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Medien Neue Folgen von „Professor T.“
Nachrichten Medien Neue Folgen von „Professor T.“
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19:11 03.05.2018
Befördert auf einen besseren Sendeplatz: Professor T. (Matthias Matschke), links im Bild, mangelt es an Sozialkompetenz. Quelle: ZDF
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Mainz

Das Zweite traut sich was: Im Vergleich zu den gewohnten Sympathieträgern auf dem Seriensendeplatz freitags um 20.15 Uhr zeichnet sich der Kriminalpsychologe Jasper Thalheim neben seiner analytischen Brillanz vor allem durch fehlende Sozialkompetenz aus. Für „Professor T.“, die deutsche Adaption einer gleichnamigen belgischen Serie, ist der Wechsel auf den Freitag eine echte Beförderung.

Die vier Folgen der ersten Staffel liefen 2017 noch sonnabends um 21.45 Uhr, erreichten aber immerhin im Schnitt 4,77 Millionen Zuschauer. Trotzdem ist es durchaus mutig vom ZDF, den Professor in die Fußstapfen legendärer Vorgänger treten zu lassen; der Freitag im ZDF ist dank „Der Kommissar“, „Derrick“ oder „Der Alte“ gemeinsam mit dem „Tatort“ der etablierteste Krimiplatz im deutschen Fernsehen. Eine größere Diskrepanz als die zwischen den Vaterfiguren aus den Klassikern und dem von Matthias Matschke maskenhaft starr verkörperten Wissenschaftler ist kaum denkbar. Der Schauspieler verzieht buchstäblich keine Miene.

Wenn eine Ärztin ihn überschwänglich als Koryphäe lobt, reagiert Thalheim bloß mit einem kaum erkennbaren Zucken des unteren Augenlids. Matschkes Körpersprache unterstreicht die Verkapselung des Kriminalisten in seiner eigenen Welt noch: Wenn Thalheim nicht in Aktion ist, scheint er in katatonische Starre zu verfallen. Ähnlich sparsam ist die Ausstattung: Die Räumlichkeiten sind geradezu spartanisch eingerichtet. Die meisten Innenaufnahmen haben einen Stich ins bläuliche Schwarz; auf diese Weise scheint die Kühle der Hauptfigur auch die Bilder zu prägen.

Auch beim Kostüm gibt es kaum auffällige Farben, weshalb in diesem strengen ästhetischen Konzept das rote Kleid in den eingebildeten Zwiegesprächen zwischen Thalheim und seiner verstorbenen Geliebten umso knalliger wirkt. Zum Glück haben die Verantwortlichen nicht den Fehler begangen, einen Gegenentwurf zu Thalheim zu kreieren: Die Mitarbeiter der Kölner Kriminalpolizei, die den Professor bei besonders kniffligen Fällen um Unterstützung bitten, sind weitgehend normal. Aus dem Rahmen fällt allein der unsympathische Hauptkommissar, den Paul Faßnacht als kantigen Typen verkörpert.

Ähnlich wichtig wie die Hauptfigur ist die wichtigste Personalie hinter der Kamera: Thomas Jahn hat zuletzt unter anderem für Sat.1 die Krimikomödie „Einstein“ (2015) sowie die erste Staffel der anschließenden Serie gedreht. Auch dort lässt sich die Polizei durch einen hochintelligenten Wissenschaftler unterstützen. Die Gegensätze zwischen den beiden Titelrollen könnten allerdings kaum größer sein. Im Rahmen der ersten Staffel wurde Thalheim, an dessen Weiterentwicklung gegenüber der belgischen Vorlage Matschke maßgeblich beteiligt war, mit Monk verglichen, dem neurotischen Privatdetektiv aus der gleichnamigen US-Serie (2002 bis 2009). Aber neben dem scheinbar gefühlskalten Professor wirkt Monk mit seinen Marotten geradezu menschlich.

Das vergrößert den Kontrast zu „Einstein“ noch: Der autistisch wirkende Thalheim verabscheut es, berührt zu werden, trägt zum Schutz vor Keimen ständig blaue Hygienehandschuhe und macht nicht mehr Worte als nötig; der von Tom Beck hyperaktiv verkörperte Physiker ist dagegen ein Frauenheld. Für Jahn, der seit einigen Jahren gern auch die Bildgestaltung übernimmt und bei der zweiten „Professor T.“-Staffel zudem als Autor mitgewirkt hat, war der Kontrast garantiert reizvoll, zumal die Kameraarbeit die unterschiedliche Gemütslage der Hauptfiguren widerspiegelt: Bei „Einstein“ war sie ausgesprochen agil, in der ZDF-Serie begnügt sie sich mit der ruhigen Beobachtung des Geschehens, weshalb eine Verfolgungsjagd in der Auftaktfolge fast wie ein Fremdkörper wirkt. Eine weitere Parallele zwischen „Professor T.“ und „Einstein“ sind die Herausforderungen: Wenn die Polizei schon ein Genie um Hilfe bittet, müssen sich die Fälle deutlich vom handelsüblichen Krimimord unterscheiden; ein Umstand, an dem die zweite (und ohne Jahn entstandene) „Einstein“-Staffel deutlich krankte.

Das ist bei der ZDF-Serie zum Glück anders. Die Geschichte der ersten von vier neuen Folgen würde vermutlich auch als Neunzigminüter funktionieren. Ähnlich wie zu Beginn der ersten Staffel scheint die Spur bei einem Doppelmord in die Vergangenheit zu führen: Ein Staatsanwalt und seine Frau sind auf exakt die gleiche Weise umgebracht worden wie 15 Jahre zuvor ein anderes Ehepaar. Der Mörder von damals befindet sich jedoch in einer geschlossenen Anstalt. Da die im Stil eines Ritualmordes ausgeführte Tat Details enthält, von denen allein die Ermittler und der verurteilte Täter (Jophi Ries) wissen konnten, scheint es nur eine Möglichkeit zu geben: Der Mann, der stets seine Unschuld beteuert hat, ist offenbar das Opfer eines Justizirrtums geworden. Weil das Autorentrio (neben Jahn noch Christoph Mathieu und Sebastian Heeg) die Zuschauer erfolgreich auf eine falsche Fährte lockt, ist die Lösung des Rätsels schließlich umso verblüffender.

Von Tilmann P. Gangloff

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