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Medien „Grey’s Anatomy“ – Ärzteserie ohne Grenzen
Nachrichten Medien „Grey’s Anatomy“ – Ärzteserie ohne Grenzen
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17:21 04.07.2018
Serien-Urgestein bei „GA“: Die Ärztinnen Meredith Grey (Ellen Pompeo, l.) und Miranda Bailey (Chandra Wilson). Quelle: Foto: Pro7
Seattle

Eigentlich waren wir während der „Grey’s Anatomy“-Sendepause schon mehrfach reif für die dortige Notaufnahme. Nach dem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Südkorea natürlich, als die einen in Endlosschleife „Das gibt’s doch nicht!“ stammelten. Und die anderen sich in Verschwörungsfantasien verhedderten, der russische Geheimdienst habe Jogis Jungs womöglich Barbiturate ins Mineralwasser gerührt.

Eine schwere Stunde naht für die Fans von Dr. Bailey

Oder gerade jetzt wieder, wo man hilflos zuschauen muss, wie bayerische Politiker zu Gunsten des Mir-san-mir- Wahlkampfs mit dem Geschick der Republik zündeln. Es ist nicht mehr auszuhalten mit der Wirklichkeit - Zeit, dass wir uns wieder in unsere Lieblingsserien stürzen können.

Auch in „Grey’s Anatomy“. Endlos läuft dieses Krankenhausepos, erst kurz vor der WM war die 300. Episode bei Pro7 zu sehen. Am 18. Juli geht es weiter – mit einer Doppelfolge. Und an diesem Abend passiert, wovor sich die Fans seit Sichtung der ersten Trailer der 14. Staffel fürchten.

Die robuste Miranda Bailey (Chandra Wilson) geht zu Boden, auf dem Monitor ist ihre Herzlinie ein waagrechter Strich. Zu viel Stress, zudem die Entscheidung ihres Ehemannes Ben (Jason George), zum Seattle Fire Department zu wechseln. Der Anästhesist wird deshalb Feuerwehrmann, weil man ein bekanntes Gesicht brauchte, um die neue Spinoff-Serie „Station 19“ auf Kurs zu bringen. Die läuft ab 1. August unter dem Titel „Seattle Firefighters – Die jungen Helden“ - ebenfalls bei Pro7.

Dem Publikum ist bang: Wer schafft’s? Wer nicht?

Das Geheimnis des anhaltenden „GA“-Erfolgs ist ein kraftvoller Mix aus Zeitgeist, Liebesfreud und Patientenleid. In die Notaufnahme des Grey Sloan Memorial Hospital (ursprünglich das Seattle Grace) werden oft genug Fälle gerollt, die dem Zuschauer ein erschrockenes „Oh Gott!“ abpressen. In den Operationssälen wird Pionierarbeit gewagt, um noch die obskursten Tumore operieren zu können. Dem Publikum ist jedes Mal bang: Wer schafft’s? Wer nicht?

Denn niemand ist wirklich sicher vor der Showrunner-Sense, auch auf Ärzteseite wird immer wieder spektakulär gestorben. Der liebenswerte Jungarzt O’Malley (T. R. Knight) lief vor den Bus, der lustgesteuerte Dr. Sloan (Eric Dane) starb bei einem Flugzeugabsturz. Und dass Neurochirurg Derek „McDreamy“ Shepard (Patrick Dempsey), Ehemann der Heldin Meredith Grey (Ellen Pompeo), nach einem Autounfall sein Ende fand, nehmen die Fans der Serienschöpferin Shonda Rhimes bis heute übel.

Die Autoren von „GA“ bilden immer auch Gegenwart ab. In den anstehenden Folgen wird ein zwölfjähriger afroamerikanischer Junge eingeliefert, der von einem Polizisten angeschossen wurde, als er in sein Elternhaus einstieg – er hatte nur seinen Schlüssel vergessen. Und eine Chirurgenlegende stürzt das Krankenhaus nach seinem Ableben in einen #MeToo-Skandal.

Zu viele Quickies zwischen den Operationen

Was zu dem Bild passt, das die Serie in ihren Anfängen vermittelte: dass Mediziner nämlich der sexbesessenste und polygamste Berufsstand überhaupt sind. Wer zählt die Quickies, nennt die Namen? Alle naslang entledigten sich diese zügellosen Erben des Hippokrates in „GA“ zwischen den Operationen ihres Kittels für ein libidinöses Intermezzo im Ruheraum oder sonstwo. Die Beziehungen wechselten nervtötend häufig, und wem Eros, Romantik und Merediths oft binsenweise Weltbetrachtungen zuviel werden, der kann zu verwandten, härteren Serien wechseln.

In „Chicago Med“ (bislang zwei von drei Staffeln bei Vox) steht die Patientenversorgung deutlich vor dem Privaten. Der höchste Blut- und geringste Liebeszoll wird in „Code Black“ (Pro7) entrichtet. Im L. A. County Hospital versucht Dr. Lorish (Marcia Gay Harden) seit drei Staffeln den Überblick über eine Hardcore-Notaufnahme zu behalten, in der ein Auftrieb herrscht wie in einem Ameisenhaufen.

Die 15. Staffel von „GA“ ist bereits bestellt, somit werden die Docs am Grey Sloan 2019 den Krankenhausserienrekord von „Emergency Room“ (331 Folgen) brechen. Zwar ist man heute weit von den legendären 38.1 Millionen Zuschauern entfernt, die in den USA direkt nach dem Super Bowl 2006 jene Horrorfolge sahen, in der Christina Ricci eine Sanitäterin spielte, die ihre Hand an einem scharfen Geschoss im Leibesinneren eines Patienten hatte (sie gilt bei vielen als die spannendste „GA“-Episode überhaupt).

Freunde und Vertrautes machen ein Fernsehpublikum glücklich

Dennoch zieht „GA“ auch im 14. Jahr noch ein hohes einstelliges Millionenpublikum in Amerika und Deutschland. Hauptdarstellerin Pompeo hat angeblich schon für eine 16. Staffel unterschrieben. Ihre Figur Meredith brachte mit einem ihrer Kalendersprüche in Staffel 6 zugleich ihr Innerstes und die Ursache des dauerhaften Beistands der Serienfans auf den Punkt: „Freunde und Vertrautes machen glücklich.“

Für neue „GA“-Glücksucher: Alle 14 Staffeln stehen derzeit bei Amazon Prime Video streambereit.

Von Matthias Halbig / RND

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