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Wunder vor der Tür - Elmar Schenkels neues Reisebuch

Wunder vor der Tür - Elmar Schenkels neues Reisebuch

Bevor der Schriftsteller, Anglist und Übersetzer Elmar Schenkel 1993 von Freiburg nach Sachsen zog, wusste er kaum, wo Leipzig liegt. Seitdem hat er sich mit Stadt und Land nicht nur bekannt, sondern vertraut gemacht.

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Der Leipziger Autor, Übersetzer und Reisende Elmar Schenkel.

Quelle: André Kempner

Jetzt ist sein Buch über "Reisen in die ferne Nähe" erschienen - in der Reihe "Kleine Leipziger Bibliothek" der Connewitzer Verlagsbuchhandlung.

 

 

Eigentlich wandert Elmar Schenkel ganz harmlos durch den Südharz, aber "wie wir so durch den Sumpf im Tal stapfen, seh ich mich in der Verlorenen Welt eines Conan Doyle, den Amazonassümpfen eines Jules Verne, und mir wird klar, daß die Wunder der Welt nicht in Südamerika und Afrika beginnen, sondern gleich um die Ecke."

Um die Ecke - das ist Grimma, Wurzen, Zittau, Jena, Merseburg... "Seit meiner Russlandreise weiß ich, daß man viel zu Fuß gehen kann", schreibt Schenkel, ist aber auch mit Rad oder Bahn unterwegs. "Es braucht immer einen Stein des Anstoßes, um sich näher auf seine Umwelt einzulassen", schreibt. Erzählt von Freunden, Büchern, Ausstellungen, Begegnungen, oft genug auch Zufällen, die Anstöße geben haben. Stets ist er bereit, sich überraschen zu lassen. Und überrascht nun mit Gedankengängen, die auf den ersten Blick nichts mit der Umgebung zu tun haben. Orte und Landschaften sind hier mehr Ausgangspunkte als Ziele.

Reisen und Notieren, was er auf Reisen erlebt, ist für Schenkel, der in Leipzig englische Literatur lehrt, "fast eins geworden", als er in Japan war, in Indien, Russland und den USA. Doch als er im Jahr 2000 beschloss, einen Blick in die nähere Umgebung zu werfen, merkte er: "Es ist schwer, das Nächste aufzuschreiben. Man nimmt es nicht ernst, weil es nicht fremd genug ist. Daher muss man sich in der Kunst des Fremdsehens üben."

Dabei hilft gewiss, dass er seiner Neugier folgt, schnell mit Menschen ins Gespräch kommt - in "Gabi's Grenzimbiß", "Moni's Kneipe" oder "Baldys Café". Da ist die Bibliothekarin, die erzählt, wie nach der Währungseinheit die Kinder dachten, die Bibliothek hätte jetzt plötzlich nur noch Westbücher. Im Bücherdorf Mühlbeck hinter Bitterfeld trifft er 2003 auf Clemens Meyer, damals dort Writer in Residence, Dorfschreiber sozusagen als frisch gekürter Sieger des MDR-Literaturwettbewerbs. Hundehalter werden vom Hundehalter sowieso immer angesprochen.

Elmar Schenkel bewahrt nicht nur das Staunen, er übt auch den genauen Blick: "Es muss einer der ersten warmen Tage sein, dieser Sonntag. Die Menschen gehen noch ungeübt, als führen sie immer noch Schlittschuh, sie trauen dem Boden nicht, er könnte glatt sein." Und er wagt wilde Thesen, wenn er im napoleonischen Museum in Jena-Cospeda, zusammengetragen von einem Gastwirt und Napoleon-Doppelgänger, innehält: "Es scheint, daß gerade der Beruf des Wirtes eine Reihe von Napoleoniden hervorgebracht hat, als verkörpere ein Wirt die Kehrseite eines Tyrannen und Herrschers von Europa."

Die Leser begegnen auf einen Handschlag mit der Geschichte Paul Möbius, Mori Ôgai oder Dr. Wilhelm Külz, der 1875 in Borna geboren wurde, "wenn auch noch nicht als Doktor". Später gründete er die liberaldemokratische Partei. Auch Sprachbewusstsein wird gepflegt: "Zum Beispiel blue ist ja fast schon ein deutsches Wort geworden, hat aber einen anderen Hof (und eine andere Hofhaltung) als das Wort blau."

Die mit Anekdoten und eigenen Zeichnungen gewürzten Texte aus den Jahren 2002 bis 2011 bilden eine Kulturlandschaft ab, die zwischen Kyffhäuser und Erzgebirge gleichermaßen von Historie geprägt ist wie von Mentalität. Und vom Dialekt natürlich: "Auch wenn man es aus Funk und Fernsehen kennt und abendfüllende Kabaretts damit gesehen hat, in der freien Natur fällt einen dieses Dresdner ,Nu' doch wie aus einem Hinterhalt an, man ist entwaffnet und schaut etwas blöd in die sächsische Mittagsluft." Der leichte Ton dieser Spaziergänge macht ebenso viel Spaß wie das Wundern, das vor der Haustür beginnt.

Elmar Schenkel: Reisen in die ferne Nähe.Unterwegs in Mitteldeutschland. Connewitzer Verlagsbuchhandlung; 214 Seiten (mit Illustrationen des Autors),18 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.05.2013

Janina Fleischer

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