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Nachrichten Medien Die „Akte“ bekommt ein neues Gesicht
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07:05 04.11.2016
„Akte“-Moderator Ulrich Meyer im Jahr 1995. Quelle: dpa
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Berlin

Anfang der neunziger Jahre drückten Bildschirmfiguren wie Barbara Eligmann, Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder oder Hans Meiser dem noch jungen Privatfernsehen ihren Stempel auf. Zu der Avantgarde der mutigen und ehrgeizigen neuen Generation von TV-Parvenus gehörte auch der Kölner Ulrich Meyer. Mit seinem Abgang vom Sat.1-Magazin „Akte“, das er seit 1995 mehr als 1000 Mal moderierte, geht eine Ära im deutschen Privat-TV zu Ende.

Meyer, draufgängerisch, redegewandt und mit direktem Blick der Kamera verhaftet, eroberte ab Januar 1989 die Herzen derjenigen Zuschauer, die mal eine bunte Abwechslung zu den wohlbekannten Riten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens suchten. Meyer präsentierte auf RTLplus den konfliktreichen Talk „Explosiv – Der heiße Stuhl“. Unter anderem saß auf ihm Filmemacher Rosa von Praunheim, der 1991 die TV-Größen Hape Kerkeling und Alfred Biolek als homosexuell outete.

Meyer sorgt für Medien-Knall

Für einen Medien-Knall sorgte Meyers Wechsel von RTL zum Erzrivalen Sat.1 im Jahr 1992, wo er mit „Einspruch!“ ein ähnliches Format wie zuvor auf RTL startete - für Kritiker gehörte der Jungjournalist damals ganz klar zu Erfindern des neuen „Krawall-Talks“, der als laut und effekthascherisch, aber wenig ergebnisreich kritisiert wurde. Der geschäftstüchtige Meyer beließ es aber nicht bei der Diskussionsshow, er entwickelte Mitte der neunziger Jahre mit der „Akte“ ein verbraucheraffines Magazin, das manches Mal Gesprächsthema wurde.

Noch heute erinnert sich Meyer gern an Rauschgiftfunde im Bundestag, aufgedeckt von seiner „Akte“. Der Fernsehmann, der in zweiter Ehe mit der Journalistin Georgia Tornow verheiratet ist, nennt dieses Ereignis den „spektakulärsten Erfolg“. Dafür erntete er die „Empörung des Ältestenrates“ und ein Hausverbot „in allen Liegenschaften des Deutschen Bundestages, das wir vor Gericht aber abschmettern konnten“, wie er sich erinnert. Als wirklich nützlich erwies sich sein Magazin aber besonders, wenn er Internetbetrügern oder unverschämt teuren Schlüsseldiensten auf die Schliche kam.

„Bin raus aus allen Zielgruppen des Privatfernsehens“

Jetzt verabschiedet sich Meyer, nicht weil er seine Sendung angesichts starker Konkurrenz, auch aus dem Netz, für überholt halten würde, sondern aus persönlichen Motiven. „Ich werde Weihnachten 61 Jahre alt und bin damit raus aus allen Zielgruppen des Privatfernsehens“, sagte Meyer.

„Das soll man auch als Moderator ernstnehmen. Ich bin überzeugt, dass ein neues Gesicht der Sendung gut tun wird.“ Fast jeden Dienstag habe er live im Studio gestanden, auch als Produzent werde er abtreten. „So toll ein Dauerläufer-Format für einen Produzenten ist – irgendwann muss man raus aus dem Hamsterrad.“

Sat.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger sagte, Meyer sei dem Sender über 20 Jahre lang „ein verlässlicher Anker für journalistische Expertise, gelungenes Infotainment und dem richtigen Riecher für gute Geschichten“ gewesen. „Es gibt wenige Kollegen, die sich dieses Standing über Jahrzehnte bewahren können und dabei auch noch einem Sender treu bleiben. Mit Claus Strunz haben wir einen Nachfolger gefunden, der ebenfalls schon seit vielen Jahren eng an der Seite von Sat.1 steht.“ Er sei sich sicher, dass er als Moderator das Magazin in eine spannende Zukunft führen werde.

Meyer bleibt Sat.1 erhalten

Strunz ist kein Unbekannter im Privat-TV. Der 50-Jährige moderierte vor allem auf N24 Talkshows. Als Geschäftsführer der Firma Maz&More TV-Produktion ist er unterem für das Sat.1 Frühstücksfernsehen verantwortlich. Meyer selbst, der einst die „Akte“-Produktionsfirma Meta Productions gründete und heute noch zehn Prozent daran hält, will zwar für die verschiedenen Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe - zum Beispiel für die „ServiceAkte“ auf Sat.1 Gold - tätig bleiben, „aber eben nicht mehr jede Woche live und erst recht nicht mehr dienstags: Der Abend gehört künftig meiner Frau und unseren Freunden.“

Von RND/dpa

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