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Kultur Zu schön, um wahr zu sein: Berliner Aktionskünstler in der Leipziger Galerie KUB
Nachrichten Kultur Zu schön, um wahr zu sein: Berliner Aktionskünstler in der Leipziger Galerie KUB
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19:00 29.08.2014
"Danke, Manuela!": Das Zentrum für Politische Schönheit stellt Bundesfamilienministerin Schwesig unter einen Heiligenschein. Quelle: Ruben Neugebauer
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Trotzdem wird es am Samstagabend nicht Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sein, die in der Galerie KUB für ein "Hilfsprogramm der Bundesregierung zur Aufnahme von 55 000 syrischen Kindern" wirbt. Sondern eine Gruppe namens "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) wird wohl erklären, wie sie mit ihrer Aktionskunst durchaus politische Ziele verfolgt. Die Initiative um den 33-jährigen Berliner Theatermacher Philipp Ruch gestaltet ihre Satire so nah an der Realität, dass man schon genau hinschauen muss.

Was im konkreten Fall bedeutet, sehr weit hinunter zu scrollen, an einem (falschen) Brief Schwesigs, (echten) Unicef-Daten, einem Werbefilm mit erwachsenen Schauspielern und Fotos von Kindern vorbei, die tatsächlich in Syrien Schwesig-Plakate hochhalten, bis doch erste Hinweise auftauchen, was hinter dem Ganzen steckt: Nachdem die Website im Mai veröffentlicht worden war, hallte ihre Chuzpe in einem beachtlichen Medienecho wider - das nun inmitten der Imitation die wirklichen Hintergründe dokumentiert.

Das ZPS selbst spricht von der "kritischen Reanimation eines Denkmals". Das Werk steht an einem Eingang des Bahnhofs Berlin-Friedrichstraße: eine Skulptur Frank Meislers, die an ein britisches Hilfsprogramm von 1938/39 erinnert, das 10 000 jüdische Kinder vor dem Holocaust rettete. Mehrere von ihnen unterstützen nun diese neue "schlüsselfertige Rettungsaktion", die im Wunschdenken der Macher im Idealfall wahr wird - wovon die Bundesregierung bislang ebenso absieht wie davon, rechtlich gegen den Etikettenschwindel vorzugehen.

"Amtsanmaßung" sei für sie "ein zentraler Begriff", erklären die Künstler. "Wir nehmen ein amtliches Maß an der Realität und zeigen die Verhältnisse, die Maßstäbe, in denen wir uns bewegen." Mit 55 000 würde die Bundesrepublik lediglich ein Prozent der 5,5 Millionen Kinder aufnehmen, die laut Unicef unter dem Krieg in Syrien leiden. Die deutsche Innenministerkonferenz hat sich bisher bereiterklärt, 20 000 syrische Flüchtlinge zu akzeptieren - aller Alterstufen.

Zentrum für Politische Schönheit, Samstag, 19 Uhr, Galerie KUB (Kantstraße 18)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2014

Mathias Wöbking

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