Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Willkommen in der Satire-Republik: Pofalla-Meldung sorgt für Verwirrung im Netz
Nachrichten Kultur Willkommen in der Satire-Republik: Pofalla-Meldung sorgt für Verwirrung im Netz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:24 03.01.2014
Überraschend ist Ex-Kanzleramtsminister Pofalla als künftiger Bahn-Manager im Gespräch. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Keine Stunde später schloss sich die Nachrichtenagentur dpa an und vermeldete unter Berufung auf die „Saarbrücker Zeitung“ sowie aus eigenen Quellen jene Pofalla-News, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf Twitter genüsslich kommentiert wurde: „Pofalla erklärt die Debatte über Verspätungen für beendet.“ „Die Klimaanlagen haben glaubhaft versichert, es habe nie eine Störung gegeben.“ Und so weiter und so fort. Der Witz regiert seit jeher das Internet, Häme liegt davon nicht weit entfernt.

Als dann plötzlich auch die Satire-Seite „Der Postillon“ eine scheinbare „Exklusiv-Meldung“ veröffentlichte, brach der Twitter-Sturm erst so richtig los. „Der Postillon“ behauptete, er habe bereits einen Tag vor „Saarbrücker Zeitung“, dpa, „Spiegel Online“ und all den anderen erfahren und veröffentlicht, dass Pofalla demnächst bei der Bahn in Lohn und Brot steht. Der Wahrheitsgehalt dieser Nachricht: Gleich null. Richtig war der Wechsel Pofallas, die „Exklusiv-Meldung“ des Postillon die Ente - nur merkte das zunächst kaum jemand. Denn „Der Postillon“ formuliert zwar gekonnt im Nachrichtenstil, verbreitet allerdings ausschließlich Meldungen, die die Realität in der Regel gehörig aufs Korn nehmen.

Der Unterschied im Fall Pofalla: Sogar die Tagesschau berichtete über den Seitenwechsel des ehemaligen Kanzleramtsministers und musste eine Welle der Empörung über sich ergehen lassen, man habe nicht ordentlich recherchiert. Denn zu diesem Zeitpunkt suhlte sich die Internetgemeinde bereits in selbstzufriedener Gewissheit, eine Satire-Meldung habe es in die Hauptnachrichten geschafft. Was - natürlich - eine Blamage ohnegleichen gewesen wäre.

Stefan Sichermann, Gründer des «Postillon», in seinem Büro in Fürth. (Archivfoto) Quelle: dpa

Sogar Politiker wie die Grüne Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt begannen, am Wahrheitsgehalt der Pofalla-Nachricht zu zweifeln. Das Berliner Boulevardblatt „BZ“ zweifelte kurzzeitig sogar an sich selbst und fragte auf ihrer Internetseite: „War die Nachricht, dass Ex-Kanzleramtschef Pofalla in den Bahnvorstand wechseln soll, nichts als ein großer Witz der Satire-Website „Der Postillon“? Zumindest bläst gerade ein entsprechender Tweet-Storm durchs Netz.“

Die Frage des Abends, die sich zunächst allerdings kaum einer stellte, lautete: Wer hatte hier eigentlich von wem abgeschrieben und wem galt am Ende der Spott?

Erst am nächsten Morgen wurde klar, was der Macher der Grimme-Preis gekrönten Satire-Seite, Stefan Sichermann, vor allem im Sinn gehabt hatte: Am Beispiel einer geschickt rückdatierten Satire-Meldung zeigen, dass die besten Geschichten immer noch das Leben selbst schreibt. Herzlich Willkommen in der Satire-Republik Deutschland.

Nora Lysk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn man mal psychologisch erzählen will, muss man Darsteller haben, die das auch können. Leider trifft das weder auf Simone Thomalla noch auf Josefine Preuß zu.

03.01.2014

"Türkischer Honig" hieß der erste Leipzig-Tatort des MDR im neuen Jahr. Die Story rankt sich um eine vorgetäuschte Entführung von Julia, der Halbschwester von Kommissarin Saalfeld (Simone Thomalla).

03.01.2014

Eine beständig wachsende Menge öffentlicher und privater Museen lockt eine kontinuierlich steigende Zahl an Besuchern an. Erst jüngst wurde in einer Museumsstudie wieder eine Steigerungsrate der Besucherzahlen von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet.

03.01.2014
Anzeige