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Zu nah am Pop: Rag’n’Bone Man im ausverkauften Täubchenthal

Konzert Zu nah am Pop: Rag’n’Bone Man im ausverkauften Täubchenthal

Versteht man Pop, ganz polemisch und verkürzt, als das massen- und profittauglich Weichgespülte im Gegensatz zu leidenschaftlich handgemachter Genre­musik – dann lässt sich das Konzert von Rag’n’Bone am Donnerstag im ausverkauften Täubchenthal durchaus als Kampf zwischen beiden Polen auffassen.

Auf dem Weg, Popstar zu werden? Rory Graham alias Rag’n’Bone Man im Leipziger Täubchenthal.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Ein Werbungs-befeuerter, internationaler Chartshit, der mit seiner gefühlvollen Eine-Menschheit-Message genau den Nerv der Zeit trifft („Human“), reicht aus, und man hätte das Täubchenthal am Gründonnerstag zum Konzert des Südengländers Rag’n’Bone Man alias Rory Graham gleich mehrmals ausverkaufen können. Das erhärtet zunächst den Popverdacht, ebenso wie zweifache Echo­prämierung und ein in jeder Hinsicht bunt durchmischtes Publikum ohne besondere Auffälligkeiten.

Auch die Verkaufssprache des Promotexts zum Konzert, die von „zeitlos grandiosem Songwriting, stilistisch zwischen allen Stühlen“ schwadroniert, schlägt in diese Kerbe, bleibt doch bei einer auf Eingänglichkeit getrimmten Durchmischung von Stilen oft kaum etwas anderes übrig als Pop.

Bei Rag’n’Bone Man sind die Zutaten unverkennbar Blues und Soul, geräuchert über einer Flamme aus Slow-Funk, diversen Beats und einer Prise Hip Hop. Und er schafft es immer wieder, einige Schrauben stark in Richtung „guter“ Musik zu drehen, die Genres pur und voll auszuformen, ohne dass der Ohrwurm leiden muss.

Besticht bereits Support-Sängerin Betti durch burlesque-swingenden Retro-Charme für Ohr und Auge, erliegt man anschließend seinen eigenen Pop-Konzert-Sehgewohnheiten, wenn man den die Bühne verdeckenden Vorhang für eine Steigerung des Showeffekts hält, der nach Intro unter Jubel zu Boden fällt und den Blick auf den Star freigibt. Denn hier ist der Star sein eigenes Intro, als er gänzlich unprätentiös vor dem Vorhang ans Mikrophon tritt und, als stehe er auf einer kleinen Blues-Kneipen-Bühne, die Gitarre nimmt und zart singend beginnt.

Die Hauptattraktion ist Grahams Gänsehautgesang

Die Hauptattraktion ist natürlich Grahams Gänsehautgesang, welcher von Kopfstimme bis Röhre, stets gefühlsbetont die ganze Klaviatur des Blues und Soul abdeckt. Viele harren an diesem Abend merklich den aktuellen Single-Hits, aber wenn sich in den ruhigeren Songs alles auf Stimme fokussiert, lässt sich auch der Radiohörer andächtig in den Bann ziehen. Hier stört dann vor allem die sehr laute, im vollen Täubchenthal aber dringend nötige Lüftung. Oft scheint es jedoch, als sei das Publikum mehr zum Feiern gekommen, als es dem bluesigen Gemüt von Rag’n’Bone Man recht wäre. Wenn zwei interagierende Dinge nicht zusammenzupassen scheinen, spricht man von einer Text-Bild-Schere, als solche wirkt im Täubchenthal das Verhältnis von frenetisch lautem Jubel und oft kontemplativer Gänsehautmusik.

Aber trotz Stimme und differenziertem Songwriting bleibt die Instrumentierung zumeist im Rahmen indifferent verwaschener Pop-Beliebigkeit, da traut Graham seiner Live-Band zu wenig zu. Nur selten dürfen einzelne solistisch hervorstechen, nie wird das Arrangement zur spielfreudigen Virtuosität aufgebaut, was einigen Songs durchaus gut täte.

Es wird sich zeigen, in welcher Erfolgs- und Live-Club-Größe sich Rag’n’Bone Man nach Abklingen des Überhits „Human“ in Zukunft einpegeln wird. Insofern hat der Pop auch sein Gutes, liefert er doch einer Vielzahl an Leuten musikalisch Anspruchsvolles, die sonst auch mit weniger zufriedenzustellen sind.

Von Karsten Kriesel

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