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Hinter Gittern: Mit „Block B“ will RTL eine neue Ära des Serienfernsehens einläuten

Hinter Gittern: Mit „Block B“ will RTL eine neue Ära des Serienfernsehens einläuten

Die Menschen draußen genießen in dieser Berliner Nacht ihr Leben. Junge Leute lachen, einige von ihnen tanzen sogar ausgelassen auf der Straße. Bea Kröger (Gisa Zach) verfolgt das alles nur noch durch die Gitter eines Gefängnistransporters.

Leipzig. „Kiek dir noch mal allet jut an“, sagt die Gefangene in der anderen Kabine und grinst.

Fast ein Jahrzehnt nach Ende des Dauerbrenners „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ geht „Block B – Unter Arrest“ an den Start. Mit Katrin Sass, Nina Hoger und Claudia Michelsen liest sich die Besetzungsliste wie die eines hochkarätigen Dramas bei ARD oder ZDF. Mit der Starbesetzung ist RTL tatsächlich ein Coup gelungen, der Sender will mit dem neuen Format ganz offensichtlich an den Erfolg seiner legendären Serie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ anknüpfen.

Und doch bemüht sich der Kölner Privatsender zu betonen, dass „Block B“ nicht einfach ein bloßer Aufguss sei. Das Ganze liefere „die Radikalität, nach der das deutsche Feuilleton unter Bezugnahme auf amerikanische Serienproduktionen gerne ruft“, heißt es stattdessen. Es geht RTL zufolge also nicht um eine Seifenoper hinter Gittern, sondern um vergleichsweise hart und blutig erzählte Geschichten mit Charakteren, die nicht auf der Stelle treten.

Ganz offensichtlich waren die Macher auch bei der Wahl der Musik, in der Kameraführung und bei den Lichteffekten um Wertigkeit bemüht. Jede Folge stellt eine Figur ins Zentrum, deren Geschichte im Rückblick erzählt wird. Der Zuschauer aber merkt recht schnell, dass er eben doch bei einer RTL-Produktion und nicht beim für Formate wie „Game of Thrones“ berühmten US-Sender HBO gelandet ist. Durchaus packend, aber doch recht konventionell kommt die erste Folge daher: Die in wohlgeordneten Verhältnissen lebende Hausfrau und Mutter Bea (Gisa Zach) wird in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Tempelhof eingeliefert – später wird klar, warum: Sie hat in höchster Not versucht, ihren gewalttätigen Ehemann zu töten, der sie geschlagen und vergewaltigt hat.

Anhand von Häftlingsschicksalen wie diesen will die Serie immer wieder die Frage nach Recht und Gerechtigkeit, Moral und Schuld aufwerfen. Für Bea ist die Fahrt in den Knast eine Reise in die Hölle. Noch im Gefangenentransporter muss sie mitansehen, wie sich ein Vollzugsbeamter von einer Mitgefangenen im Tausch für eine Stange Zigaretten sexuell verwöhnen lässt. In Beas karger Zelle liebt sich ein lesbisches Paar. Später wird Bea von der herrischen Chris (Claudia Gaebel) gezwungen, Drogen in den Zellentrakt zu schmuggeln. Schnell gerät Bea zwischen die Fronten dominanter Frauen, die um die Macht kämpfen.

„Block B“ hat somit alles, was eine Frauenknastserie braucht, und bedient somit alle Klischees: Da gibt es eine redliche Heldin, einen lüsternen Wächter und eine stets vorhandene, unterschwellige Stimmung der Gewalt. Fehlt noch was? Ach ja, die tyrannische Anstaltsleiterin. „Wir brauchen härtere Maßnahmen“, zischt die streng gekämmte JVA-Chefin Petra Weissner (Claudia Michelsen). Sie will die Drogendeals stoppen. „Ich verhandele nicht mit Gefangenen.“

 Härte hat die Anstaltsleiterin bereits bewiesen, als sie die eigentliche Patin des Knastes in Isolationshaft steckte: Katrin Sass („Good Bye, Lenin!“) spielt Rita Plattner, die wegen Mordes lebenslang einsitzt. Als machtbesessene Anführerin herrscht sie über die JVA Tempelhof mit Gewalt und Einschüchterung. Die 58-jährige Sass hatte laut RTL gezögert, bevor sie die Rolle annahm. Damit wirbt der Sender nun und zitiert die Schauspielerin mit folgenden Worten: „Ich habe meiner Agentur erst mal gesagt: RTL, zehn Teile, im Knast, wenn jetzt ,Hinter Gittern‘ auf mich zukommt, bitte absagen. Generell ist Serie nicht meins. Aber diese Serie ist spannend, brutal und undeutsch. Und ich bin der Boss. Sonst hätte ich es nicht gemacht.“

Zweifellos schwimmt „Block B“ auf der neuen deutschen Serienwelle: Beflügelt vom Erfolg ausländischer Serien, produzieren deutsche Sender auf Hochtouren eigene einschlägige Formate. Die Idee zu „Block B“ stammt aber nicht aus Deutschland, vielmehr basiert das RTL-Format auf der australischen Erfolgsserie „Wentworth“. Und es gibt Ähnlichkeiten mit der US-Produktion „Orange Is The New Black“, die zurzeit im Bezahlsender Netflix zu sehen ist.

Ähnlich mutig und kompromisslos gibt sich nun auch RTL. „,Block B‘ ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich“, sagt Philipp Steffens, bei RTL für Fiction-Stoffe zuständig. „Es kann alles passieren: Wenn es wehtut, drehen wir die Schraube noch eine Umdrehung weiter.“

Christof Bock und Cornelia Wystrichowski

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