Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Medien Der „Tatort“ macht Pause – besser so
Nachrichten Medien Der „Tatort“ macht Pause – besser so
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 28.05.2018
Das Tatort-Saisonfinale am kommenden Sonntag: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) stehen vor dem Eingangstor zum „Freiland“-Gelände. Quelle: Foto: ARD
Berlin

Sportkrimi statt Mördersuche: Der „Tatort“ macht Platz für König Fußball. Wegen der in zwei Wochen beginnenden Weltmeisterschaft in Russland geht der ARD-Krimiklassiker dieses Jahr besonders früh in die Sommerpause. Schon am kommenden Sonntag läuft die letzte neue „Tatort“-Folge. Eine Woche später, am 10. Juni, ist mit der Folge „In Flammen“ noch ein neuer „Polizeiruf 110“ mit Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner zu sehen – dann beginnt die lange Saure-Gurken-Zeit: Frühestens Mitte August kommen die „Tatort“-Ermittler aus den Ferien zurück. Der genaue Termin ist noch offen.

Lohnt sich das Saisonfinale, die Folge „Tatort: Freies Land“ mit Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec? Die Antwort lautet ja, auch wenn es kein spektakulärer Krimi ist: In einer Münchner Wohnung wird ein Toter gefunden, der Mann war kurz zuvor bei den sogenannten Freiländern ausgestiegen – eine der Reichsbürgerbewegung zuzurechnende Gruppe, die sektenartig auf dem Land lebt und die Bundesrepublik nicht als souveränen Rechtsstaat anerkennt. Die Kommissare Batic und Leitmayr quartieren sich im Dorfgasthof ein und bekommen es mit Radikalen, Aussteigern und skurrilen Landpolizisten zu tun.

Experimente sollen reduziert werden

Es ist ihr 78. Fall. Und es ist das konventionelle Ende einer durchwachsenen Saison, in der die Experimentierlust vieler „Tatort“-Regisseure das größte Aufregerthema war. In mehreren Folgen wich die Dramaturgie von der klassischen Tätersuche ab, etwa im irritierenden Spuk-Krimi „Fürchte dich“ aus Frankfurt oder in „Waldlust“, dem zweiten Pfälzer Improvisationskrimi. Das passte vielen Zuschauern und Entscheidern bei der ARD nicht: Im Oktober wurde beschlossen, dass es künftig nur noch zwei solcher „grenzüberschreitenden“ Produktionen pro Jahr geben soll.

Hat der „Tatort“ trotz weiter hoher Quoten seinen kreativen Zenit überschritten? Schadet die Krimischwemme gar der eigenen Marke? 35 neue „Tatorte“ und acht „Polizeirufe 110“ wurden allein 2017 produziert. 43 frische Krimis in nur zwölf Monaten? Zu viel des Guten? Im Schnitt haben im Jahr 8,91 Millionen Menschen jede Erstausstrahlung der „Tatort“-Krimis gesehen. Die Durchschnittsquote war damit 2017 so tief wie seit sechs Jahren nicht mehr. Es ist eine Fernseh-Monokultur.

Die „Tatort“-Quoten fahren Achterbahn

Immer wieder kommt Kritik auf, die Fälle ähnelten sich zu stark. Das hat Folgen: Die „Tatort“-Quoten fuhren zuletzt Achterbahn – freilich auf hohem Niveau: Neben dem Team aus Münster, das am vergangenen Sonntag mit 12 Millionen Zuschauern keinen neuen Rekord, aber einen starken Wert holte, übersprangen mehrere Krimis die Marke von zehn Millionen Zuschauern. Andere wie Devid Striesow als demnächst scheidender Saarbrücker Kommissar Jens Stellbrink scheiterten an der Acht-Millionen-Grenze.

Es war auch eine Saison der Abschiede: Andreas Hoppe löste nach vielen Jahren seinen letzten Fall als Ludwigshafener Kommissar Mario Kopper an der Seite von Ulrike Folkerts, und Alwara Höfels nahm als Ermittlerin in Dresden den Hut.

Nur Til Schweiger darf im Sommer ran

Ein einziges Mal unterbricht die ARD ihre Sommerpause: Am 8. Juli zeigt sie die TV-Premiere des an der Kinokasse heftig gefloppten Til-Schweiger-„Tatorts“ mit dem Titel „Tschiller – Off Duty“. Der sommerliche Sendeplatz zeugt vom Bemühen der ARD, das Kapitel mit geringstmöglicher Aufmerksamkeit abzuschließen. Immerhin: Bei der Fußball-WM ist an diesem Tag spielfrei.

Zum Auftakt Mitte bis Ende August könnte die Folge „Her mit der Marie“ mit Harald Krassnitzer als Wiener Inspektor Moritz Eisner laufen. Im Herbst steht dann der MDR-Fall „Die robuste Roswita“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner aus Weimar an. Mimi Fiedler ist im Herbst zum letzten Mal im Stuttgarter „Tatort“ zu sehen, Devid Striesow löst im Winter seinen letzten Fall – und Maria Furtwängler bekommt als Kommissarin Charlotte Lindholm einen neuen Liebhaber.

Ein Höhepunkt der kommenden Saison dürfte der neue Fall für Ulrich Tukur als Felix Murot werden. Der Kommissar wird bei einem Bankraub erschossen, erwacht dann aber schweißgebadet in seinem Bett und erlebt den Tag wie im Kinoklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer wieder von neuem. So ähnlich fühlt sich manch treuer „Tatort“-Zuschauer an jedem verdammten Sonntag.

Von Cornelia Wystrichowski und Imre Grimm/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er konnte einem leid tun: Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium des Innern. Anne Wills Talk-Runde zum Bremer Bamf-Skandal trieb dem CSU-Mann den Angstschweiß auf die Oberlippe. Eine TV-Kritik.

28.05.2018

Für die meisten Zuschauer war sie bloß ein Pinguin. Aber die geflügelte Frackträgerin Sandy aus dem jüngsten Münsteraner „Tatort“ hat schon eine richtige TV-Karriere hinter sich.

28.05.2018

Im neuen Münster-„Tatort“ wird nicht nur gemordet, es verschwinden auch Tiere. Die chronische Ironie von Boerne und Thiel stößt hier an Grenzen.

27.05.2018