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Medien Blut, Schweiß und Tränen im Gotthard-Tunnel
Nachrichten Medien Blut, Schweiß und Tränen im Gotthard-Tunnel
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07:37 19.12.2016
Ohne Gnade: Die Ordnungskräfte schlagen brutal einen Aufstand der Arbeiter nieder. Quelle: ZDF
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Hannover

Blut, Schweiß und ganz viel Tränen bestimmen den Zweiteiler „Gotthard“, den das ZDF am Dienstag und Mittwoch sendet. Thema ist natürlich der Bau des damals mit rund 15 Kilometer längsten Eisenbahntunnels der Welt, der in acht Jahren von 1872 bis 1880 fertiggestellt wurde – unter dramatischen Bedingungen: Der Bau, der sich als äußerst schwierig erwies, kostete zahlreiche Menschenleben. 199 Arbeiter starben während der Bauarbeiten. Sie wurden durch Fahrzeuge regelrecht zerquetscht, kamen durch Steinschlag oder Explosionen um. Oder sie wurden das Opfer einer geheimnisvollen Tunnelkrankheit, einer Seuche, die vermutlich durch die unhygienischen Arbeitsumstände hervorgerufen wurde. Zahlreiche weitere Männer starben erst später – an den Folgen von Krankheiten oder Verletzungen, die sie sich während des Baus zugezogen hatten.

All das beschreibt dieser Film, eine internationale Koproduktion, die Urs Egger mit prominenten TV-Darstellern und nach einem Drehbuch von Stefan Dähnert in Szene gesetzt hat. Wer ihn in einem Rutsch sieht, fühlt sich hinterher gerädert. Mit einer dramatischen Wucht und entsprechend aufgewühlter Musik kommt dieser opulente Zweiteiler daher. Die vielleicht einen Tick zu gut ausgeleuchteten Aufnahmen von den Arbeiten im Inneren des Berges wirken fast echt und wahrlich erdrückend. Auch die unvorstellbar schlechten Arbeitsbedingungen werden äußerst anschaulich gezeigt. Und selbst blutige Unfallszenen bleiben dem Zuschauer hier nicht erspart.

Termindruck und Finanznot

Dazu kommt der finanzielle Stress der Verantwortlichen, den Bau termingerecht zu beenden. Auch ein Grund, warum sie so gnadenlos jeden Protest der Arbeiter gegen die Arbeitsbedingungen ersticken – sogar mit Waffengewalt.

In Göschenen stoßen Tommaso (Pasquale Aleardi, l.), Max (Maxim Mehmet, M.) und Anna (Miriam Stein, r.) aufeinander und werden unzertrennliche Freunde. Quelle: ZDF

So weit, so dramatisch. Allerdings haben die Filmemacher dann doch nicht allein der Dramatik des Bauvorhabens vertraut, sondern nach altbewährter und ziemlich antiquierter Manier noch eine Liebesgeschichte hinzuerfunden. Eine höchst emotionale Dreiecksbeziehung zwischen dem jungen deutschen Ingenieur Max Bühl (Maxim Mehmet), der Schweizer Fuhrmannstochter Anna Tresch (Miriam Stein) und dem italienischen Minenarbeiter Tommaso (Pasquale Aleardi).

Begeisterung für den Bau eines Jahrhundertprojektes

An ihrem Beispiel wird nun die Geschichte dieses Projekts drei Stunden lang erzählt. Sie treiben also die Handlung voran. Sie werden durch ihre Begeisterung über den Bau dieses Jahrhundertprojektes und durch die harte Arbeit regelrecht zusammengeschweißt und dann durch die Irrungen der Liebe wieder getrennt. So stehen sich die beiden Männer, die einst Freunde waren, schließlich als Kontrahenten gegenüber.

Die Hochzeit von Anna (Miriam Stein, l.) und Tommaso (Pasquale Aleardi, r.) wird im ganzen Dorf gefeiert. Quelle: ZDF

Aus dem Drama wird so leider ein konventionell inszeniertes Melodram, das bisweilen auch noch klischeehaft daherkommt. Zwar werden dabei jede Menge Tränen, womöglich auch beim Zuschauer, produziert, doch die historische Aufklärung über dieses Projekt gerät dabei aus dem Blick.

Dabei machen die drei Hauptdarsteller ihre Sache eigentlich ganz gut, aber das dramaturgische Korsett lässt ihnen kaum Spielraum. Der Auftrag zur emotionalen Unterhaltung scheint auch bei diesem Film oberstes Gebot gewesen zu sein.

Ziemlich oberflächlich wirken die meisten anderen Figuren, über die man gern mehr gewusst hätte. Allen voran der Chef der zuständigen Schweizer Baugesellschaft Louis Favre (Carlos Leal), der tragischerweise kurz vor dem Tunnel-Durchbruch plötzlich starb und über den der Film nur spärliche Informationen liefert. So lässt der Zweiteiler beispielsweise offen, ob er nun eine visionäre oder bloß eine geschäftstüchtige Figur gewesen ist.

Bildgewaltige vorweihnachtliche Fernsehunterhaltung

Noch blasser erscheinen die Kapitalgeber um Alfred Escher (Pierre Siegenthaler), deren Motive völlig im Dunkeln bleiben. Und ein echter Ausfall ist Anne Schinz, die die hübsche Nichte von Favre spielt und deren Darstellung schmerzhaft an eine billige Seifenopernmamsell erinnert. Natürlich gibt es auch ein paar echte Schurken, doch die sind als billige Bösewichte kaum der Rede wert, bis auf (vielleicht) Roeland Wiesnekker, der routiniert einen provinziellen autoritären Polizeioffizier spielt.

Kurzum: Alles in allem liefert dieser Film bildgewaltige vorweihnachtliche Fernsehunterhaltung – mit viel Dramatik und leider viel zu viel Herzschmerz.

Von RND/Ernst Corinth

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