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Medien „Ich habe mich nie festlegen lassen“
Nachrichten Medien „Ich habe mich nie festlegen lassen“
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10:02 13.07.2018
Kreativ und wortgewandt: Wigald Boning löst voller Elan skurrile, bunte oder wissenswerte Fragen der Zuschauer Quelle: Foto: Sat.1

Herr Boning, zu Ihren zahlreichen Hobbies zählt auch das Sammeln von Einkaufszetteln. Was war Ihr jüngster Fund?

Das ist ein Verhaltensmuster von mir, das mich ein Leben lang begleiten wird. Im Supermarkt suche ich automatisch, ob ein Zettel im Einkaufswagen liegt, und der kommt dann in meine Sammlung. Mein jüngstes Exemplar ist in einer ausländischen Sprache, da weiß ich noch nicht mal, was das für Schriftzeichen sind. Es ist nicht Chinesisch. Vielleicht Georgisch. Dieser Zettel muss noch analysiert werden.

Sie gehören zum Rateteam der neuen Vorabend-Show „Genial daneben – Das Quiz“. Stimmt es, dass bei den Aufzeichnungen immer ein Strauß Brennnesseln in Ihrer Garderobe steht?

Das stimmt. Ich bin neulich zum Studio gejoggt, habe mich etwas verirrt und landete in einem Brennnesselfeld. Es hat den ganzen Tag geprickelt, und ich fand die Wirkung sehr angenehm und belebend. Ich habe dann zur Produktionsfirma eher im Scherz gesagt, dass ich gerne eine ganze Badewanne voller Brennnesseln hätte, und siehe da: Am nächsten Tag stand eine Vase davon da, und jetzt halte ich immer meine Unterarme dagegen.

Sie sind seit vielen Jahren als Ausdauersportler unterwegs, unter anderem haben Sie im Frühjahr bei der Harzquerung teilgenommen, einem 51 Kilometer langen Geländelauf. Ist das Ihre Art, Abstand vom stressigen Fernsehalltag zu finden?

Ich glaube, es hat eher damit zu tun, dass ich einen niedrigen Blutdruck habe und der durch körperliche Aktivität ein bisschen angehoben wird. Es ist auch eine Sache der Prägung, ich habe schon als Kind alleine lange Fahrten mit dem Rad gemacht und mit meinem Papa Wanderungen unternommen. Davon abgesehen finde ich den Fernsehalltag gar nicht so anstrengend. So was wie „Genial daneben“ ist ja nichts anderes als das, was ich am Frühstückstisch mit meiner Familie mache: Man wirft lustige Fragen auf und beantwortet sie dann.

Würden Sie sich als Besserwisser bezeichnen?

Nein. Ich freue mich natürlich, wenn ich etwas weiß, aber es ist nicht meine Art, Leute zu belehren. Ich kenne mich auch nirgends besonders gut aus. Ich lese hin und wieder, auch die Tageszeitung, da bleibt auch mal was hängen. Aber wenn ich als extrem gebildeter Mensch für unser Zeitalter stehen sollte, dann gute Nacht.

Frage: Aber bestimmt gibt es Fachgebiete, die Ihnen mehr liegen als andere …

Am schlechtesten kenne ich mich bei Naturwissenschaften aus, am allerwenigsten bei mathematischen Zusammenhängen. Aber bei Geisteswissenschaften, Geschichte und Politik weiß ich ungefähr, worum es geht.

Machen Sendungen wie „Genial daneben“ schlau?

Ob sie schlauer machen, weiß ich nicht, ich persönlich habe jedenfalls schon einiges gelernt. Der Schriftsteller Ernst Jünger hatte eine schöne Bezeichnung für Wissenszuwächse, von denen man zunächst nicht weiß, wofür sie gut sein könnten – er nannte das Humus. Dinge, die man so aufschnappt und die irgendwie das Weltbild bereichern, ohne dass man gleich sagen könnte, wie genau.

