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Kultur "Wir sind da irgendwie reingeraten" - The National im Interview
Nachrichten Kultur "Wir sind da irgendwie reingeraten" - The National im Interview
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18:34 09.06.2014
The National mit Scott Devendorf (l.) und Matt Berninger (Mitte). Quelle: PR
Leipzig

Vor gut einem Jahr erschien das Album "Trouble Will Find Me", am Dienstag spielen sie auf der Leipziger Parkbühne. Im Interview spricht Bassist Scott Devendorf übers Songschreiben, Matt Berningers Rätsel-Texte und US-Präsident Obama.

LVZ:

Sie waren eine Indie-Band, die von Album zu Album größer wurde. Wie sehen Sie sich heute?

Scott Devendorf:

Immer noch als Independant-Band. Wir machen alles selbst, die Aufnahmen, die Produktion. Natürlich haben wir Leute, die uns dabei helfen, aber das sind dieselben, die von Anfang an dabei waren. Wir sind weiterhin eine Do-it-yourself-Band, denken nicht kommerziell.

Verstehen Sie eigentlich alle Texte von Matt Berninger?

Nein. Aber genau das mag ich. Ich frage ihn nie, ich will es gar nicht wissen. Okay, manchmal kriegt man es schon raus, ich kenne ihn ja. Oder ich erkläre es mir für mich, auch wenn er es womöglich ganz anders gemeint hat.

Es heißt, Sie seien die Lieblingsband von US-Präsident Obama. Ist das ein Fluch oder ein Segen?

Gute Frage. Wir respektieren ihn sehr. Er ist wirklich ein smarter Typ. Aber zuletzt ist ziemlich viel schief gelaufen, sind gruselige Dinge passiert. Ich glaube aber nicht, dass das alles seine persönliche Schuld war, sondern eher die des Regierungsapparats. Ich bin immer noch froh, dass er Präsident ist. Er hat auch viel Gutes auf den Weg gebracht, zum Beispiel in den Bereichen Bildung und Gesundheitswesen, was nicht alle mitbekommen haben. Diese Dinge gehen natürlich eher langsam voran.

Obama hat seine Kampagne gegen George W. Bush damals mit dem The-National-Song "Fake Empire" (Reich der Täuschung) musikalisch untermalt...

Ja, aber das war ja nicht als politisches, sondern als persönliches Lied geschrieben. Das eine oder andere in dem Titel kann man aber in mehrere Richtungen auslegen.

Was ja nicht untypisch für Ihre Songs ist. Haben Sie ein Lieblingsalbum von The National?

Ich mag die neue Platte sehr...

Sagt das nicht jeder Musiker über die neue Platte?

Ich mag sie aber wirklich - und auch "Alligator".

Sie versuchen, jedem Album eine eigene Atmosphäre zu geben, wie würden Sie die der beiden letzten beschreiben?

"High Violet" ist unbeabsichtigt ziemlich klaustrophobisch geworden. Die neue Platte ist offener.

The National wurde 1999 gegründet. Wie ging es damals los?

Anfangs haben wir nach der Arbeit Musik gemacht, rein hobbymäßig, ohne Ehrgeiz. Dann kamen die ersten Aufnahmen, wir tourten. Irgendwie sind wir dann in etwas reingeraten, aus dem nach und nach ein Fulltime-Job wurde. Aber letztlich sind wir immer noch Freunde, die aus Spaß zusammen Musik machen. Das ist der Grund, warum wir es so gut miteinander aushalten.

Ihr Bruder ist Schlagzeuger, neben Ihnen spielen die Dessner-Zwillinge. Wie ist das für den Sänger Matt Berninger?

Ich denke, manchmal ist es schwierig für ihn. Es gibt ja noch einen anderen Unterschied zwischen ihm und uns: Er spielt kein Instrument, schreibt keine Musik, hat aber ein sehr musikalisches Ohr.

Wie ist das beim Songschreiben?

Da ist nie der Text auf der einen und die Musik auf der anderen Seite. Wir geben Ideen, er nimmt sie auf, die Musik verändert sich wieder und so weiter. Es ist ein sehr ineffizienter Prozess. Gemeinsam suchen wir so nach dem emotionalen Schwerpunkt in einem Lied. Es ist nie einfach, aber sehr befriedigend.

Sie brauchen leider immer um die drei Jahre für ein Album. Gibt es schon erste neue Skizzen?

Wir sind nicht gut darin, auf Tour Lieder zu schreiben. Matt muss zu Hause sein, um Texte zu schreiben, sagt er zumindest. Dabei schreibt er eigentlich immer. Wir wollen nach der Tour eine Live-Platte rausbringen. Und im Herbst werden wir überlegen, was wir Neues machen.

The National live: Dienstag, 19.30 Uhr, auf der Parkbühne Leipzig, Karten an der Abendkasse.Von The National können Sie drei CDs "Trouble Will Find Me" gewinnen. Rufen Sie dafür heute um 14 Uhr an unter der Telefonnummer 01805 218111 (14 ct./Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2014

Jürgen Kleindienst

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