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Medien Darum ist das „Dschungelcamp“ so erfolgreich
Nachrichten Medien Darum ist das „Dschungelcamp“ so erfolgreich
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21:02 06.12.2016
Der Zuschauer fühlt sich überlegen: Die „Dschungelcamp“-Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow mit Vorjahressieger Menderes Bagci (Mitte). Quelle: RTL
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Hannover

Die Behauptung, das Beste an diesem Buch sei der Titel, wäre nicht fair. Aber er ist tatsächlich ziemlich clever: Matthias Herz befasst sich in „Privat-Fernsehen“ mit dem Reality-TV, jener Programmspielart im sogenannten Privatfernsehen, die davon lebt, vermeintlich authentische Einblicke ins wahre Leben der Protagonisten zu geben.

Realität wird im Reality-TV vorgegaukelt

Das Spektrum ist dabei derart breit, dass man Formate wie „Big Brother“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Berlin – Tag & Nacht“ kaum noch nach gleichen Definitionskriterien erfassen kann. Genau das versucht Herz (Universität Passau) in seiner Arbeit. Auch wenn im Grunde schon alles zu diesem Thema geschrieben worden ist: Seine Ausführungen sind eine nützliche Zusammenfassung des derzeitigen Stands der Forschung und somit die perfekte Einstiegslektüre, wenn man sich intensiv mit dem „Realitätsfernsehen“ beschäftigen will.

Die Rekapitulation der bisherigen Entwicklung bietet einen guten Überblick; allerdings ist derlei auch die Pflicht eines solchen Buches. Die Kür hingegen lässt manche Wünsche offen. Herz setzt sich zwar detailliert mit typischen Formaten wie „Big Brother“, „Der Bachelor“ oder „Die Super Nanny“ auseinander, erzielt dabei jedoch nur einen geringen Mehrwert. Für Leser, die sich nicht gerade zum ersten Mal intensiv mit dem Genre befassen, ist der Erkenntnisgewinn daher überschaubar.

Dass der Wissenschaftler seine Hypothese, der Erfolg des Reality-TV basiere auf dem „Versprechen der Darstellung von Privatheit“, belegen kann, ist nicht überraschend, die Behauptung ist alles andere als bahnbrechend.

Die auf dem Buchumschlag gestellten und durchaus interessanten Fragen, inwiefern inszenierte Realität die gesellschaftliche Realität zumindest mitbestimmen könne und „wie die Fernsehrealität zur Realität ihrer Zuschauer steht“, spielen im Buch seltsamerweise nur eine allenfalls untergeordnete Rolle.

Die „Enthierarchisierung“ der Stars

Dabei wäre es doch ziemlich spannend, einen etwaigen Zusammenhang z

finde eine „Enthierarchisierung“ der „Stars“ statt, kann man geteilter Meinung sein; das Format lebt doch geradezu davon, dass sich die Zuschauer den Teilnehmern von Anfang an überlegen fühlen.

Welchen Nutzen das Publikum aber nun tatsächlich aus den Formaten zieht, vertieft er ebenso wenig wie die ökonomischen Produktionshintergründe. Aus Sicht von Sendern und Produzenten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesen Billigformaten traumhaft, weshalb das Genre dem Fernsehen auch noch länger erhalten bleiben wird. Auch darüber lässt sich Herz nicht weiter aus.

Weitere Forschungen nötig

Wie so oft in solchen Arbeiten wirft er die spannendsten Fragen erst in der abschließenden Zusammenfassung auf, verbunden mit dem unbefriedigenden Hinweis, für entsprechende Antworten seien weitere Forschungen nötig.


„Das Privat-Fernsehen. Reality TV als Trägerkonzept medienvermittelter Privatheit im deutschen Fernsehen“.

Von RND/Tilmann P. Gangloff

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