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Medien Grundsatzurteil zu Bildern bei Wikipedia: „Das kann das Ende von Wikipedia sein“
Nachrichten Medien Grundsatzurteil zu Bildern bei Wikipedia: „Das kann das Ende von Wikipedia sein“
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08:53 30.10.2018
Wie muss Wikipedia in Deutschland künftig mit den hochgeladenen Fotos auf seiner Plattform umgehen? Das könnte ich am Mittwoch durch ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs entscheiden. Quelle: dpa / Marcus Brandt
Münster

Am Mittwochvormittag kommt der Bundesgerichtshof für einen Prozess zusammen, der weitreichende Folgen für das Hochladen von Bildern beim Onlinelexikon Wikipedia haben kann. Wir haben mit Prof. Thomas Hoeren darüber mit Prof. Thomas Hoeren gesprochen, Medienrechtsexperte von der Universität Münster.

Ein Besucher hat in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen ohne Erlaubnis Fotos von Gemälden und Kunstobjekten gemacht und diese zusammen mit Abbildungen aus dem Katalog beim Onlinelexikon Wikipedia hochgeladen. Dagegen hat die Betreiberin des Museums geklagt – bislang mit Erfolg. Wem wird der Bundesgerichtshof am Mittwoch recht geben?

Ich glaube, dass am Mittwoch ein furchtbares Urteil fällt. Ich gehe davon aus, dass der BGH sowohl eingescannte Fotos aus dem Katalog als auch vom Besucher gemachte Fotos verbietet. Wahrscheinlich wird der BGH sagen, dass jedes Foto in Deutschland urheberrechtlich geschützt ist – so auch die Fotos, die für den Museumskatalog von einem Fotografen gemacht wurden. Dieser besondere Schutz beruht auf einer Entscheidung des Gesetzgebers, die schon 100 Jahre alt ist. Heute ist der maßlos übertrieben. Wenn der Besucher den Fall verliert, muss er die hohen Anwaltskosten bezahlen – seine und die der anderen Seite. Da kommen fünfstellige Beträge zusammen. Zum Glück ist bei dem Prozess aber nicht von Schadensersatz die Rede. Das wäre noch einmal teurer.

Was wird das Urteil für die Zukunft von Wikipedia bedeuten?

Das könnte das Ende der deutschen Wikipedia und dem Grundprinzip sein, dass die Fotos und Informationen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Wikipedia ging immer davon aus, dass Fotos von gemeinfreien Gegenständen bei der Verwendung unproblematisch seien. Die Betreiber müssen jetzt verschärft nachschauen: Wo kommen überhaupt die Fotos her, die Nutzer dort hochladen?

Heißt das, dass wir statt der Mona Lisa bei Wikipedia künftig nur noch schwarze Balken sehen?

Ja, das ist ein riesiges Problem. Selbst, wenn man meint, dass Abbildungen von der Mona Lisa doch frei verwendbar seien, weil ihr Schöpfer Leonardo da Vinci schon länger als 70 Jahre tot ist.

Welche Konsequenzen hat das für den Kunstfreund?

Ich mache mir Sorgen, dass das Urheberrecht und das Eigentumsrecht so eine große Macht bekommen, dass man als Nutzer gar keine Freiheiten mehr hat. Das Urheberrecht lebt von einer Balance der Interessen der Urheber, der Verwerter und der Nutzer. Diese drei Interessen müssen im Gleichgewicht sein. Wenn das gestört ist, führt es zu massiven gesellschaftlichen Restriktionen. Wie hier zulasten der Nutzer. Die Museen sollten ja froh sein, wenn ein begeisterter Besucher im Museum ist, ein schönes Foto macht und es benutzt, um das Museum bekannt zu machen. Aber jetzt soll den Besuchern genau das verboten werden.

Wie gehen andere Länder mit dem Thema um?

In den USA gibt es bei der Rechtsprechung einen ganz allgemeinen Gedanken: Der heißt Fair Use. Man darf alles machen, was fair ist. Im Einzelfall schaut man, was fair ist und was nicht. Die Amis sind da großzügiger und können flexibler an neue Technologien und neue Fragestellung herangehen.

Zur Person: Prof. Thomas Hoeren ist Rechtswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Informations- und Medienrecht. An der Universität Münster hat er den Lehrstuhl für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht inne. Nebenberuflich arbeitet er als Fotograf.

Von Geraldine Oetken / RND

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