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Medien „Gilmore Girls“: Lohnt sich das Einschalten?
Nachrichten Medien „Gilmore Girls“: Lohnt sich das Einschalten?
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08:46 25.11.2016
Lorelai (Lauren Graham) und Rory Gilmore (Alexis Bledel) sind die „Gilmore Girls“.  Quelle: dpa
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 Es ist einer der Sätze, den Fans wie ein Schlüsselwort nennen, wenn sie sich als Kenner der Serie zu erkennen geben. Und säße man im Kino und nicht vor dem Fernseher, würde es wahrscheinlich Szenenapplaus geben. „I smell snow – es riecht nach Schnee“, sagt Lorelai Gilmore (Lauren Graham) gleich in einer der ersten Szenen. Es schneit – und dann sind eigentlich alle wieder da: Caféhausbetreiber Luke, Lorelais Tochter Rory, Nerd Kirk oder Ballettschulbesitzerin Mrs. Patty.

Sieben Jahre nach dem Ende der siebten und zunächst letzten Staffel hat der US-Streamingdienst Netflix mit der Fortsetzung der US-Serie „Gilmore Girls“ um die alleinerziehende Mutter Lorelai und ihre heranwachsende Tochter Rory einen Coup gelandet: Die Miniserie aus vier neuen, 90-minütigen Folgen, die unter dem Titel „A Year in the Life“ ab Freitag erstmals zu sehen ist, wird weltweit als Fernsehereignis gefeiert. Millionen Fans haben die Fortsetzung offenbar ersehnt wie ein kaum noch für möglich gehaltenes Wiedersehen mit guten, alten Freunden.

Stars Hollow leuchtet im winterlichen Lichterglanz

Der Hype ist mit dem Kult um „Sex and the City“, „Friends“ oder „How I Met Your Mother“ vergleichbar, Jubel, Herzklopfen und Freudentränen bei Vorabpremieren inklusive. Da ist es keine Überraschung, dass Onlineeinrichtungshäuser zum Start Möbel im Vintage-Industrial-Stil anbieten, wie sie auch in Lukes Café stehen, und das Reclam-Heft „Gilmore Girls – 100 Seiten“ auf der „Spiegel“-Bestsellerliste landet.

Aber kann man nach fast zehn Jahren Bildschirmpause wieder dort ansetzen, wo man aufgehört hat? Der Versuch zumindest ist – anders als bei der missglückten Kinoadaption von „Sex and the City“ – gelungen. Stars Hollow leuchtet besonders schön im winterlichen Lichterglanz. Doosey’s, der örtliche Lebensmittelladen, wurde nicht von Walmart oder einer anderen Supermarktkette aufgekauft und auf den örtlichen Bürgersteigen sucht niemand mit dem Mobiltelefon nach Pokémon-Go-Monstern. Und auch sonst ist fast alles wie früher: Lorelai und Rory trinken viel zu spät noch viel zu viel Kaffee und essen dazu Fast Food. Ihre Dialoge sind noch so atemlos-schnell, humorvoll und schlagfertig wie zum Start der Serie im Jahr 2000. Allerdings begegnen die Zuschauer Mutter und Tochter in einer ganz anderen Lebenssituation als noch vor sieben Jahren: Rory ist mittlerweile erwachsen und steht auf eigenen Beinen, während Lorelai in Stars Hollow zurück geblieben ist. Man muss sich schon ein bisschen bemühen, um den Protagonistinnen ihren noch immer leicht irrenden Weg durchs Leben abzunehmen.

Netflix versammelt den alten Cast

Vor diesem Hintergrund könnte auch der erneut schwelende Konflikt mit der konservativen und unerbittlichen Großmutter Emily (Kelly Bishop) etwas bemüht wirken. Im Laufe der vier Episoden, so viel darf man schon verraten, müssen sich die drei starken Frauen dann aber auch neuen Fragen stellen.

Lange war nicht klar, ob es wirklich weitergehen würde mit den „Gilmore Girls“. Produzentin Amy Sherman-Palladino und ihr Mann Daniel waren wegen Vertragsstreitigkeiten noch vor der finalen Staffel aus dem Projekt ausgestiegen. Netflix aber schaffte es, den alten Cast samt Produzentin erneut zu versammeln. „Diese Rolle war wie ein warmer Mantel, den man sich überzieht – und er passt nach fast zehn Jahren immer noch“, sagt Kelly Bishop in einem New Yorker Hotelzimmer. 75 Jahre alt ist sie inzwischen. „Ich freue mich wahnsinnig über diese Fortsetzung. Nicht nur, weil es schwer ist, in Hollywood Arbeit zu kriegen, sondern weil ich Emily so ins Herz geschlossen habe.“ Sie muss allerdings ohne ihren Serienmann Richard auskommen – Schauspieler Edward Herrmann starb an Silvester 2014. „Es war seltsam ohne ihn, er war auch am Set ein Freund“, sagt Bishop. „Emily hadert und trauert in den ersten Folgen“, verrät sie. „Sie und Lorelai verbindet inzwischen mehr eine Art Frauenfreundschaft als ein Mutter-Tochter-Ding – aber es knallt schon auch immer wieder ...“

„Lorelai und Rory sind für die Fans wie Freundinnen“

Es war die besondere Erzählweise, die den Erfolg der „Gilmore Girls“ ausmachte, das gewisse Etwas, das eine Serie strahlen und funkeln lässt und aus der Masse der billigen Traumfabrikproduktionen abhebt. Allerdings wurde die Serie lange als Mädchenfernsehen auf Ponyhofniveau unterschätzt. Der deutsche Privatsender Vox platzierte die ersten Staffeln noch in der scheinbar jugendrelevanten Nachmittagsschiene, bevor er das Potenzial erkannte und die „Gilmore Girls“ in die Primetime schob. „Die Protagonistinnen sind liebevoll, klug, politisch und feministisch – das passt in unsere Zeit“, sagt Karla Paul, Literaturkritikerin und Autorin des Reclam-Heftes zur Produktion. In keiner anderen Familienserie sei die Dichte kluger Zitate aus Literatur, Politik und Pop ähnlich hoch. Wann zuletzt wurde sonst im US-Unterhaltungsfernsehen so leidenschaftlich oft für Mark Twain, J. D. Salinger und Norman Mailer geworben? Noch stärker aber wirkt das Band zwischen Hauptcharakteren und ihren Zuschauern: „Lorelai und Rory sind für die Fans wie Freundinnen – sie haben ähnliche Probleme, sie sind nicht perfekt“, sagt Paul. Ganz klar ist die Serie auch ein Zufluchtsort vor den Ungnaden der Realität. 90 Minuten heile Welt für alle, aber mit Witz und Niveau. So sagen es auch die Fans. Sie beschreiben das viel zitierte „Gilmore Girls“-Gefühl mit Attributen wie „nach Hause kommen“, als „heimelig“ oder gar „geborgen“.

Bleibt zu hoffen, dass das auch dieses Mal funktioniert. Am Ende der letzten Staffel war Rory aufgebrochen, um für ein Onlinemagazin den Wahlkampf von Barack Obama zu begleiten. Das Amerika, in dem ihre Geschichte nun weitererzählt wird, ist gerade ein ganz anderes geworden.


Von Dany Schrader und Imre Grimm

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