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17:40 22.09.2016
Erklärt die Umbenennung: Willi Steul (l), Intendant vom Deutschlandradio. Quelle: dpa
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Berlin

Als hätte es dieses Beweises bedurft, wird Willi Steul am Ausgang des Restaurants von einem Bekannten begrüßt und der am Tisch sitzenden Dame als „der Intendant der Deutschen Welle“ vorgestellt. Es stimmt also, worüber sich Steul beim Essen zuvor beklagt hatte und weshalb er sich mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland treffen wollte. Allzu oft wird Deutschlandradio, dessen Intendant Steul ist, verwechselt: wie gerade eben mit dem steuerfinanzierten Auslandssender Deutsche Welle; dann wieder reden Menschen vom Deutschlandfunk, meinen aber tatsächlich Deutschlandradio Kultur. Das soll sich ändern.

Deutschlandradio Kultur wird daher umbenannt in „Deutschlandfunk Kultur – ein Programm von Deutschlandradio“, das zur selben Senderfamilie gehörende D-Radio Wissen heißt dann „Deutschlandfunk Nova – ein Programm von Deutschlandradio“. Nur beim Deutschlandfunk selbst bleibt alles beim Alten.

Die Last der steigenden Kosten

Schon bei seinem Antritt als Intendant im April 2009 sei der Legitimationsdruck des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unter der Last steigender Kosten spürbar gewesen, erzählt Steul. Daher habe er es als unumgänglich erachtet, die Programmprofile der drei Wellen klar voneinander zu unterscheiden: „Nur so konnte uns gelingen, den Wert jeder der drei Wellen herauszustellen und ihre Existenzberechtigung zu begründen“.

Der Prozess interner Umstrukturierungen und Programmreformen war teilweise schmerzhaft. Er endet – die Form folgt der Funktion – mit der angekündigten Umbenennung. Deutschlandfunk, sagt Steul, stünde nun klar erkennbar für Nachrichten und tiefgründige Analyse und sei die stärkste Marke; Deutschlandradio Kultur, demnächst Deutschlandfunk Kultur, trage den Auftrag bereits im Namen; und das im Januar 2010 gestartete, ausschließlich digital verbreitete D-Radio Wissen, demnächst Deutschlandfunk Nova, sei die junge Welle mit dem Fokus auf Wissensvermittlung. Steul spricht von Flottenstrategie und Markenarchitektur.

Umbenennung kostet 1,2 Millionen Euro

Bis zur tatsächlichen Umbenennung im Sommer 2017 wird einige Zeit vergehen. Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro entstehen. Das Geld stammt aus dem Kommunikationsetat, um während der Phase der Umbenennung für die drei Programme verstärkt zu werben. Die Logos und die Farben – Blau für Deutschlandfunk, Orange für Deutschlandfunk Kultur, Grün für Deutschlandfunk Nova – werden nicht angetastet.

Der Name Deutschlandradio bleibt künftig dem Veranstalter vorbehalten, der weiterhin so heißt. Auch Steul nennt sich unverändert Intendant des Deutschlandradios. Er ist sich bewusst, dass manchen Mitarbeitern und Hörern des bisherigen Deutschlandradios Kultur der Abschied von dem identitätsstiftenden Namen schwer fällt – zumal bei seiner Historie. Die Ursprünge liegen im legendären RIAS, dem Rundfunk im amerikanischen Sektor, der in Zeiten des geteilten Deutschlands für Berlin und die DDR als „freie Stimme in der freien Welt“ sendete und 1994 mit dem Kölner Deutschlandfunk und dem Ostberliner Deutschlandsender Kultur zum nationalen, von allen Ländern, der ARD und dem ZDF getragenen Hörfunk vereint wurde.

Deutschlandfunk soll Absender bleiben

Steul argumentiert: „Im modernen Medienzeitalter geht es darum, unsere Programme auf allen Kanälen, ob analog oder digital, über Spotify, Facebook oder auf Youtube zu verbreiten. Da ist die eindeutige Wiedererkennbarkeit des Absenders wichtiger denn je“. Mehrere Namen würden verwirren, der Absender müsse daher Deutschlandfunk sein, egal, welche Sendung welcher Welle der Hörer wo auch immer hört. Damit einher gehen Investitionen ins sogenannte Visual Radio.

Auch Hörfunk wird zunehmend mobil genutzt und setzt auf Bewegtbild, denn das erwarten die Nutzer heutzutage. Daher werden die Studios beim Deutschlandradio demnächst mit Videokameras ausgestattet, um die Livestreams der Sendungen mit Bewegtbild, also als Visual Radio, auszustrahlen. Einen möglichen Abnehmer, insbesondere für die Videoaufnahmen der Interviews im Morgenprogramm, gibt es auch schon: die Deutsche Welle.

Programme orientieren sich am Menschen mit höherer Bildung

Doch auch künftig gehe es nicht darum, mit Gewalt junge, neue Hörer zu gewinnen, sagt der Intendant. Wichtiger sei, dass sich die drei Wellen in ihrer Qualität von allem unterscheiden, was es sonst auf dem Markt gibt. „Unsere Programme orientieren sich nicht am Alter unserer Hörer, sondern daran, Menschen mit höherer Bildung, höherem Interesse an Politik, Gesellschaft und Kultur zu erreichen“.

Mit den Programmreformen vor zwei Jahren sieht sich Steul auf dem richtigen Kurs. Die Kulturwelle wird inzwischen täglich von 552.000 Menschen gehört, was einem Sprung um zehn Prozent nach oben entspricht und laut Steul nicht zu Lasten des komplementär aufgestellten Deutschlandfunks gegangen sei. Ihn schalten täglich 1,6 Millionen Hörer ein. Gemeinsam erreichen die drei Wellen des Deutschlandradios somit einen erheblichen Anteil im von Steul mit sechs Millionen Hörern bezifferten Markt gehobener Radioprogramme. Darunter versteht er die Info- und Kulturwellen insbesondere der ARD. Aus Steuls Sicht belegt dieser Marktanteil eine gesellschaftliche Relevanz, mit der sich der Intendant jedenfalls gut gewappnet fühlt für die laufende Debatte um die Legitimation öffentlich-rechtlich finanzierten Rundfunks.

Von Ulrike Simon

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