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Medien „Game of Thrones“ – Krone zu vergeben
Nachrichten Medien „Game of Thrones“ – Krone zu vergeben
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09:05 26.08.2017
Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) bricht mit ihren Drachen wie eine Urgewalt über die Sieben Königreiche von Westeros herein. Wird sie den Eisernen Thron besteigen?  Quelle: Foto: Sky
Hannover

 Achtung! Warnung! Dieser Text enthält Spoiler. Keine Sorge, Ihnen purzeln jetzt keine Autoteile aus der Zeitung, aber sie könnten einiges erfahren, was sie als überzeugter Fan der Serie „Game of Thrones“ eigentlich schon wissen müssten. Dinge nämlich, die bis zur vorigen Montag auf Sky gesendeten sechsten und vorletzten Folge der siebten Staffel passiert sind. Wenn sie also noch bei der Aufholjagd sind und gerade erst durch die dritte oder vierte DVD-Box irren, sollten Sie vielleicht besser auf diese Lektüre verzichten. Außer sie gehören zu denen, die von viel Vorwissen erst recht heiß gemacht werden auf die zugehörigen Bilder. Wenn „Game of Thrones“ indes gar nicht zu Ihrem Popkulturkontinent zählt, verstehen Sie vom Folgenden wahrscheinlich nur Bahnhof (oder Drachenlandeplatz).

Bleibt der schaurig-schartige Eiserne Thron heil?

Die Frage, die sich am Ende der siebten Staffel dieser wohl bombastischsten TV-Show aller Zeiten stellt, ist: Wer gelangt in der nächsten und letzten Staffel auf den Eisernen Thron, wer wird 2018 (oder vielleicht auch erst 2019, die Serienschöpfer halten sich das offen) Herrscher oder Herrscherin der Sieben Königreiche von Westeros?

Wird das schartig-schaurige Metallgestühl, das einst von Drachenfeuer aus Schwertern geformt wurde, überhaupt überleben? Eine Vision der Thronanwärterin Daenerys aus der dritten Staffel zeigte einen verwüsteten Thronsaal im Roten Bergfried der Hauptstadt Königsmund. Deutete das an, dass die Zeiten der Dynastien vorbei sind? Kommt eine Wahlkönigschaft? Oder gar eine Demokratie? Oder sagten diese Traumbilder nur, dass der silberblonden Daenerys der Thron verwehrt bleiben würde. Der Prophezeiung einer Hexe zufolge kann sie keine Kinder bekommen und könnte entsprechend auch nicht ihr Herrscherhaus neu begründen.

Sie war lange unsere Favoritin, diese bildhübsche letzte Nachkommin der Jahrhunderte regierenden, dann unsanft gestürzten Targaryens. Vom eigenen Bruder Viserys verkauft, von Barbaren geschunden und geschändet, brütete Daenerys drei Dracheneier aus, erwies sich dabei als einziger feuerfester Mensch auf Erden und sammelte mithilfe dieses Wunders und ihrer wirkmächtigen Echsen ein stolzes Heer hinter sich. Eine Gerechte, bis sie schließlich einen ihr loyalen Mann für eine ihr gewidmete Untat hinrichten ließ.

Die Khaleesi und Jon Schnee haben moralisch Federn gelassen

Da war die moralische Unschuld verloren, aus der zarten Khaleesi wurde in der Folge eine ziemlich Harte. Als sie vor zwei Wochen dann noch zwei standfest alten Treueschwüren verpflichtete Ritter der Gegenseite durch die Flamme ihres größten Drachen, des schwarzen Drogon, zu Asche verbrennen ließ, zweifelten wir an ihrer Befähigung, die von ihr stets versprochene „bessere Welt“ zu erschaffen. Und jetzt hat sie auch noch eins ihrer prachtvollen Untiere an die Armee des Nachtkönigs (lauter lebende Tote) verloren. Einer unserer beiden langjährigen Lieblinge ist also doch nicht unbesiegbar.

