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Medien Erdöl vor Saßnitz: Zuschauer nach ARD-Doku irritiert
Nachrichten Medien Erdöl vor Saßnitz: Zuschauer nach ARD-Doku irritiert
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14:31 22.10.2015
Merle Weber als Reporterin in der ARD-Mockumentary „Öl – Die Wahrheit über den Untergang der DDR“.  Quelle: HR/Niki Stein
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Leipzig

 Die Story klingt abenteuerlich. Es geht um Erdöl, Geheimdienste und die DDR. Vor Saßnitz auf der Insel Rügen befindet sich ein gigantisches Ölfeld. Bis heute ist der Bodenschatz nicht gehoben. Die DDR hätte bei einer Förderung fortbestehen können. Stattdessen wurden „17 Millionen Bürger um ihren Wohlstand betrogen“. So beschreibt es eine Dokumentation am Mittwochabend in der ARD. „Öl – Die Wahrheit über den Untergang der DDR“.

Im Mittelpunkt steht die Reporterin Merle Weber. Sie trifft den Informanten Haiko R. Weber behauptet: „Seine Geschichte ist wahr“. Die Verwicklungen werden später immer verworrener. R. outet sich als Spion den Bundesnachrichtendienstes, angeworben von einer Interflug-Stewardess. Ein Potsdamer DDR-Wissenschaftler soll über eine schwedische Firma bis heute versuchen, an das Erdöl zu kommen. Garniert wird die Dokumentation mit Zeitzeugen – Fischern aus Saßnitz und einem Veteranenstammtisch der DDR-Fangflotte.

Verantwortlich für den Streifen zeichnet der Autor und Regisseur Niki Stein, der auch schon mehrere Tatorte, „Rommel“ oder die Komödie „Elternabend“ drehte. Was nicht sofort sichtbar wird: Stein hat mit seiner Öl-Story ein Mockumentary vorgelegt. Dabei handelt es sich um Fiktionen im Stile von Dokumentationen. Dieses Genre hat eine lange Vergangenheit. Orsons Wells Radiosendung „Krieg der Welten“ von 1938 wird ebenso dazu gezählt wie „Borat“, ein Film über einen kasachischen Reporter in den USA.

Reaktionen auf Facebook

Reporterin Weber wird von Katharina Hackhausen, bekannt aus der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ dargestellt, den Haiko R. gibt der gebürtige Rostocker Jörg Pose, der zuletzt in der Kurzserie „Blochin“ zu sehen war. Stein schafft eine Illusion, bei der der Zuschauer sich fragt: Stimmt das jetzt wirklich? Etwa, wenn ein Mann aus Saßnitz sich an einen Ölbohrturm vor dem Hafen Mukran erinnert und wie selbstverständlich über Probeförderungen in den späten 1980er Jahren berichtet. Oder, wenn der ehemalige ARD-Korrespondent Horst Hano in Ostberlin sich noch einmal zum Fall der Mauer äußert.

Haiko arbeitet auf einem Forschungsschiff der DDR, offiziell um Fischschwärme zu erforschen. Doch einige an Bord suchen...

Gepostet von Das Erste am Mittwoch, 21. Oktober 2015

Nicht alle Zuschauer fanden das witzig. Auf der Facebookseite von „DasErste“ kommentierte Bernhard Mayr: „Hab mich von der ARD gerade ganz schön verarschen lassen! Hab erst später in den Film gezippt und hielt es bis zu den letzten 3 Minuten für eine sensationelle Dokumentation!“ Ein anderer Nutzer ergänzte: „Volksverarsche, wenn nicht darauf hingewisen wird, dass es ein SPIELfilm ist! Aber schon die vielen wie nachgestellt wirkenden Szenen und vor allem der Hauptdarsteller machten das Ganze Werk unglaubhaft.“

Christian Bender, Sprecher des für die Produktion zuständigen Hessischen Rundfunks, sieht die Kritik gelassen. „Bis heute Morgen hat unsere Zuschauerredaktion gerade vier E-Mails dazu erhalten. Darin ging es auch nur um Detailfragen“, sagte Bender gegenüber LVZ.de. Dass es sich um eine Fiktion handelte, werde auch durch die Darstellerin der Merle Weber deutlich. „Sie ist schließlich bekannt“, so Bender. Im Film muss Reporterin Weber am Ende untertauchen. „Heute wünschte ich, dass ich diese Fahrt nie angetreten hätte“, sagt sie über ihr Treffen mit Haiko R.

Von Matthias Roth

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