Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
euro-scene Leipzig startet mit der Interpretation eines Meilensteins

euro-scene Leipzig startet mit der Interpretation eines Meilensteins

Zeitzeugen sprachen von Pfiffen bei der Premiere im Théâtre des Champs-Élysées 1913, von Gelächter schon während der ersten Töne des Orchesters. Igor Strawinsky hatte Dissonanzen komponiert, ungewohnte rhythmische Strukturen geschaffen, schneidende Einsätze einzelner Instrumentengruppen arrangiert in seiner Musik für die Balletts Russes von Impresario Sergej Djadilew.

Voriger Artikel
Neues Puhdys-Album: Choräle, Glöckchen und Gitarren
Nächster Artikel
Neuer Rekord bei Dok-Filmfestival: 41.500 Zuschauer bei 56. Auflage in Leipzig

Georges Momboye bindet afrikanischen Tanz in seine Interpretation von "Le sacre du printemps" ein.

Quelle: Steve Appel

Nicht weniger überfordert waren Publikum und Kritiker von der Choreografie Vaslav Nijinskys, der in "Le sacre du printemps" nicht mehr frontal zum Publikum tanzen ließ. "Das war erstmals ein Auftritt ohne Spitzenschuhe und mit Relieftanz", sagt Ann-Elisabeth Wolff, die Direktorin der euro-scene.

Während sich Strawinskys moderne Komposition in den Konzertsälen bald durchsetzte, verschwand die Choreografie nach wenigen Aufführungen in Paris und London von der Bildfläche. Aufzeichnungen hatte es keine gegeben. In jahrelanger Kleinarbeit machten sich Millicent Hodson und Kenneth Archer an eine Rekonstruktion der Uraufführung über Augenzeugenberichte, Fotos und Original-Kostüme, brachten das Werk 1987 in London auf die Bühne. Wolff bezeichnet den Prozess der Wiederherstellung als "Krimi". Etwa 80 Prozent des Originals seien rekonstruiert worden.

Rund 300 Choreografen - darunter Pina Bausch und Sasha Waltz - haben sich mit eigenen Interpretationen an "Sacre du printemps" gewagt, das Stück über ein Jungfrauenopfer im heidnischen Russland, um den Frühlingsgott zu besänftigen. "Man hätte ein ganzes Festival damit gestalten können", sagt Wolff. Bei der diesjährigen euro-scene bildet es zumindest einen Schwerpunkt mit drei innovativen Choreografien zum Auftakt, zwei Filmen zum Thema und - am 9. und 10. November - mit der Tanzperformance "DeSacre!". Die Österreicherin Christine Gaigg zieht eine Parallele von "Le sacre du printemps", das wegen seiner Modernität zum Skandal wurde, zum Skandal, den die Frauenpunkband Pussy Riot 2012 mit ihrer Aktion in einer Moskauer Kathedrale heraufbeschwor. Gaigg versteht ihre Performance als kommentierende Auseinandersetzung mit Entweihung, Kunst und Blasphemie.

Heute teilen sich drei Regisseure den großen Saal im Schauspielhaus, die sich "Le sacre du printemps" stilistisch sehr unterschiedlich annähern. David Wampach aus Montpellier reduziert sein "Sacre" auf zwei ausdrucksstarke Tänzer und kommt ohne Musik aus. Den typische Rhythmus Strawinskys erzeugen die Tänzer über lautstarken Atem, über Stöhnen und Stampfen. Für Wampach ist dieses "Außer-Atem-geraten" der Kern des Werks.

In einem hochexpressives Solo schreibt der Finne Tero Saarinen Strawinskys Werk fort. "Hunt" ("Jagd") heißt das Stück, weil der Tänzer Jäger und Gejagter zugleich ist, er wird geopfert und opfert sich selbst.

Saarinen, der bekannteste Choreograf des Abends, verbindet Tanz, Multimediaeinsatz und Lichteffekte, darunter Stroboskoplicht. Der Künstler, der schon 1994 bei der euro-scene gastierte, tanzte lange am finnischen National-Ballett, ehe er die Compagnie verließ, um sich mit japanischem Tanz und Butoh weiterzuentwickeln. "Hunt" gehört zu seinen gefragtesten Stücken und war schon weltweit zu sehen.

Georges Momboye schließlich verwebt die westliche mit der afrikanischen Kultur. Er ist in der Elfenbeinküste geboren, lebt mittlerweile überwiegend in Frankreich und zählt zu den renommierten Vertretern des afrikanischen Tanzes. Mit seiner Compagnie schwört er mit zwölf Tänzern Assoziationen mit Natur und Riten herauf, thematisiert aber auch Unterdrückung und Kolonialherrschaft.

Eine Einordnung von "Le sacre du printemps" in den zeitlichen Kontext bietet morgen die Doku "1913 - Tanz auf dem Vulkan", die in 13 Kapiteln wichtige Persönlichkeiten und Themen des turbulenten Vorkriegsjahres 1913 vorstellt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2013
Dimo Rieß

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr