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Medien „Götter in Weiß“ – aus der Unterwelt
Nachrichten Medien „Götter in Weiß“ – aus der Unterwelt
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18:00 13.11.2017
Wer nicht schweigen will, muss büßen: Die Chirurgin Anna Hellberg (Claudia Michelsen) wird abgeführt. Quelle: Foto: ARD
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Hannover

Krankenhäuser sind lebensgefährlich: Nach offiziellen Angaben sterben jedes Jahr in Deutschland bis zu 16 000 Menschen an Krankenhauskeimen, 800 000 infizieren sich. Und im internationalen Vergleich gelten unsere Kliniken gar als verseuchtes Terrain. Ein unglaublicher Skandal für eines der reichsten Länder der Welt, das zudem ausgestattet ist mit einem der teuersten Gesundheitssysteme. Und ein Thema, über das natürlich schon mehrfach im Fernsehen in Reportagen und Dokumentationen berichtet worden ist.

Ärztefilm wird zu aufregendem Medizin-Thriller

Nun hat sich die ARD mal wieder dieser Problematik angenommen allerdings in einem Spielfilm, der sich schnell von einem Ärztefilm zu einem aufregenden Medizin-Thriller entwickelt, dabei aber zum Glück das eigentliche Thema nicht aus dem Auge verliert.

Da Krankenhauskeime ja nicht besonders sexy sind, tragen sie allein natürlich nur schlecht ein 90-minütiges Drama. Es braucht also eine zusätzliche Story, und daher wird das zwar brisante, dennoch eben recht trockene Thema in „Götter in Weiß“ ziemlich geschickt vom Regisseur Elmar Fischer und den Autoren Andrea Frischholz und Jörg Tensing mit einer privaten Geschichte verknüpft, die jedoch auch viel über das Selbstverständnis unserer Ärzte erzählt, über die Konflikte, in die sie geraten können und über die Kompromisse, die sie alltäglich eingehen müssen. Dabei steht Anna Hellberg (Claudia Michelsen) im Mittelpunkt, eine leitende Chirurgin, die mit ihrem Ehemann Gunnar (Jan Messutat) am Klinikum einer Kleinstadt an der Mecklenburgischen Seenplatte arbeitet.

Korruptes System aus Vertuschungen und Intrigen

Hier haben sie sich mit ihrem gemeinsamen Sohn ein auf den ersten Blick hübsches Leben aufgebaut. Dennoch gibt es eine Vielzahl von Problemen – privat wie beruflich. So haben sie ihr idyllisches altes Haus nur mit einem hohen Kredit finanzieren können, ihr Sohn hat Schwierigkeiten in der Schule, ja ist vielleicht sogar verhaltensauffällig. Der alltägliche berufliche Stress ist enorm und belastet auch ihre Ehe sowie die Beziehung zu ihren Freunden. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss sich die taffe Anna nun auch noch gegen ein korruptes System aus Vertuschungen und Intrigen zur Wehr setzen.

Dabei hat alles mit einer Routine-Operation begonnen. Ein kleines Mädchen erleidet nach einem alltäglichen Eingriff plötzlich einen allergischen Schock, dessen Ursache sich Anna nicht erklären kann. Denn er wurde durch ein Antibiotikum ausgelöst, das sie der Kleinen gar nicht gegeben hat. Und als die kleine Patientin auch noch an einem multiresistenten Keim erkrankt, wird ihr Zustand lebensbedrohlich.

Anna findet schnell heraus, dass es in der letzten Zeit des Öfteren solche Komplikationen gegeben hat. Auch ein vermeintlich Schuldiger wird alsbald gefunden: Die Sterilisationsabteilung, in der aufgrund rigider Sparmaßnahmen mittlerweile Chaos herrscht. Doch die Missstände in ihrer Klinik erweisen sich als wesentlich größer, als Anna annimmt. Und die, die verantwortlich sind, wissen sich zu wehren.

Das vermeintliche Happy End tröstet kaum

Die Machenschaften, die Anna schließlich aufdeckt, sind zwar unfassbar, werden aber so realistisch beschrieben und erklärt, dass man als Zuschauer eigentlich nur hoffen kann, nicht so schnell in einem OP-Saal zu landen. Auch das vermeintliche Happy End tröstet da kaum, weil ein großer Teil der genau beschriebenen Missstände nach Meinung der Filmmacher systembedingt und eine grundlegende Veränderung derzeit nicht in Sicht ist – auch nicht in Jamaika-Germany. Glaubhaft wirkt die Figur der Anna dank der starken Leistung der Hauptdarstellerin Claudia Michelsen, die sehr zurückgenommen agiert – trotz der enormen Belastung, unter der ihre Figur leidet. Und selbst ihre Entwicklung zu einer Krankenhaus-Miss-Marple nimmt man ihr ab.

Von Ernst Corinth / RND

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