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Nachrichten Medien Darum lohnt sich der „Tatort“ aus Berlin
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16:43 11.12.2016
Szene aus dem „Tatort: Dunkelfeld“: Hauptkommissarin Nina Rubin (Meret Becker) an der Stelle, wo sie damals die Kugel fand, die den Kollegen Maihack tötete. Quelle: ARD
Berlin

Inmitten aller anderen abtauchen und im Großstadtleben unbehelligt treiben können – das sind Versprechen, die Berlin nach draußen sendet. Das gehört zum Sog der Stadt. Sich selbst verlieren geht auch an hellen Sommertagen, es müssen nicht berauschte Nächte sein. Das zeigt der „Tatort: Dunkelfeld“ des RBB und wirft dabei viel Licht in diese vierte Folge der Kommissare Karow und Rubin.

Der Film von Drehbuchautor Stefan Kolditz und Regisseur Christian von Castelberg erzählt konsequent die Vorgeschichte aus und klärt den Tod von Robert Karows altem Partner Gregor Maihack auf. Wie gut, dass sich der „Tatort“ trotz einer neuen Leiche ganz auf die Lösung alter Fragen konzentriert und keinen neuen Plot eröffnet.

Nina Rubin in Sorge um ihren Kollegen

Erinnernde Rückblenden holen alles Nötige ins Bild, was manch ein Zuschauer seit März 2015 vergessen oder nicht gesehen hat. Damals lief der erste Rubin-Karow-Fall. Der RBB hat alle bisherigen Folgen in dieser Woche wiederholt, noch ein paar Tage hat sie die Mediathek auf Vorrat.

Viel Spiel bekommt im Berlin-„Tatort“ Nummer vier die Ausgestaltung der zwei Hauptfiguren der Ermittler. Da schauen etwa die blauen Augen unter dem struppigen Pony von Nina Rubin (Meret Becker) oft sehnsuchtsvoll ins Weite. Sie ist in Sorge um ihren Kollegen, zugleich mit dem Herz aber bei ihrem Mann und den zwei Söhnen, von denen einer Bar Mizwa feiert.

Noch immer fehlt ein Handyvideo, das Maihacks wahren Mörder zeigt. Der Kronzeuge wird während einer Überfahrt erschossen und stirbt vor seiner Aussage neben Robert Karow (Mark Waschke). Gregor Maihacks Witwe Christine (Ursina Lardi) scheint entführt zu werden, und kurz darauf ist Karow, der mit ihr eine Affäre hatte, selbst verschwunden.

Robert Karow wird brutal gefoltert

Das alles lässt den Kommissar mehrfach verzweifeln, was herrlich anzusehen ist. Die Kamera ist ihm ganz nah, doch richtig greifbar wird er nicht. „Wir kommen nicht ins Nirwana, Berger, für Leute wie uns hat der Buddhismus Samsara vorgesehen – beständiges Wandern“, sagt Karow noch dem Kronzeugen. Und Berger benennt Karows Grundsatz: etwas richtig Mieses tun für etwas Gutes.

Christine Maihack sagt über ihn: „Das Problem mit euch Zynikern: Im Grunde seid ihr alle Romantiker.“ Im Knast hingegen erzählt man, dass dem Ermittler etwas Selbstmörderisches anhaftet. Robert Karow selbst erzählt gern in Exkursen, doziert zu Exoten, zu Bildtheorie, Symbiosen und zu Religion. „Vielleicht will ich es noch ein bisschen hinziehen“, sind seine Worte, als er brutal gefoltert wird.

Zitate zur Erkenntnis von der Züchtigung des Herrn begleiten diese Szene. Denn die Bar Mizwa von Nina Rubins jüngstem Sohn Kaleb wird eingeblendet. Sie, die nachts gern feiern geht, verpasst das Ritual fast ganz, hört nicht, wie ihm der Rabbi sagt: „Du hast viel gelernt, sei nicht so schnell erwachsen.“

Wenn man Glück hat, wartet jemand zu Hause

Die Zeremonie durchzieht den ganzen Film, in dem es wie bei der Feier um Verantwortung geht: Verantwortung übernehmen, tragen und abgeben, Verantwortung für sich und andere. Es fallen Sätze wie: „Alle sind verdorben, es gibt keinen mehr, der Gutes tut.“ Es ist ein Schlüsselsatz für Rubins Frauenfigur, denn sie steht dem Urteil stark entgegen in diesem Großraum, der niemals fertig ist und voller Baustellen und Chaos.

Aufopfernd ermittelt sie für Karow, der keine Gläubiger auf seiner Seite hat und sterben soll. Rubin ist es allein, die das Prinzip der Partnerschaft erfüllt. Auf Kosten der Familie, dafür im Rausch, den ihre Arbeit mit sich bringt. Das ist für sie die Kunst bei allem Schweifen: es trotzdem schaffen, vorm Absturz noch irgendwie nach Haus zu kommen. Dahin, wo statt Party Ruhe ist. Und wenn man großes Glück hat, ist dort jemand, der einen in die Arme nimmt und liebend lächelt

Von Michaela Grimm/RND

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