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Gekaufte Klicks: Wenn Roboter beim Wahlkampf helfen

Facebook, Twitter und Co. Gekaufte Klicks: Wenn Roboter beim Wahlkampf helfen

Mit Roboterprogrammen, sogenannten Social Bots, lässt sich im Internet gezielt Stimmung machen. Mehr noch: Es kann eine Wirklichkeit vorgetäuscht werden, die der öffentlichen Meinung in keinster Weise entspricht.

Bei der US-Wahl sollen sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton sogenannte Social Bots verwendet haben.

Quelle: dpa

Leipzig. Seit gut einer Woche steht fest: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Nun beginnt der Milliardär damit, seinem politischen Programm als Staatsoberhaupt Kontur zu verleihen. Allerdings haben womöglich nicht nur seine Anhänger den Wahlkampf zu seinen Gunsten entscheiden, sondern auch Maschinen. Das legt eine Sendung der Doku-Reihe ZDFzoom nahe, die einen Tag nach der Wahl veröffentlicht wurde.

Danach nutzte sowohl Trump als auch Hillary Clinton sogenannte Social Bots, um im Wahlkampf eigene Mitteilungen im Internet zu verbreiten. Das sind Werkzeuge, mit denen sich in sozialen Netzwerken täuschend echte Botschaften automatisch veröffentlichen lassen. Sie sind so programmiert, dass sie in kürzester Zeit zum Beispiel Links verschicken oder eigene Beiträge schreiben.

Laut ZDFzoom sei jeder vierte Twitter-Nutzer, der Trumps Tweets weitergegeben hat, ein automatisierter Account gewesen. Der Milliardär kann in dem sozialen Netzwerk inzwischen über 14 Millionen Follower hinter sich vereinen. Unter den Twitter-Anhängern von Clinton sollen sich 3,5 Millionen Fakes befunden haben. Ihr Profil zählt derzeit immerhin rund elf Millionen Follower. US-Forschern zufolge seien die beiden Gegenspieler auch bei Facebook von Computerprogrammen unterstützt worden.

„Es gibt Kunden, die kaufen alles“

Mit Hilfe von Social Bots kann die öffentliche Meinung künstlich beeinflusst werden. Sie agieren wie echte Menschen und sind deshalb nur schwer als Automaten erkennbar. Neben ihnen existieren noch sogenannte Trolle. Das sind wiederum echte Menschen, die tendenziöse Kommentare und Hassbotschaften verbreiten und dafür laut Reportage häufig auch bezahlt werden.

Die ZDF-Reporter Benedikt Walter und Torsten Berg waren bei einem Unternehmen aus Hamburg zu Gast, das sich auf das Geschäft mit den Roboterprogrammen spezialisiert hat. Die Aussagen von Inhaber Maik Satzer zeigen, dass mit Geld im Netz anscheinend vieles manipulierbar ist: „Du kannst Kommentare kaufen. Du kannst Kommentare nach Wunschtext kaufen. Du kannst Likes auf deine Fotos kaufen. Du kannst Klicks auf deine Videos kaufen. Und es gibt Kunden, die kaufen auch alles.“ Die Preisspanne für Kommentare etwa liege zwischen 0,16 und 2,04 Euro. Satzer zufolge nehmen selbst politische Parteien seine Dienste in Anspruch. Welche das sind, hat er jedoch nicht verraten.

Nutzt die AfD Social Bots?

Die ZDF-Reporter fragten bei den etablierten Parteien nach, wie sie zum Thema Social Bots stehen. Das Ergebnis: Die Linke, SPD, CDU, CSU, Bündnis 90 / Die Grünen und FDP lehnen einen Einsatz kategorisch ab. Nur die AfD war zu einer Antwort nicht bereit. Ende Oktober hatte allerdings der „Der Spiegel“ vermeldet, dass die Partei im Bundestagswahlkampf 2017 tatsächlich Meinungsroboter verwenden wolle. Erst danach ging sie auf ihrer Website auf Abstand zu diesem Vorhaben.

Dass derzeit offenbar doch Social Bots im Umfeld der AfD aktiv sind, hat eine umfassende Analyse der Flüchtlingsdebatte im Internet gezeigt. „Bei Facebook haben wir zwei Accounts identifizieren können“, sagt Simon Hegelich von der Hochschule für Politik München. Der eine Account sei sehr aktiv darin, Kommentare auf Pegida- und AfD-Seiten zu hinterlassen, und der andere, alle möglichen Inhalte auf Pegida-Seiten zu liken. „Und das Interessante daran ist, dass zum Beispiel dieser Like-Account mehr als 30.000 Likes in diesem ganzen Netzwerk schon hinterlassen hat“, so Hegelich.

Der Wissenschaftler hat die Untersuchung im Auftrag von ZDFzoom vorgenommen. Grundlage seien 30 Millionen Facebook-Aktivitäten und fünf Millionen Twitter-Nachrichten aus den Jahren 2010 bis 2016 gewesen. Bei anderen Parteien habe Hegelich keine auffälligen Manipulationen im Netz erkannt.

mkl

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