Der andere Favorit ist Jon Schnee, von dem wir seit der fünften Staffel wissen, dass er kein Bastard ist wie immer behauptet wurde, sondern das Kind gleich zweier Adelshäuser: Sein Vater ist Daenerys‘ viel älterer Bruder Rhaegar, seine Mutter aus dem Geschlecht der Starks, der „Wächter des Nordens“. Auch Schnee ist nicht mehr ohne Sünde, seit er den Knaben Olli, der an einem Attentat gegen ihn beteiligt war, mit der übrigen, erwachsenen Meuchelbande aufhängte. Außerdem ist der schöne Jon, der Daenerys vorigen Montag als Königin anerkannte und dieser seiner Tante sehnende Blicke zuwarf, eher einer von dem romantischen Schlag, die am Ende von Geschichten immer in den Sonnenuntergang reiten. Da jetzt jahrelanger Winter herrscht, wird er wohl in ein Schneegestöber reiten, gen Winterfell, der Familienburg seiner Mutter im Norden.

Ein stiller, würdiger Edelmann: Der Zwiebelritter Ser Davos

Kaum noch einen Lord oder eine Lady ohne Fehl und Tadel gibt es in diesem Moralspiel, der würdig wäre, am Ende die Krone des Fortschritts zu tragen. Die derzeit (jedenfalls bis zum Ende der vorigen Folge) herrschende, zügellos grausame Königin Cersei wird vielleicht schon heute (28. August) sterben, am tragischönsten wäre ein Ende durch ihren sie seit ihrer Thronbesteigung am Ende der sechsten Staffel immer skeptischer betrachtenden Zwillingsbruder und Liebhaber Jaime. Beider beredter, zwergwüchsiger Bruder Tyrion ist als „Hand“ (erster Berater eines Herrschers, in diesem Fall von Daenerys) perfekt besetzt, wäre als König eines inklusionsfeindlichen mittelalterlichen Volkes indes stets in seiner Existenz gefährdet. Der einzige Befähigte, dessen Tugendhaftigkeit über wirklich jeden Zweifel erhaben ist: Ser Davos Seewert.

Ser wer? Der „Zwiebelritter“, in jungen Jahren ein Schmuggler und Blockadebrecher, später rechte Hand des gescheiterten Thronprätendenten Stannis Baratheon, ist eigentlich eine Nebenfigur. Ein braver, würdevoller Mann, bescheiden, lieb und großmütig, der stets unbestechlich seinem Herrn die Meinung sagte und zuletzt an der Seite Jon Schnees für die Verbannung der mörderischen Priesterin Melisandre sorgte. Er hat einen untrüglichen Moralkompass und eine unbedingte Volksnähe. Eine letzte Szene, in der Ser Davos sich schwer seufzend auf den Thron setzt, um fürderhin ein gutes Reich zu formen, wäre eine Überraschung (die „GoT“-Macher haben früher Überraschungen in Serie geschaltet) und doch keine Enttäuschung. Dass er wichtig ist im Spiel der Throne, lässt sich aus George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“-Büchern ablesen. Davos ist eine der wenigen Figuren, nach denen ein ganzer Erzählstrang benannt ist.

Anstand schützt in Westeros nicht vor Tod

Wenn am Montagabend bei Sky oder Tags darauf bei Amazon Prime die letzte Folge der Staffel zu sehen ist, kann all das hier Geschriebene und Durchspoilerte natürlich hinfällig sein. Den Serienschöpfern könnte es gefallen haben, Ser Davos für immer unter die Zwiebeln zu schicken. Anstand schützt in Westeros vor Tod nicht, das wissen wir seit dem unglücklichen Ende des ehrenwerten Lord Eddard „Ned“ Stark in der ersten Staffel der Serie. Außerdem hält Autor Martin nun schon seit zwei Staffeln neue Buchvorlagen zurück, was den Leuten vom TV-Anbieter HBO in die Hände spielt. Nicht, dass die sich zuvor sklavisch an die Vorgaben der Romane gehalten hätten. Auf den Schock des dritten (in Deutschland sechsten) Bandes, als auf der letzten Seite Ned Starks zuvor ermordete Gattin Caitlyn als Halbzombie von den Toten zurückkehrte, wartet das Fernsehpublikum bis heut

Von Matthias Halbig / RND

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