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Wurde Pablo Neruda vergiftet? Leiche des Literatur-Nobelpreisträgers wird exhumiert

Wurde Pablo Neruda vergiftet? Leiche des Literatur-Nobelpreisträgers wird exhumiert

Manuel Araya ist 66 Jahre alt und führt derzeit den Kampf seines Lebens. Der ehemalige Chauffeur und Diener des Poeten Pablo Neruda nennt es das Ringen um eine historische Gerechtigkeit.

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Quelle: dpa

Er will beweisen, dass Neruda wenige Tage nach dem Putsch in Chile im September 1973 nicht infolge seiner Krebs-Erkrankung starb, sondern von der Pinochet-Diktatur in der Privatklinik Santa María in der Hauptstadt Santiago ermordet wurde.

Neruda war damals das bekannteste Gesicht der chilenischen Linksregierung "Unidad Popular" von Salvador Allende, die am 11. September blutig gestürzt wurde. Der Chauffeur erinnert sich noch an einen Anruf Nerudas aus der Klinik am 23. September. "Er bat mich, umgehend nach Santiago zu kommen. Ein Arzt habe ihm im Schlaf eine Spritze gegeben. Als wir ankamen, war er fiebernd, rot und aufgedunsen." Der Poet starb dann um 22.30 Uhr desselben Tags. Und Araya wurde kurz danach von den Schergen der Diktatur gekidnappt, ins Nationalstadion gebracht und dort gefoltert.

Einen ersten Erfolg hat Araya jetzt erreicht. Die chilenische Justiz hat die Exhumierung Nerudas angeordnet. "Es gibt genügend Elemente, die darauf hindeuten, dass Arayas Angaben stichhaltig sind", entschied der Richter Mario Carroza. Er hält es für möglich, dass Reste von Drogen, Giften oder Bakterien nachzuweisen sind. Also werden die sterblichen Überreste des Dichters heute unter Beteiligung internationaler Experten ausgegraben. Für Araya ist schon das eine tiefe Befriedigung: "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denke, was vor 40 Jahren passiert ist".

Der Dichter-Freund hat seinen Frust und seine Informationen Jahrzehnte mit sich herumgetragen. "Ich habe an alle Türen geklopft, aber niemand wollte mir zuhören", sagte Araya im Dezember 2011 der spanischen Tageszeitung "El País" auf die Frage, warum er erst knapp vier Jahrzehnte nach Nerudas Tod mit seinem Wissen herausrückt.

Araya fand erst Gehör, als sich 2009 herausstellte, dass der ehemalige christdemokratische Präsident Eduardo Frei, der die Diktatur kritisierte, im Jahre 1982 vergiftet worden war. Tatort war ebenfalls die Privatklinik Santa María.

Der Butler und der Poet - es war eine ungewöhnliche Freundschaft, die etwas von einem Vater-Sohn-Verhältnis hatte. Araya stammt aus einer einfachen Familie vom Land, er hatte zwölf Geschwister und schloss sich früh schon den Kommunisten an. Im November 1972 wird er in Alter von 26 Jahren von der KP beauftragt, sich um den kranken Neruda zu kümmern. Dieser war damals bereits 68 Jahre alt und kurz zuvor wegen seiner Krebserkrankung vorzeitig vom Posten als chilenischer Botschafter in Paris zurückgetreten.

Araya zieht nach Isla Negra, dem schönsten von Nerudas Wohnsitzen am Meer. Araya lebt dort mit dem Dichter und dessen Frau und Schwester und wird schnell zum Vertrauten Nerudas. Er serviert ihm das Frühstück, kauft seine Zeitungen, zieht mit ihm über die zahlreichen Märkte Chiles und streift mit ihm durch die Antiquitäten-Geschäfte. Und in seinem geliebten Citroen fährt er ihn überall hin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2013

Klaus Ehringfeld

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