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Die Galerie Koenitz stellt neue Malerei von Robin Zöffzig und Sebastian Herzau vor, bei denen die Ironie-Falle zuschlägt. Ob Zöffzig von Giften bedroht wird oder Sebastia Herzau sein eigenes Haus in die Luft sprengt - der Spaß vergeht ihnen nicht.

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Die Ausstellung "Batman & Robin" der Künstler Sebastian Herzau und Robin Zöffig in der Galerie Koenitz am Dittrichring 16 in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Neben der persönlichen Zuneigung verbindet beide Künstler der Fakt, auf der Hallenser Burg Giebichenstei studiert zu haben.

Die beiden Kerle scheinen Spaß zu haben bei der Arbeit. Dass der eine sich zeitweise das Pseudonym Batman zulegt, wenn der andere mit realem Vornamen Robin heißt - weniger assoziationstauglich Zöffzig mit Nachnamen - ist ja noch ein ganz naheliegender Gag. Das Spiel wird dann aber konsequent weitergetrieben und verfeinert, speziell von Sebastian Herzau, dem anderen der zwei malenden Freunde.

"Batman beim Friseur", ein heikles Thema. Die unvermeidliche Ohrenkappe macht es dem weißhaarig-seriösen Haarschneider alter Schule nur möglich, an den Rändern zu schnippeln, während ein Herr mit Zeitung kritisch zuschaut, vermittelt über den Wandspiegel. "Batman in jungen Jahren" zeigt den Helden als dicklichen Knaben in der üblichen Uniformierung. Die eigenartige Unschärfe des Bildes wird durch den Zusatz "nach Richter" erklärt. So bekommt auch ein berühmter Kollege sein Fett weg. Ziemlich folgerichtig stellt sich Herzau auch selbst als Fledermaus dar. Die charakteristischen Zacken sind aber nur aus Packpapier ausgeschnitten und mit Klebeband am Kopf befestigt.

Dass der 1980 in Schönebeck Geborene auch noch den entstehenden Wohlstandsbauch vorstreckt, trägt zusätzlich zur Demontage des Heroismus à la Hollywood bei. Auf einem anderen Gemälde firmiert er zwar als Dr. Herzau, doch der klassische Augenspiegel ist nur eine ebenso provisorisch an die Stirn geklebte CD. Selbst bei anscheinend sachlichen Porträts anderer Personen schlägt die Ironie-Falle zu. So hängt der als Angela ausgewiesenen jungen Frau ein altmodischer Fliegenfänger über die Schulter.

Neben der persönlichen Zuneigung verbindet beide Künstler der Fakt, auf der Hallenser Burg Giebichenstein bei Ute Pleuger bis 2012 studiert zu haben. Das überrascht, ist doch Figuration, noch dazu mit solch hinterhältigem Grinsen versehen, gar nicht das Ding dieser Professorin.

Dass die aktuelle Gemeinschaftsausstellung von Herzau und Zöffzig recht einheitlich wirkt, hat vor allem in der ähnlichen Farbigkeit der Bilder seinen Grund. In der Malweise gibt es deutliche Unterschiede. Herzau hat eine ziemlich naturalistische Manier, die er aber durch absichtsvolle Ungenauigkeiten und Auslassungen durchbricht. Robin Zöffzig, 1984 in Magdeburg geboren und heute in Leipzig lebend, arbeitet flächiger, orientiert an Poster-Effekten der Popart. Der Humor ist bei ihm hintergründiger, aber ebenfalls nicht zu übersehen. Da gibt es zum einen karikierende Übertreibungen in Porträts wie dem der "Divine" mit ihren ausufernden Augenbrauen. Zum anderen sind es aber vor allem absurde Details und Konstellationen. "Zu Tisch bei Gas" nennt sich ein Bild. Ein Mensch im Schutzanzug mit Gasmaske sitzt im grellen Licht einer Pendelleuchte vor einem Brathähnchen und einem Glas Wein. Der Genuss dürfte ihm schwerfallen.

Hier wie auch auf anderen Gemälden setzt Zöffzig mit einer Brokatstoffen oder Klöppelspitzen entlehnten Ornamentik des Hintergrundes Kontraste, unterstützt durch die teilweise Verwendung von Lackfarben. Anspielungen auf historische Vorlagen von mittelalterlichen Heiligenbildern bis zu Manets' Pariser Bar stellen Denkaufgaben, laszive Erotik lenkt davon wieder ab.

Die Gasmaske kehrt mehrfach wieder. Im Bild "Der Schlüssel" scheint sie ein Mann in Umkehrung der Funktion dafür zu nutzen, ein bürgerliches Interieur mit zwei Damen und einer Büste vollzuqualmen. In anderen Arbeiten spielen ein Fön oder "Fuselmethyl" tragende Rollen der absurden Handlung. Doch egal, ob Robin Zöffzig von Giften bedroht wird oder Sebastian "Batman" Herzau sein eigenes Haus in die Luft sprengt, der Spaß vergeht ihnen nicht.

Bis 10. August, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr, Galerie Koenitz, Dittrichring 6

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2013

Jens Kassner

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