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Medien Anne Will weist Witzfiguren in die Schranken
Nachrichten Medien Anne Will weist Witzfiguren in die Schranken
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06:23 03.04.2017
Rahmi Turan (v.l.), Boris Pistorius, Seyran Ates, Moderatorin Anne Will, Serdar Somuncu und Paul Ziemiak diskutierten am Sonntag über die Türkei. Quelle: NDR
Berlin

Das lag auch an der Besetzung: Im Studio in Berlin-Adlershof kamen zusammen: zwei Polit-Profis, zwei starke Frauen und zwei Witzfiguren.

Die Polit-Profis

Boris Pistorius, niedersächsischer Innenminister (SPD). Quelle: NDR

Martin Schulz geht ohne Schattenkabinett in den Wahlkampf. Hätte er eines, würde Boris Pistorius darin die Rolle des harten Hundes für innere Sicherheit einnehmen. Die spielte der nicht-Schatten-Innenminister der SPD bei Anne Will ziemlich gut. Souverän stellte er die Übergabe der türkischen Spitzel-Liste an den deutschen BND als Provokation hin, ohne dass sich jemand zu widersprechen traute. In deutlichen, aber ruhig vorgetragenen Worten warnte er vor einer Eskalation zwischen Erdogan-Anhängern und -Gegnern in Deutschland: „Wir haben eine extrem aufgeheizte Stimmung, die sich bisher nicht entladen hat. Ich kann nicht sagen, wie lange das gut geht.“ Und er wich keinen Deut von der SPD-Linie ab, verteidigte die doppelte Staatsbürgerschaft und forderte eine ehrliche, offene Einwanderungspolitik. Ein paar Mal streute er noch „Niedersachsen“ ein, um zu zeigen, dass er nicht nur ein Schattenmann ist.

Serdar Somuncu, Kabarettist Quelle: NDR

Der deutschtürkische Kabarettist Serdar Somuncu tritt im September für die Satirepartei „Die Partei“ zur Bundestagswahl an. Nach seinem Auftritt bei „Anne Will“ zu urteilen, will er auch ganz unironisch Teil des politbetriebs werden. Er verfügt über die Kernkompetenz für Politikerrrunden: laut reden und anderen ins Wort fallen. Aber er war auch der interessanteste Gast des Abends, mit klaren Ansichten und geschliffenen Formulierungen. Erdogan spalte die türkische Community in Deutschland und „macht seine Anhänger zu gefährlichen Waffen“, sagte er. „Er benutzt den Vorwurf,jemand sei ein Terrorist, so inflationär, dass man seine Politik auch als „Staatsterrorismus“ bezeichnen kann“. Deutlich lehnte er die doppelte Staatsbürgerschaft ab und forderte eine Integration, die von der Mehrheitsgesellschaft ausgehen müsse. „Wir müssen die hier lebenden menschen dazu einladen, Teil der deutschen Gesellschaft zu werden.“

Die starken Frauen

Seyran Ates, Rechtsanwältin Quelle: NDR

Die Rechtsanwältin Seyran Ates zeigte das ganze Dilemma der liberalen Deutschtürken auf, die gegen Erdogan und seine autoritären Pläne sprechen und dafür verbal aus der Community ausgeschlossen werden. „Ich werde jetzt bestimmt gerade wieder als Vaterlandsverräterin auf Facebook beschimpft, weil ich an dieser Sendung teilnehme. Mir und anderen wird vorgeworfen, wir machen die Türkei schlecht. Das tun wir nicht!“

Anne Will, Moderatorin. Quelle: NDR

Anne Will lieferte eine starke Sendung ab, weil sie auch viel laufen ließ -und die Witzfiguren in ihre Schranken wies.

Die Witzfiguren

Paul Ziemiak, Merkel-Fanboy. Quelle: NDR

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemak, hatte zur Sendung nichts Eigenständiges beizutragen, außer die Union und insbesondere seine Parteivorsitzende zu loben. Das war nicht immer falsch, besonders bei der Würdigung von Merkels Coolness gegenüber den andauernden Provokationen Erdogans in den vergangenen Wochen (“Faschisten, Faschisten!“). Von jemandem, der Politik-Profi sein will, war das aber definitiv zu wenig.

Rahmi Turan, Erdogan-Fanboy. Quelle: NDR

Der regierungsnahe türkische Auslandskorrespondent (“A Haber“) Rahm i Turan versuchte die Runde davon zu überzeugen, dass Spionage gegen Gülen-Anhänger in Deutschland okay sei und es Beweise gäbe, dass Gülen den Putsch gesteuert habe. Als ihm keiner zustimmte, wurde er still. Der gewiefte Taktiker Erdogan ist bisher daran gescheitert, gute Vertreter seiner Linie in deutsche Talkshows zu entsenden. Es dürfte ihm egal sein. Diejenigen, die er erreichen will, schauen nicht „Anne Will“.

Von RND/Jan Sternberg

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