Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Medien Bremer „Tatort: Blut“: Horror auf Hanseatisch
Nachrichten Medien Bremer „Tatort: Blut“: Horror auf Hanseatisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:17 29.10.2018
Ausgesaugt: Eine junge Frau ist in einem Park ermordet worden. Das Bremer Ermittlungsteam sucht am Tatort nach Spuren. Quelle: Foto: Christine Schröder/Radio Bremen
Bremen

Wenn als Name einfach „Blut“ über dem „Tatort“ steht, steckt man die Kinder ins Bett und bedankt sich, dass der Titel ohne Umweg einräumt, was am Ende aufzuwischen ist. Denn der Film hat Hunger auf Horror und ist in seiner Wahl der Werkzeuge nicht zimperlich. Man braucht keine Lupe für die Ermittlung, denn es gibt klaffende Löcher im Hals. Die Opfer schreien, wie sie das zuletzt in den frühen Achtzigerjahren taten, als die Filme noch „Halloween“ hießen – „Die Nacht des Grauens.“

Auch Bremen liegt unter Nebel, der wird sich bis zum Schluss nicht lichten. Trotzdem werden die Wunden so ungeniert ausgeleuchtet, dass es schwerfällt, Moral und so etwas wie eine Metaebene zu finden – Zutaten, die beim „Tatort“ unbedingt dazugehören, weil diese Krimis immer auch ein Lehrstück in Gesellschaftskunde sind.

Trashige Note und kurioser Kitzel

Drei junge Frauen schauen einen Horrorfilm, sie hocken vor dem Fernseher. Eine etwas anachronistische Arbeitsbasis, weil junge Frauen heute nicht mehr vor dem Fernseher sitzen (sondern vor dem Laptop oder Beamer) und keine Horrorfilme gucken (sondern irgendwas von Netflix). Auf dem Heimweg wird Julia (Lena Kalisch) angefallen, man sieht nicht richtig, was passiert. Sie greift zum Handy, ruft die Polizei, schreit „Hilfe!“, sie lässt das Handy fallen. Die Bilder blitzen, als rutsche ein Störsender hinein. Ein Hinweis darauf, dass das Temperament wechselt. Das ist so ähnlich wie in einem teuren Auto, bei dem man beim Antrieb zwischen Öko, Comfort, Sport und Sport+ umschalten kann. Der Bremer „Tatort“ läuft jetzt auf Sport+. Der Film faucht wie ein Tier. Nein, wie ein Vampir.

Das Spiel mit dem Übernatürlichen gibt diesem Stück (Regie und Buch: Philip Koch) eine trashige Note und einen kuriosen Kitzel. Der Leiche von Julia fehlen drei Liter Blut. „Ausgesaugt von einem Menschen“, sagt der Gerichtsmediziner, der so was auch noch nicht gesehen hat und selbst für hanseatische Verhältnisse seinen Befund sehr wortkarg referiert. Ein Vampir? Selten hat man sich übers stoische, stabile „Moin“ von Stedefreund (Oliver Mommsen) und Lürsen (Sabine Postel), die in Bremen ermitteln, so gefreut. Wenn jemand diesem Spuk ein Ende setzen kann, nüchtern und ohne Hysterie, dann diese beiden. Hofft man. Und liegt falsch.

Denn auch Anna (Lilly Menke), die den Vampir gesehen hat, als er Julia aussaugte, wird nun vom Vampir bedroht. Weil Stedefreund die Zeugin Anna schützen will, wird auch er angefallen, gebissen – und vermutlich infiziert. Denn ein Professor, der über Vampirismus in der Theorie komplett im Bilde ist, raunt Sätze wie „Es gibt sie wirklich!“ und: „Wer vom Vampir gebissen wird, wird selbst zu einem“. Tatsächlich, Stedefreund fühlt sich schon schummerig. Bei Tageslicht scheint ihm der Kopf zu platzen. Und guckt er nicht den Leuten plötzlich auf die Halsschlagader?

Der Vampir ist anscheinend weiblich und hat sich in ihn verliebt. Stedefreund, ewiges Objekt der Begierde. Irgendwer verknallt sich immer in den Mann, das ist die Konstante der Bremer Episoden.

Besessene Übertreibung

Der Film setzt auf die Übertreibung, fast mit Besessenheit: Verfolgung auf dem Krankenhausflur, in der Pathologie flackert das Licht. Kommissarin Lürsen raunt, noch immer mütterlich und unerschütterlich: „Das ist eine irre Killerin, die da draußen rumläuft.“ Der Professor erklärt Stedefreund: „Sie müssen dem Vampir, der Sie gebissen hat, einen Holzpflock ins Herz schlagen, dann sind Sie wieder frei.“ Längst ist der Punkt des Filmes überschritten, an dem man über solche Sätze lachen kann. Die Mittel für den Horror sind billig, doch beim Drehbuchschreiben war es sicher lustig: Gib dem Affen Zucker! Auch dieser „Tatort“ sortiert sich irgendwann, trennt Gut und Böse. Die Erkenntnis bleibt, dass selbst bei einem öffentlich-rechtlichen Sender mal der Gaul durchgeht. Der Film hat das Maß verloren. Was erfrischend sein könnte. Doch dieses Stück hat sich an seinem eigenen Blutzoll besoffen.

Von Lars Grote

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die großen Zeiten der witzigen Familienserie „Modern Family“ sind vorbei. Mit dem Hinweis auf das Ableben einer „wichtigen Figur“ wurde noch einmal um breite Aufmerksamkeit gebuhlt. Jetzt wurde bekannt, wer in der zehnten Staffel stirbt.

27.10.2018

Serienfans aufgepasst! Die erfolgreiche Netflix-Produktion „Haus des Geldes“ mit dem Professor und seinem Team geht in die dritte Staffel. Der Streaming-Dienst veröffentlichte nun erste Bilder und bringt einen toten Charakter zurück.

26.10.2018

„The Voice Kids“ geht schon einmal in die Planung für 2019. Sängerin Lena Meyer-Landrut sitzt in der kommenden Staffel in der Jury.

26.10.2018