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Medien Abschied aus Leipzig: In ihrem letzten Tatort drehen Thomalla und Wuttke noch einmal auf
Nachrichten Medien Abschied aus Leipzig: In ihrem letzten Tatort drehen Thomalla und Wuttke noch einmal auf
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09:53 25.04.2015
Miese Stimmung: Die Hauptkommissare Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) giften sich beim Essen in der Polizeikantine an. Quelle: ARD
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Leipzig

Das ist nach all den Enttäuschungen seit Sommer 2007 so überraschend wie verblüffend und unverhofft. Wer hätte schon noch daran geglaubt, dass das passiert? Es ist passiert - mit Sascha Arango, der auch schon ein paar Borowski-Krimis geschrieben hat, und Claudia Garde, die bereits 2010 einen der wohl besten Borowski-Fälle ("Der vierte Mann") inszenierte.

Dabei ist die Geschichte dieses "Tatorts" auf den ersten Blick stinknormal: Eine Achtjährige ist verschwunden, die gläubige Mutter und der taube Vater nehmen es gelassen hin. Als Mitglieder einer Sekte vertrauen sie unverrückbar auf Gott. Ins Blickfeld rückt rasch Lehrer Prickel, von Heuschnupfen und Asthma geplagt, und seine Frau, die seltsam abwesend wirkt. Kommissar Keppler taucht bei den Prickels im komfortablen Haus auf, findet aber ein ganz normales Paar mit einer Frau vor, die gern und viel im Garten gräbt. Da explodiert das Haus der Prickels, wird die Fassade weggefetzt. Ein Teil Mensch hängt in einem Baum.

Keppler wie Richard III.

Das sieht ein bisschen makaber aus, passt aber zum Ton dieses "Tatorts", der so ganz anders ist als das bisherige "Karo einfach" aus Leipzig. Das beginnt schon mit der ersten Szene: Kepplers Wohnung steht unter Wasser, die Waschmaschine seiner Mutter ist ausgelaufen. "Was ist der Sinn des Lebens?", fragt er - und redet über Sinn und Unsinn, Glück und Unglück in die Kamera. Das macht er immer mal wieder, wendet sich also aus der Szene heraus an den Zuschauer. So, wie es Shakespeare einst seinen "Richard III." hat machen lassen - und wie es Francis Underwood in der US-Serie "House of Cards" zum Prinzip erhob.

Das ist die eine Art, den seit einiger Zeit kriselnden MDR-"Tatort" aus seiner Gewöhnlichkeit zu holen. Die andere ist die visuelle Fantasie. Die Kamera liebt geradezu Draufsichten, Drehungen, Flüge und rasante Fahrten, die einen leicht grotesken Akkord anschlagen, während auf der Tonspur jemand immer wieder doppelsinnig "Ich möcht so gern nach Hause geh'n" schmalzt und Keppler den Messias auf dem Dach einer Platte macht und seine Kollegin Saalfeld in eine unerwartete Eifersucht treibt. Der wohnungssuchende Keppler kommt nämlich, nachdem seine Ex-Ehefrau Saalfeld jeden Einzug abgelehnt hat, bei ihrer Nachbarin unter. Ab sofort schläft Saalfeld schlecht. Es kommen zu laute erotische Geräusche durch die dünnen Wände.

Borgen-Star spielt mit

Alles etwas überkandidelt, aber doch ausbalanciert - von Kepplers Muttervisionen bis zum Irrsinn bei den Prickels. Draußen ist heißer Sommer, und drinnen geht es hitzig zu. Das passt alles zusammen, auch wenn es aus den Arsenalen des klassischen Detektivkinos oder aus jenen Zeiten von David Lynch kommt, als der noch ernst zu nehmen war.

Auch die Besetzung ist ideal - mit der hinreißenden Susanne Wolff (Monika Prickel) und dem dänischen Lars-von-Trier-Star Jens Albinus ("Idioten", "Dancer in the Dark", "Borgen").

Ein Abschied also vom Leipziger Duo, den man so nicht erwartet hätte. Auch, weil Simone Thomalla nicht mit psychologischem Spielverlangen gequält wird, und Theaterstar Martin Wuttke mal der ruppige, einsame Wolf mit Albträumen ist, der er immer sein wollte. Blickt man zurück, blieben bisher allerdings von den mehr als 20 "Tatorten" des Gespanns lediglich drei im Gedächtnis: "Schwarzer Peter" (Familiendrama als Kammerspiel, 2009), "Schön ist anders" (soziales Schicksalsspiel, 2010), "Todesschütze" (Teenies überfallen eine Frau, 2012). Nun ist ein vierter dazugekommen. Der Abschied fällt ein bisschen schwerer.

Norbert Wehrstedt

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