von 1961 verhandelt den Ost-West-Konflikt mit handlungsort Berlin – in die Dreharbeiten platzte die Errichtung der Mauer. Ulbrichts eigentlich von niemandem beabsichtigte Baumaßnahme sorgte für eine extrem niedrige Bereitschaft, über die Auswirkungen des Kalten Kriegs zu lachen.

Der Film mit James Cagney, Liselotte Pulver und Horst Buchholz floppte, trotz Nominierung für Oscar, zwei Golden Globe Awards und Laurel Award. Zur Wiederaufführung Mitte der 1980er wurden endlich die Qualitäten geschätzt – das enorme Tempo, das Schrille, der Biss und die gleichzeitige Leichtigkeit. „Diesen Affenzahn haben wir auch in der Theaterfassung“, verspricht Volker Insel. Den Ami MacNamara spielt Armin Zarbock, alle anderen übernehmen gleich mehrere Rollen – Britta Boehlke, Elena Weiß und Stephan Thiel haben Umzugsstress, der nicht etwa backstage, sondern auf der Bühne stattfinden wird.

Zur Story: MacNamara muss die frisch angereiste Tochter des Coca-Cola-Vorstandsvorsitzenden in Berlin betreuen, ist aber zu überfordert, um diese Scarlett zu bremsen. Die büchst immer wieder aus – und steht plötzlich frisch verheiratet vor ihm. Ihr Gatte ist ausgerechnet der linientreue Jungkommunist Otto. Nun muss sich MacNamara etwas einfallen lassen... Im Folgenden werden amerikanische Großmannssucht, paranoider Kommunismus und die Anpassungsfähigkeit früherer Hitler-Getreuer durch den Kakao gezogen. Ein irrer Spaß, der auf der Bühne ebenso funktionieren dürfte.

Premiere am Freitag, 20 Uhr, weitere Aufführungen Sonntag sowie 1., 5., 6. und 7. Oktober. Infos und Karten auf www.nato-leipzig.de.

Von Mark Daniel

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