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Nachrichten Medien Holocaust-Überlebende warnt vor Rechtspopulisten
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11:43 25.11.2016
Gertrude, die Rentnerin aus Wien, warnt vor einem Erstarken der rechten Parteien. Quelle: Youtube
Wien

Dieser Appell geht unter die Haut. „Die Beleidigung anderen gegenüber, das Runtermachen, das Schlechtmachen, das stört mich am allermeisten“, sagt Oma Gertrude über die Worte, die im österreichischen Präsidentenwahlkampf von den Rechtspopulisten gewählt werden. Das Team des grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen hat das Video gepostet – in kürzester Zeit erreichten die Aussagen der 89-Jährigen ein Millionenpublikum.

Die Tochter der Auschwitz-Überlebenden erklärt die Beweggründe, warum sich Gertrude gemeldet habe. „Meiner Mutter war es sehr wichtig, sich in dieser Phase des Wahlkampfes öffentlich zu äußern und Stellung zu beziehen”, sagte sie. „In den letzten Wochen und Monaten hat sie uns immer wieder gesagt, dass es sich so anfühlt wie damals in den Dreißigerjahren.”

Gertrude verliert ihre Familie in Auschwitz

Die Wienerin ist zur Nazi-Zeit mit 16 Jahren deportiert worden – ebenso wie ihre ganze Familie – ihre Eltern und die zwei jüngeren Brüder. Gertrude war die einzige, die die Gräueltaten im Konzentrationslager von Auschwitz überlebte. Die Rhetorik damals gleiche der von heute, sagt sie. Die Rechtspopulisten würden nicht das Anständige der Menschen hervorrufen, sondern das Niedrigste. „Und das war schon einmal der Fall“, sagt die Wienerin und erinnert an ihre Kriegserlebnisse. „Da haben sich die Leute hingestellt, und wie die Juden die Straßen reinigen mussten, sind die Wiener gestanden – Frauen, Männer – und haben zugeschaut und haben gelacht“, berichtet sie. „Und das versucht man, wieder rauszuholen.“

Kämpfen um das Präsidentenamt: Norbert Hofer (r.) und Alexander Van der Bellen. Quelle: dpa

Gertrude warnt vor den Worten der FPÖ, etwa wie denen von Obmann Heinz-Christian Strache, der die Österreicher vor einem Bürgerkrieg gewarnt hat, wenn der Zustrom von – wörtlich – „Armutsmigranten“ nicht begrenzt werde. Sie habe als Siebenjährige einen Bürgerkrieg erlebt. „Da habe ich meine ersten Toten gesehen – leider nicht die letzten. Und dann sagt ein Politiker, ein Bürgerkrieg sei möglich. Das geht nicht.“

Ein Appell an die österreichische Jugend

Ihre Botschaft richtet die 89-Jährige vor allem an die Jugend Österreichs. Für sie sei es wahrscheinlich die letzte Wahl. „Die Jungen müssen selbst schauen, dass es ihnen weiterhin gut geht. Das können sie nur, wenn sie vernünftig wählen.“

Am 4. Dezember wählt Österreich einen neuen Präsidenten. Norbert Hofer von der rechten FPÖ liegt in Umfragen derzeit klar vor dem Gründen Van der Bellen.

Von RND/Carsten Bergmann

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