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Medien Heitz: „Ich wollte eigene Welten schaffen“
Nachrichten Medien Heitz: „Ich wollte eigene Welten schaffen“
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13:01 21.10.2016
Der Meister der Fantasy-Abenteuer: Markus Heitz. Quelle: dpa
Frankfurt

Fantasy-Starautor Markus Heitz über seine neue Reihe um die Wüstenstadt Wédora und die Verbindung von Literatur und Spiel

Sie sind zum Verlag Droemer Knaur gewechselt und haben ein neues Romanprojekt begonnen. Was fasziniert Sie so an diesem Setting, der Wüstenstadt Wédora, in der es laut Untertitel nur Staub und Blut gibt?

Ich kann Hitze nicht ausstehen. Wüste ist für mich Stille, Sand, Felsen. Es ist ein Ort, der keine Fehler verzeiht. Im Wald findet man immer was zu Essen, selbst auf dem Meer kann man es einige Tage aushalten. Aber die Wüste kann dich ohne Aufwand innerhalb von 24 Stunden umbringen. Es gibt wohl keinen tödlicheren Ort. Außer vielleicht das Eis. Aber das ist dann ja auch wieder eine Eiswüste.

Erzählen Sie mal von den Anfängen des Romans in Ihren Rollenspielzeiten.

Das war vor 20 Jahren, da habe ich mich mit Freunden in allen möglichen Rollenspielwelten herumgetrieben. Dann wollten wir irgendwann eine eigene erschaffen. Wir haben angefangen, die Vorstadt und einen Götterhimmel für eine Wüstenstadt zu kreieren, dann ist das zunächst versandet. Doch mich hat dies nie losgelassen. Also habe ich die Jungs von damals angerufen, und die waren gleich Feuer und Flamme. Also machte ich mich ans Durchkonzipieren dieser Welt und habe die einzelnen Stadtteile entworfen. Ich nenne das Ideen-Archäologie.

Also lagen im Rollenspiel auch Ihre Anfänge als Autor?

Ja, diese Erfahrung ist beim Bauen von Welten, die in sich schlüssig sind, sehr nützlich. In denen man sich bewegen kann, ohne zu stolpern. Man muss sich Gedanken machen wie: Welche Währung und welche Entfernungsmaße gibt es? Wie ist die Rechtsprechung? Und dann kann man Konflikte zwischen verschiedenen fiktiven Gesellschaften erfinden, zum Beispiel unterschiedliche Einstellungen gegenüber Leibeigenschaft.

Zur Person: Markus Heitz

Der 45-jährige Markus Heitz ist einer der erfolgreichsten deutschen Fantasy- und Horrorautoren. Als einziger deutscher Autor gewann er bereits zehnmal den Deutschen Phantastik-Preis und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Während des Interviews (auf der Frankfurter Buchmesse) kommen immer wieder Fans vorbei, um sich von dem ganz in schwarz gekleideten Mann mit den vielen Piratenringen ein Autogramm geben zu lassen. Er unterschreibt mit einem Smiley mit Vampirzähnen.

Auf seiner Website erzählt er die Mähr, er habe als Schüler dem echten Markus Heitz die Identität gestohlen, Letzterer schufte jetzt wohl in einer Zitronenplantage. Eine Legende. Heitz hat Germanistik und Geschichte studiert und ist Mitbesitzer eines Irish Pubs in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Er hat mehr als 40 Romane geschrieben, besonders bekannt sind seine Reihen „Ulldart“ und „Die Zwerge“.

Ihre Zwergensaga wird gerade in ein Computerspiel umgesetzt, der Roman ist vom Rollenspiel inspiriert. Sind Fantasyleser oft auch leidenschaftliche Spieler und andersrum?

Es gibt auf jeden Fall eine Schnittmenge zwischen Fantasy-Lesern und -Zockern. Interessanterweise gibt es jetzt auch viele Bücher zu Computerspielen, „Assassin’s Creed“ zum Beispiel. Die Spielindustrie sieht also offensichtlich ein Potenzial, Geschichten auch in Buchform zu vertreiben. Für mich als Autor waren die 18 Monate Entwicklungszeit für das Zwergenspiel sehr spannend. Es wird dort auch neue Abenteuer geben. Ein neues Land, eine neue Erfahrung.

Sie schreiben auf Ihrer Website, Wédora werde der Auftakt zu einer neuen Reihe, wenn sich genug Fans fänden. Müssen Sie sich als Bestsellerautor darum immer noch sorgen?

Sorgen direkt nicht. Aber es ist nie sicher, ob ein neues Projekt auch eine Fanbase findet. Es gibt schon Heitz-Fans, die sich zumindest alles anschauen. Aber manche sagen vielleicht auch: „Ganz nett, aber jetzt bitte den nächsten Zwergenband.“ Das ist wie bei einer Band, die sich mit einem Album neu erfinden will. Und dann sagen die Fans manchmal: „Mach lieber noch mal wie vorher.“ Deshalb ist es besonders toll, wenn man was Neues hinstellt, und es wird angenommen. Von Wédora wird es im nächsten Jahr einen neuen Band geben.

In welcher Ihrer Welten würden Sie am liebsten leben?

Zumindest nicht in der Wüstenstadt! Ulldart wäre cool, es ist schließlich meine erste Welt. Aber noch besser wäre es, in „Die Mächte des Feuers“ einzutauchen. Der Roman hat ein historisches Setting, das der Zwanzigerjahre, aber uralte Drachen sind die Strippenzieher. Das würde ich mir gerne mal ansehen. Dann könnte ich mit einem Doppeldeckerbus fliegen.

Markus Heitz: Wédora – Staub und Blut, Knaur; 608 Seiten, 16,99 Euro

Das neue Buch von Markus Heitz. Quelle: RND

Von Nina May

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