Zur Person

Wigald Boning kam 1967 bei Oldenburg zur Welt und wurde dem Fernsehpublikum in den 90ern mit der Comedyshow „RTL Samstag Nacht“ an der Seite von Olli Dittrich bekannt. Als Gesangsduo „Die Doofen“ landeten die beiden mit dem Song „Mief!“ sogar einen Nummer-1-Hit. Boning präsentierte seitdem mit seinem ausgemacht schrägen Humor etliche Formate wie die Wissensshows „Clever“ (Sat.1) und „Nicht nachmachen!“ (ZDF) oder die Politcomedy „Vier sind das Volk“. Fürs NDR-Fernsehen testet er sonntagnachmittags in „Carlo und Wigald auf Kur“ norddeutsche Urlaubsorte. Der TV-Star ist leidenschaftlicher Ausdauersportler, er sammelt Einkaufszettel, hat bereits viele Alben als Musiker und mehrere Bücher veröffentlicht. Wigald Boning lebt mit seiner Frau, einer Opernsängerin, in München.

Der Entertainer ist vom 16.7. an in der neuen Ratesendung „Genial daneben – Das Quiz“ zu sehen, die montags bis freitags (19 Uhr) bei Sat.1 läuft. In dem Ableger von Hugo Egon Balders 2003 gestartetem Rateklassiker „Genial daneben“ müssen prominenten Kandidaten kuriose Begriffe erraten.

Sie waren eines der Gesichter des Comedybooms in den 90er-Jahren, Ihre Fernsehkarriere begann mit der Show „RTL Samstag Nacht“. Werden Sie noch oft auf diese Zeit angesprochen?

Ja, ich werde oft darauf angesprochen. Wir haben damit offenbar eine Generation geprägt, und ich begegne oft Leuten, die mir zum Beispiel ungefragt „Die Doofen“-Texte auswendig vorsingen. Ich freue mich dann und stelle fest, dass ich selber die Texte weitgehend vergessen habe. Aber manchen Leuten haben sie sich tief eingeprägt, und das ist eine Ehre.

Aber stecken Sie dadurch nicht auch in einer Schublade fest? Auf Ihrer Facebook-Seite, wo Sie sich bisweilen auch politisch äußern, schrieb neulich jemand, er wolle sich nicht von einem früheren Mitglied der Band „Die Doofen“ belehren lassen …

Ich fand das lustig. Wenn das die Argumentationsstrategie von jemanden ist, der anderer Meinung ist, kommt er damit nicht weit. Und es ist doch ein Luxusproblem, wenn man in einer Schublade steckt, ich habe darunter nie gelitten und muss oft schmunzeln, wenn Schauspieler es beklagen, dass sie auf einen bestimmten Rollentypus festgelegt sind. Und eigentlich habe ich mich nie festlegen lassen. Ich habe mich zum Glück nie davon abbringen lassen, mich mit den Dingen zu befassen, die mich interessieren, der eher ernsthaften Musikproduktion oder halbwissenschaftlichen Büchern.

Ihr Markenzeichen waren früher die schrägen Klamotten …

Zu „Samstag Nacht“-Zeiten hatte ich zu jeder Sendung einen abgefahrenen neuen Anzug, der aber zumeist aus wenig tragekomfortablen Materialen wie Plastiktüten oder Kunstrasen bestand. So was würde ich heute schon aus Bequemlichkeit nicht mehr anziehen. Aber ich habe immer noch Spaß an originellen Farbkombinationen. Jeanshosen habe ich weiterhin nicht im Bestand.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Fernsehens seit den Anfängen Ihrer Karriere?

Ich glaube, dass es viel Sehenswertes gibt, das aber meistens auf 3sat und Arte läuft, wo man es nicht immer so registriert. Als ich vor ein paar Jahren Juror beim Deutschen Fernsehpreis war und mir eine ganze Tüte voller DVDs anschauen durfte, habe ich erst richtig gemerkt, wie viele interessante TV-Sendungen es gibt. Außerdem weiß ich natürlich, dass Serien gerade dem Kinofilm als fiktionales Leitmedium den Rang ablaufen. Aber ehrlich gesagt ist das ganze Serienzeitalter zu 100 Prozent an mir vorbeigerauscht, bei Netflix und Co habe ich den Anschluss schon verloren. So wie mein Vater zur Offline-Generation gehört, kann ich bei Serien nicht mitreden.

Sie haben Besseres zu tun, als zum Binge-Watching vor dem Fernseher zu sitzen?

Ich stelle mir immer vor, wie das dereinst ist, wenn ich auf dem Sterbebett liege. Werde ich dann sagen: „Ach, hätte ich mir doch mehr Serien angeguckt?“ Das glaube ich nicht. Ich werde eher denken: „Hätte ich doch mehr weite Fahrradtouren unternommen.“

Von Cornelia Wystrichowski

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