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Zwei meuchelnde Plaudertauschen: „Mörder-Halali“ im Neuen Schauspiel

Premiere Zwei meuchelnde Plaudertauschen: „Mörder-Halali“ im Neuen Schauspiel

Leichte Kost auf der Theaterbühne – auch mal schön. Die Kleine-Welt-Bühne Leipzig und das Unternehmen Bühne haben im Neuen Schauspiel am Mittwoch mit dem Theaterdoppel „Mörder-Halali“ Premiere gefeiert.

Frei Nach Shakespeare und Tarantino: Dietmar Voigt (links) und Marco Runge.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die bunten Popkultur-Seifenblasen des Hollywoodkinos, ach, immer wieder mal versuchen sich Theatermacher daran, sie wenigstens ein klein wenig nur aufsteigen zu lassen. Diese Posen in Coolness, diese klare Erzählhaltung und überhaupt diese ganze Ikonographie: einmal nur diese Schwerelosigkeit erwecken, die für den konservativeren Zeitgenossen zwar reine Seichtigkeit sein mag, aber von der unsere Kultur eben derart imprägniert ist, dass sich Wiedererkennungseffekte wunderbar automatisch herstellen lassen.

Etwa, wenn zwei eloquente Killer in schwarzen Anzügen und weißen Hemden ihren Auftritt haben. Muss man dazu noch was sagen? Wohl nicht. Schauen wir also gleich aufs Theater: „Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiction“ ist ein Dialogstück, frei nach Motiven von William Shakespeare und Quentin Tarantino, geschrieben von John von Düffel und jetzt von Tilo Esche mit Marco Runge und Dietmar Voigt als erster Teil eines Theaterabends mit dem hübschen Titel „Mörder-Halali“ auf die kleine Bühne des Neuen Schauspiels gebracht. Mittwoch war Premiere.

Die berühmte Mörderszene aus „Richard III.“, also jenem Stück, das ohnehin eine ganze Reihe an Momenten bereithält, die geradezu Modellcharakter für einschlägiges Genre-Kino haben, ist es, die von Düffel in seinem Text neu aufbereitet. Mit zwei meuchelnden Plaudertaschen auf dem Weg zur Arbeit, zwei Berufsmördern, die, das darf man bald feststellen, ihren Beruf allerdings eher verfehlt haben.

Wozu dann freilich passt, dass Runge/Voigt schon rein äußerlich eher wie kleinstädtische Bestattungsunternehmer denn großstädtische Profikiller anmuten. Und vorrangig gemütlich ist es dann, wie Esche die zwei nach von Düffels Text in Szene setzt. Wobei festzuhalten bleibt, dass auch dieser Text eher ein gemütlicher ist.

Heiterkeit des Harmlosen

Denn dieser klug querfeldein philosophierende Tonfall Shakespearscher Narren wie auch eine Charakterzeichnung und Situationskomik, die der dunkeln Tragikomik und Absurdität der anvisierten Vorbilder gerecht wird und die von Düffel anstrebte, gerät schon dem Autor wie jetzt auch Esche vornehmlich zum bloßen Imitat. Zur Heiterkeit des Harmlosen, gern geboten zwischen kabarettistisch und derbe volkstümlich.

Nix mit Seifenblasen, eher Seifenlauge also. Spieleinfälle und ein paar gute Pointen schließt das nicht aus. Das Stück, frei nach des einen Killers Satz „Da lob ich mir die Kleinkriminalität“, entpuppt sich als eine Angelegenheit der Kleinkunst. Nicht aufregend, aber reicht, um sich nicht zu langweilen.

Und setzt sich fort in der szenischen Lesung, die dann im zweiten Teil mit „Die Jäger – Kleines Halali“ geboten wird. Eigentlich ein Hörspiel von Christian Hussel, das davon handelt, „dass man den Abend nicht vor dem Tage prügeln soll“, und ebenfalls zwei Killer in Szene setzt. Allerdings richten die ihre Knarren (vorerst) nur auf Eichhörnchen. Sichert ihnen doch die Jagd nach diesen, in einer Zukunft die so ziemlich vor den Baum gefahren ist, das Überleben.

Eine groteske Verlierer-Ballade aus einer Welt, in der es nicht wirklich was zu gewinnen gibt. Im Beisein von Tilo Esche, der am Laptop gelegentlich illustrierende Sounds einspielt, lesen Runge und Voigt entspannt ihre Parts und vermögen es dabei in Tonfall und kleinen Gesten ihre Figuren treffend zu skizzieren. Alles reduziert, unaufgeregt und darin ganz amüsant.

„Mörder-Halali“, weitere Aufführungen am 10./11. November, 20 Uhr, in den Cammerspielen (Kochstraße 132) und am 23./24. November im Neuen Schauspiel (Lützner Straße 29)

Von Steffen Georgi

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