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Medien „Charlie Hebdo“ startet deutsche Ausgabe
Nachrichten Medien „Charlie Hebdo“ startet deutsche Ausgabe
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17:16 23.11.2016
Weil einige Ausgaben der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, wie die zu den Panama-Papers, sich sehr gut in Deutschland verkauften, starten die Macher nun eine deutsche Ausgabe. Quelle: dpa
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Paris

„Charlie Hebdo“ wird es nun auch auf Deutsch geben. Die erste Ausgabe soll am 1. Dezember mit einer Startauflage von 200.000 Exemplaren in den Handel kommen, bestätigte eine „Charlie Hebdo“-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch.

Wie viele deutsche Exemplare von „Charlie Hebdo“ später gedruckt werden, ist noch nicht entschieden. Für die wöchentlich erscheinende deutsche Version – Kaufpreis vier Euro – werden vor allem Texte und Karikaturen des französischen Originals übersetzt. Vorgesehen sind aber auch eigens für die deutsche Ausgabe angefertigte Inhalte. „Charlie Hebdo“-Chef Riss war kürzlich für eine Reportagereise in Deutschland unterwegs.

Deutsche Ausgabe ist erster Ableger im Ausland

Schon seit Monaten bereitet ein kleines Team aus Journalisten und Übersetzern das Projekt vor. Ein Redaktionsbüro in Deutschland ist nicht geplant. Die für ihren bissigen Humor bekannte Satirezeitung wird versuchen, sich in Deutschland neben Satiremagazinen wie „Titanic“ und „Eulenspiegel“ zu etablieren.

Es ist das erste Mal, dass „Charlie Hebdo“ einen Ableger im Ausland gründet. Die Wahl fiel auf Deutschland, weil die Zeitungsmacher dort ein besonderes Interesse an ihrer Arbeit sehen. Die Karikaturisten hätten bei Besuchen in Deutschland einen „Appetit“ auf ihre Zeitung gespürt, sagte die „Charlie Hebdo“-Sprecherin.

„Charlie Hebdo“ bekannt für Provokationen

So verkaufte sich die eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf ihre Redaktion veröffentlichte sogenannte „Ausgabe der Überlebenden“ in Deutschland 70.000 Mal. Üblicherweise findet die Satirezeitung in Deutschland im französischen Original wöchentlich rund tausend Käufer.

„Charlie Hebdo“ ist in der französischen Medienlandschaft eine Institution und bekannt für seine provokanten, häufig derben Karikaturen. Die 1970 gegründete Satirezeitung kommentiert das politische und gesellschaftliche Geschehen im In- und Ausland und nimmt Politiker, Prominente und Religionen aufs Korn. Mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zog sich „Charlie Hebdo“ immer wieder die Wut von Muslimen zu.

Zu tragischer Berühmtheit gelangte die Zeitung durch den islamistischen Anschlag auf ihre Redaktion am 7. Januar 2015. Zwei Islamisten stürmten die Büros der Zeitung in Paris während einer Redaktionskonferenz und erschossen zwölf Menschen, darunter acht Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“.

Symbol für Pressefreiheit

Der Anschlag löste weltweit Entsetzen aus, die Satirezeitung wurde zu einem Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit. Es folgte eine beispiellose Welle der Solidarität mit der Satirezeitung, der Spruch „Je suis Charlie“ - „Ich bin Charlie“ - ging um die Welt.

Heute arbeitet die Redaktion in streng bewachten Redaktionsräumen an einem geheimgehaltenen Ort. Die bekanntesten Mitarbeiter der Zeitung stehen unter Polizeischutz. Mit seinen Karikaturen sorgt „Charlie Hebdo“ immer wieder für Erheiterung oder Empörung.

So stieß eine sarkastische Titelseite zu den sogenannten „Panama Papers“ auch ein Deutschland auf ein sehr positives Echo: Auf der Karikatur solidarisieren sich reiche Steuerhinterziehung mit „Ich bin Panama“-Schildern mit der Steueroase. Scharfe Kritik gab es dagegen nach dem Erdbeben im italienischen Amatrice im August: In einer Karikatur wurden Erdbebenopfer als italienische Nudelgerichte dargestellt.

Von RND/afp

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