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"... und für Papa ein Hefeweizen": Manuel Andrack über seine neue Wander-Comedy

"... und für Papa ein Hefeweizen": Manuel Andrack über seine neue Wander-Comedy

Bekannt wurde Manuel Andrack (47) als Sidekick von Harald Schmidt. Inzwischen schreibt er Bücher und macht am 17. Oktober mit "Andracks kleiner Wandershow - Lachen Sie sich Blasen!" Rast im Leipziger Kabarett Sanftwut.

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Das Wandern ist des Andracks Lust.

Quelle: Karlheinz Schindler 

Frage: Ist das Wandern eine Art Wiederaneignung der Welt?

Manuel Andrack: Ja, eine gewisse Bindung an die Landschaft, die Umgebung - das es ist etwas, dass wie in diesen Hochgeschwindigkeits-Zeiten verloren haben. Wie sind ja normalerweise auf unseren Straßen und Schienen beziehungsweise im Virtuellen unterwegs. Und da setzt Wandern einen klaren Kontrapunkt.

Ihre letzte Tour?

Erst kürzlich war ich gar nicht so weit weg von Ihnen, in der Sächsischen Schweiz.

Viele verbinden Wandern mit "festem Schuhwerk". Braucht man das wirklich?

Nein, denn wir reden hier doch über deutsche Mittelgebirge, wenn's hoch kommt. Mittlerweile habe ich entdeckt, dass man wunderbar in Joggingschuhen wandern kann. Die sind perfekt eingelaufen, leicht, bequem und haben trotzdem eine profilierte Sohle.

Was ist am Wandern eigentlich so witzig, dass man damit eine ganze Show füllen kann?

Sie hätten mal in der Sächsischen Schweiz dabei sein sollen! Ich habe ja drei Wanderbücher geschrieben, bei den Lesungen natürlich die unterhaltsamen Seiten in der Vordergrund gestellt - und die Leute lachten. So ist die Idee entstanden ist, eine Art Wander-Comedy zu machen. Mit Eckard von Hirschhausen habe ich einen Regisseur, der Erfahrung damit hat, nicht-humoristische Themen wie Medizin ins Unterhaltende zu überführen.

Was für Wandertypen gibt es denn so?

Tourismusforscher unterscheiden zum Beispiel den Mittelschichtswanderer vom Top-Performer, der sehr viel Geld auf die Strecke bringt. Wandervereine differenzieren zwischen S- und L-Gruppen: Die einen gehen schnelle, schwere und steile Touren, die anderen gehen leicht, langsam und lustig. Und dann gibt es innerhalb einer Gruppe zum Beispiel den Flora und Fauna-Experten, den Technikfreak, der immer die neuesten Stöcke dabei hat, den Informanten, der weiß, wer den Beitrag nicht bezahlt hat, oder den Musikanten.

Sie sind erklärter Mittlgebirgs-Fan. Sind Mittelgebirge nicht der Inbegriff von Mittelmaß und Langweile.

Keineswegs. Zu allererst bin ich ein Fan davon, dass man in der näheren Umgebung wandert, und wenn man sich eine topographische Karte von Deutschland ansieht sind nun mal zwei Drittel des Landes Mittelgebirge. Und dann gibt es erhebliche Unterschiede: Die Schwäbische Alb ist mit der Sächsischen Schweiz, mit der Eifel oder dem Harz überhaupt nicht zu vergleichen. Natürlich, schneebedeckte Dreitausender bekommt man da nicht. Dafür aber tolle Wandererlebnisse. Mir hat bisher im Mittelgebirge nichts gefehlt.

Ihr Lieblingsgebirge?

Einmal die Eifel, weil sie sowohl vom Saarland als auch von Köln aus sehr nah liegt und sehr abwechslungsreich ist. Am beeindruckendsten in Deutschland finde ich aber die Sächsische Schweiz.

Sie waren aber auch mal weiter oben, hört man ...

Ja, vor zwei Jahren hat mich Geo-Spezial in die Watzmann-Ostwand geschickt.

Und, wie war's?

Ich habe es nicht mit Bravour gemeistert, sondern um Haaresbreite überlebt.

Wie überlebt es sich eigentlich im Mittelgebirge kulinarisch. Der Tisch in der Natur ist jetzt ja reichhaltig gedeckt ...

Ich stehe eher ja auf eine Wanderhütte mit Kesselgulasch und zwei großen Bier. Ich bin nicht so der Pilzesammler.

Lernt man sich beim Wandern gut kennen?

Auf jeden Fall. Wenn nach ein, zwei Stunden das normale Themenrepertoire abgearbeitet wird, ist man eher bei den klassischen "Gott und die Welt"-Themen, zu denen man bei einem normalen Treffen in der Kneipe nicht kommt. Es geht tiefer. Das Wandern, hat Mark Twain gesagt, löst die Zunge, bringt auf andere Gedanken. Mann kann natürlich auch mal 20 Minuten nebeneinander gehen und schweigen.

Und wie bekommt man stinkend faule Kinder in den Wald?

Das kommt in meinem Programm auch vor. Zunächst einmal gehe ich der Frage nach, warum so viele aus ihrer Kindheit ein Wandertrauma haben. Hätte es früher statt eines Veggie-Days einen Wander-Day geben müssen? Der Weg ist das Ziel. Wasser ist wichtig. Pause machen, Damm bauen. Tiere am Weg sind auch immer gut. Abwechslung. Mal ein Wald-Spielplatz und der Klassiker: ein Eis für die Kinder und für Papa ein Hefeweizen.

Wie ist das Wandern eigentlich aus der Pief-Ecke rausgekommen?

Die Leute haben ja nie aufgehört zu wandern. Es hatte nur ein furchtbares Image: Karohemd, Kniebundhose, Wanderlieder. Davon ist es weggekommen. Die Leute haben gemerkt, dass es tolle Wanderwege gibt, die inzwischen auch wieder gepflegt werden. Man kann Spaß haben im Wald, ohne sich mit einer Gruppe sonntagmorgens um sieben verabreden zu müssen.

Sind Sie immer gewandert?

Es gab die Pubertäts- und Spätpubertätspause von 15 bis 30, in der ich lieber Partys gefeiert habe, aber sonst bin ich gerne gewandert.

Sie sind bekannt geworden als Sidekick von Harald Schmidt. War er bei Ihnen mal Sidekick, wandermäßig?

Nein, wir haben damals zusammen gearbeitet, aber privat nichts miteinander unternommen.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Eigentlich nicht, ich bin auch nicht der Typ, der sich mit Karte und Kompass durchs Gelände schlägt. Ich würde mich an die Premium-Wanderwelten halten, darüber kann man sich im Internet inzwischen bestens informieren.

Interview: Jürgen Kleindienst

iAm 17. Oktober, 20 Uhr im Leipziger Kabarett Sanftwut; Karten für 22 Euro unter Tel. 0341 9612346

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2013

Jürgen Kleindienst

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